Dezember 2023 - Der frühe Vogel ....
Bereits im Oktober 2023 bekundeten wir bei Phoenix unser Interesse für die große Winterreise 2025/2026 mit der ARTANIA, ohne bereits irgendwelche Details zu wissen. Phoenix bot uns eine "blinde Optionsbuchung an", dass heißt, sobald die Reise buchbar sein sollte, sollten wir eine Buchung erhalten, die wir aber kostenfrei wieder stornieren könnten.
Außerdem wurde uns schon "verraten", dass die große Fahrt nicht im Dezember 2025 losgehen würde, sondern erst im Januar 2026 und dass die Route um Südamerika herum führen würde.
Im Dezember 2023 war es dann soweit, wir bekamen eine Buchungsbestätigung für die Winterreise 2026 einschließlich unserer Wunsch- und Stammkabine 4243 auf dem Saturndeck.
Von der Stornierungsmöglichkeit machten wir keinen Gebrauch.
September 2024 - Der neue Blog
Im September 2024 geht der Blog für die Amerikareise 2026 online. Natürlich enthält er noch nicht viel mehr als die Reiserroute, aber zumindest ist der Anfang gemacht.
September 2025 - USA ESTA
Anfang September 2025 bekamen wir von Phoenix ein Schreiben per E-Mail zugeschickt.
Wie in fast allen Schreiben bedankte sich Phoenix zunächst für unser Vertrauen, das wir ihnen mit unserer Buchung entgegengebracht hätten.
Nachdem wir den Dank entgegengenommen hatten, wurden wir im nächsten Absatz des Schreibens darüber informiert, dass die Gebühr für die ESTA-Einreisegenehmigung in die USA erhöht wird und sich ab den 30.9.2025 von 21,00$ auf 40,00$ fast verdoppelt.
Dicker Pluspunkt an Phoenix fürs informieren!
Diese ESTA (Electronic System for Travel Authorization) gilt für zwei Jahre.
Deshalb machte es Sinn, dieses Dokument flugs zu beschaffen, denn am 19.4.2026 werden wir versuchen in Fort Lauderdale amerikanischen Boden zu betreten.
Die Beantragung und Bezahlung der ESTA-Einreisegenehmigung auf der Internetseite des „US Department of Homeland Security“ war problemlos und die Genehmigung wurde uns alsbald noch zum Schnäppchenpreis gewährt.
Ich habe bewusst geschrieben „wir versuchen in Fort Lauderdale amerikanischen Boden zu betreten“, denn diese Einreisegenehmigung ist zwar notwendig für die Einreise, aber noch nicht alles. Beim Facecheck kann der Beamte der Einreisebehörde uns noch nach Lust und Laune die Einreise verweigern.
Deshalb werde ich mich auch hüten, hier im Blog zu postulieren, dass Herr Trump nicht alle Tassen im Schrank hat, ein narzistischer Psychopath ist, die Demokratie gegen die Wand fährt und deshalb brandgefährlich ist. (Sollte ich mir vielleicht stattdessen lieber eine rote MAGA-Kappe zulegen?)
Sollten Doris und ich dann tatsächlich in die USA einreisen dürfen, bleibt immer noch offen, ob der Höhepunkt des USA-Abschnitts der Kreuzfahrt, nämlich die 1 ½ Tage in New York, auch tatsächlich in New York stattfinden wird.
Klingt seltsam, ist aber bei Phoenix nicht selbstverständlich.
2001, auf einer Kreuzfahrt mit der MS DELPHIN (Delphin Seereisen), lagen wir 2 Tage am Manhattan Cruise Terminal am Ostufer des Hudson Rivers (ca. 1 km zum Time Square); also nur wenige Schritte und man war mitten im Geschehen.
Auf der Kreuzfahrt 2007 "Kanada - USA - Karibik-Kaleidoskop" mit dem Phoenixschiff ALEXANDER von HUMBOLDT stand zwar auch New York auf dem Routenplan, aber wir lagen stattdessen am Westufer des Hudson am Cape Liberty Cruise Port in Bayonne/New Jersey in New Jersey. Über diesen Umstand wurden wir allerdings erst auf dem Schiff, wenige Tage vor Ankunft in New York informiert.
Statt problemlos in die City zu gelangen, musste man sich damals einen Platz in einem Shuttlebus erkämpfen, der dann im New Yorker Verkehrschaos fast zwei Stunden brauchte, um uns ins Zentrum zu fahren. Auch die Rückfahrt nach New Jersey dauerte so lange. Die Alternative Taxi schlug mit ca. 60 Dollar für die einfache Strecke zu Buche.
Und wie zum Hohn hatte Phoenix an der Gangway der ALEXANDER von HUMBOLDT ein Schild aufgestellt, auf dem wider besseres Wissen „Willkommen in New York“ prangte.
Ob wir diesmal im „richtigen“ New York anlanden werden?
Schaun’n wir mal!
Oktober 2025 - Tollwut und Bahnticket
Wir haben uns gegen Tollwut impfen lassen. Diese Impfung beinhaltete 3 Spritzen, die innerhalb von 4 Wochen verabreicht wurden. Sowohl in Südamerika als auch in Asien (wo wir 2027 sein werden) ist die Tollwut bei Hunden sehr verbreitet, wie wir jetzt erst in Erfahrung brachten. Und da wir gerne mal von den üblichen touristischen Pfaden abweichen, hielten wir diese Impfaktion für durchaus sinnvoll.
Ganz billig ist diese Sache nicht. Das Serum kostet 85 Euro pro Spritze, dazu kommen noch 12 Euro Arztkosten pro Pikser und die Aktion läuft (erst einmal) nicht über die gesetzliche Krankenkasse, sondern man tritt als Privatpatient auf.
Unsere Kasse wird eventuell die Kosten von knapp 600 Euro erstatten, aber sicher ist das noch nicht.
Also heißt es wieder. Schaun’n wir mal!
Ein Newsletter der Deutschen Bahn warb damit, dass ein Rabatt von 12% auf die Sparpreise gewährt wird, wenn man bis zum 21. Oktober 2025 ein Bahnticket zum Sparpreis buchen würde.
Sparpreistickets sind Fahrkarten mit Zugbindung. Der Sparpreis ist abhängig und variiert, welchen Zug man nimmt und wie früh man bucht. Buchungen sind bis zu einem Jahr im Voraus möglich.
Wir werden am 12. Mai 2026 in Bremerhaven ankommen, also haben wir als bekennende Schnäppchenjäger jetzt schon die Heimreisetickets besorgt.
Gemäß regulärem Tarif für das sogenannte Flex-Ticket, hätte eine Fahrkarte ohne Zugbindung einschließlich Platzreservierung 511,80 Euro gekostet, aber so sind wir mit 110,78 Euro davon gekommen.
November 2025 - Der Starttermin rückt näher
Die Krankenkasse hat tatsächlich sämtliche (nicht unerhebliche) Kosten für unsere Tollwutimpfung übernommen.
Auf der letzten Reise hatten wir ja einige Male geschnorchelt. Dabei wurden Tauchermaske und Schnorchel vom Veranstalter gestellt. Dieses Equipment war mal mehr und mal weniger gut.
Also ließen wir uns von einer großen Internet-Versandfirma (erster Buchstabe ein „A“) einige Masken schicken und behielten dann die, die am bequemsten war, insofern man bei einer enganliegenden Tauchermaske überhaupt von bequem sprechen kann.
Es wird langsam ernst, Phoenix hat die Reiseunterlagen geschickt. Diese bestehen aus:
(a) einem Informationsblatt,
(b) 5 Reiseführern (für jede Etappe der Weltreise einen),
(c) mehrere Kofferanhänger und
(d) 2 Schlüsselbänder.
Abgesehen vom Punkt (b) sind die anderen Punkte aus der Sicht eines einzelnen Reisenden (also meiner) erwähnenswert.
Fangen wir mit dem positiven Punkt (c), den Kofferanhängern an.
Ganz früher, als noch alles besser war, waren die Kofferanhänger aus Kunststoff, stabil genug, um am Koffer zu verbleiben, auch wenn sie beim Verladen nicht gerade mit Samthandschuhen angefasst werden.

Man beachte die Aufschrift
"Zum Verbleib bis zur Heimkehr".
Solange hielten viele der filigranen Anhänger
leider nicht immer durch.
Dann kam bei Phoenix irgendjemand auf die glorreiche Idee, Kosten zu sparen, indem man auf Kofferanhänger aus dünnem Karton umstellte.
Wie oft haben wir herrenlose beschrifte Anhänger im Schiff und vor dem Schiff auf dem Boden rumliegen sehen. Wie und ob die anhängerlosen Koffer dann ihren Besitzern zugeordnet werden konnten – wer weiß es schon.
Jetzt, nach einigen Jahren, hat sich wohl die Einsicht durchgesetzt, das der Umstieg von Kunststoff auf Papier doch keine so gute Idee war.
Die jetzigen Anhänger sind noch stabiler als die vor dem Papier-Intermezzo und bestechen sogar durch eine Lederoptik.
Um Punkt (d), den Schlüsselbändern, rankt sich eine eher akademische als ernst gemeinte Frage.
Waren sie bisher im gewohnten klassischen Phoenix-Türkis, so strahlen sie jetzt durch ein schönes, auffälliges, tiefes Blau. Die Frage lautet also: Wieso hat man hier auf das übliche Corporate Design verzichtet?
Wenn der geneigte Leser meint, das sei doch vollkommen wurscht, hat er sicherlich recht. Schließlich leidet die Funktionalität dadurch in keinster Weise.
Wer möchte, kann sich weiterhin damit seine Bordkarte um den Hals hängen oder bei Ausflügen den Audio-Guide dran befestigen - auch in dunkelblau.
Bei Punkt (a) „Informationsblatt“ gibt es einen kleinen Stolperstein zu beachten.
Hierbei geht es um das Phoenix Anreise-Paket. Das Paket beinhaltet den Flug von Frankfurt nach Mailand mit der Fluggesellschaft easyJet und den Bus-Transfer von Mailand zum Hafen von Savona, wo die Kreuzfahrt dann startet.
Über den Flug ist im Infoblatt zu lesen: „Freigepäck pro Person: 1 Gepäckstück à 23kg“.
Da stellt sich sofort die Frage: Was ist mit Handgepäck?
Die Internetseite von easyJet verrät, dass ein „kleines Handgepäckstück (max. 45 × 36 × 20 cm)“ mit an Bord genommen werden kann (kostenfrei).
Jetzt darf man auf keinen Fall davon ausgehen, dass jeder Trolley kostenfrei mit an Bord gebracht werden kann, denn viele dieser praktischen Behältnisse sind größer.
Lediglich Kinder-Trolleys sind klein genug, dass sie gratis mit in den Flieger genommen werden können, handelsübliche Trolleys fallen unter die Kategorie „großes Handgepäck (max. 56 × 45 × 25 cm)“ und können bzw. müssen gesondert gegen eine Gebühr von 29,90€ pro Stück dazu gebucht werden.

Ausschnit von der easyJet-Internetseite
Hier haben die easyJet-Marketingexperten wohl bewusst "vergessen", auch den Bis-Preis mit aufzuführen.
Dezember 2025 - Handgepäck und Weihnachten
Phoenix-Reisen gibt auf ihrer Web-Seite die Route der Weltreise 2027/2028 bekannt. Die Reise ist ab sofort buchbar.
Kurz vor Weihnachten kamen von Phoenix die finalen Reiseunterlagen, zum einem die Vouchers, ohne die man nur schwerlich aufs Schiff einchecken kann und die Buchung für den Flug von Frankfurt nach Mailand mit der Airline easyJet.
Dass Phoenix den Flug bei dieser Billig-Fluggesellschaft gebucht hatte, wurde uns ja schon im November mitgeteilt.
Und dass diese Billig-Airline gar nicht so billig ist, konnten wir sehr schnell feststellen, da beim Flug zwar ein Koffer pro Person mitfliegen darf, aber dass für Handgepäck, das geringfügig größer als ein Kinder-Trolley ist, ein Extra-Salär anfällt.
In der Facebookgruppe "Große Amerika-Reise mit MS Artania 2026 (ART387)" empfahl eine Kommentatorin zu diesem Thema die Strategie: „Ignorieren, Augen zu und durch“.
Aber dafür ist mein Nervenkostüm zu dünn, denn wenn man mit einem zu großen Handgepäck doch erwischt wird, wird das gute Teil als zusätzliches (noch teureres) Aufgabegepäck eingezogen und verschwindet im Bauch des Fliegers (AGB easyJet). Das ist sehr kontraproduktiv bezüglich Sinn und Zweck vom Handgepäck.
Also haben wir uns mit Hilfe der uns nun von Phoenix bekannt gegebenen Buchungsnummer auf der Internetseite bei easyJet eingeloggt, um unsere (nicht kindgerechten) Trolleys dazuzubuchen und siehe da ....
.... Überraschung!!!
Der vor 4 Wochen angezeigte Preis von 29,90 € pro Stück gehörte der Vergangenheit an. Jetzt verlangte die Billig-Fluglinie 43,48 € pro Stück. Ja, die Tarif-Designer sind sehr kreative Leute. Je näher der Abflugtermin kommt, desto teurer wir die ganze Chose.
Ich habe übrigens spaßeshalber noch mal 3 Tage vor Reisebeginn auf der Internetseite nachgeschaut, da wollten die Kameraden von easyJet mittlerweile stolze 69,48 € haben.
OK, für die Airline bringe ich sogar ein gewisses Verständnis auf. Mit den billigen Tickets können Sie kein richtiges Geld verdienen, also generieren sie Zusatzeinnahmen.
Aber dass Phoenix seine Gäste mehr oder weniger gegen die Wand laufen lässt und nicht das übliche Arrangement (Koffer + normalen Trolley) bucht, ist schäbig.

Statler und Waldorf, diese beiden Lästermäuler, erscheinen hier im Blog immer dann, wenn ich etwas heftigere Kritik üben möchte (was mir gerne auch als Meckern ausgelegt wird 😊).
Hierfür bekommt die Phoenix Reisen GmbH vom mir gleich einen dicken „Statler und Waldorf“.
Ich werde öfter mal gefragt, warum wir immer wieder mit Phoenix verreisen, wenn das Verhalten der Firma doch ab und an in meinen kritischen Fokus gelangt.
Dann beantworte ich diese Frage mit dem folgenden etwas spöttischen Vergleich: „Man heiratet eine Frau ja nicht wegen der Schwiegermutter, sondern trotz derselben.“
Phoenix hat eben die besten Routen und die ARTANIA ist das beste zu uns passende Schiff.
Dafür, dass wir 2020 das letzte Mal Weihnachten und Silvester zu Hause gefeiert hatten, haben wir die Weihnachtsdeko 2025 doch ganz gut hinbekommen...
Januar 2026 - Jetzt geht's los ...
Am 2. Januar 2026 wurden 3 Koffer von Tefra abgeholt. Sie werden per LKW nach Savona verfrachtet und dort direkt in unsere Kabine gebracht.
Zwei Tage vor dem Abflug nach Savona habe ich folgenden Kommentar in Facebook entdeckt.
Also war es richtig, das „große Handgepäck“ dazu zu buchen.
So, nun kann sie losgehen, die Große Amerika-Reise mit MS ARTANIA 2026.
1. Reisetag – Mittwoch, 07.01.2026 Anreise nach Savona
Der Tag begann früh, sehr früh, um halb fünf, schließlich war final noch dies und das zu erledigen. Zum Beispiel Fernseher und Fritzbox von Stromnetz zu trennen, die letzten Utensilien in den Koffer zu verfrachten.
Die Angst, dass das Taxi nicht pünktlich um 6:45 Uhr kommt, war wie immer unbegründet. Überpünktlich war es da und brachte uns in knapp 20 Minuten zum Frankfurter Flughafen.
Und dort ging es schon mal saublöd los. Da sowohl Doris und auch ich jeweils mit einem Koffer, einem Trolley und einem Rucksack ausgestattet waren, wollten wir uns für 2 Euro den Luxus eines Gepäckwägelchens leisten. Nach Präsentation einer Kreditkarte wurde eine Sperre gelöst und man konnte den hintersten der ineinandergeschobenen Wagen „befreien“. Im Besitz dieses nützlichen Helferleins bemerkten wir, dass ein Rad blockierte. Der Wagen hatte auch einen Anhänger mit der Aufschrift „defekt“, den wir leider erst jetzt entdeckten.
Welcher Honk schiebt einen als defekt gekennzeichneten Wagen zurück, so dass der nächste Unglücksrabe diesen Schrott an Land zieht.
Wir beschlossen keinen zweiten Versuch zu wagen und bewältigten unser Gepäck auch ohne weitere Hilfsmittel, was möglich war, weil die Erfindung des Rads bei der Herstellung unserer Koffer berücksichtigt worden war.
Die Schlange am easyJet Schalter bewältigten wir ohne Murren, der Sicherheitscheck war rasch erledigt.
An unserm Gate (D24) war es allerdings eisekalt, da anscheinend dort die Heizung ausgefallen war.
Das nächste schlechte Omen?
Um es vorwegzunehmen: NEIN!
Die gesamte Anreise verlief wie am Schnürchen. Dass der Flug nach Mailand 30 Minuten verspätet war, steckten wir locker weg.
Am Gepäckausgabeband in Mailand gab es nochmal eine kleine Schrecksekunde, da das Band plötzlich stehen blieb und eine Warnblinklampe und ein eindringliches Tuten wohl ein technisches Problem signalisierte.
Aber nach wenigen Augenblicken ging es schon wieder weiter und unsere beiden Koffer kamen wohlbehalten an, sodass wir uns nicht den armen Teufeln vor dem Lost and Found Schalter anschließen mussten.
Gut zwei Stunden dauerte der Bustransfer von Mailand nach Savona zum dortigen Cruiseterminal und wir konnten die ARTANIA entern.
Nach dem Check-In und dem obligatorischen Begrüßungssekt bezogen wir unsere Kabine 4243.
Ein Glücksfall ist unser Kabinensteward Roberto. Er war gegen Ende unserer letzten Reise schon mal für unsere Kabine zuständig und wir waren damals äußerst angetan von seiner Freundlichkeit und seinem Eifer. Erstaunlich, dass er sich noch an viele unsere Gewohnheiten erinnern konnte, wie z. B., dass die Betten tagsüber nicht in Sofas verwandelt zu werden brauchen. Die übliche Diskussion, die Aufbauten der Sofas, nämlich die unförmigen Arm- und Rückenpolster und die 4 riesigen Paradekissen unter den Betten zu verstauen, fand nicht statt, sondern verschwanden ohne Murren zusammen mit unseren Koffern in irgendeinem Depot.
Für uns beginnt eine Schiffsreise immer erst richtig, wenn wir die Rettungsübung hinter uns haben. Das war gegen 21:00 Uhr der Fall.
Um 21:30 Uhr legte die ARTANIA ab, während aus den Bordlautsprechern die Auslaufmelodie ertönte – ein erhebender Moment am Beginn einer so langen Reise.
Starker Wind und unruhige See ließen in der Nacht das Schiff schaukeln.
2. Reisetag – Donnerstag, 08.01.2026 Seetag
Das Schiff schaukelt immer noch etwas, aber zu wenig, um seekrank zu werden oder uns verleitet, prophylaktisch eine Reisetablette einzuwerfen.
Alles hier an Bord ist wie immer, das Eingewöhnen geht rasend schnell, was sicherlich auch den vielen bekannten Gesichtern bei der Crew und den Phoenixleuten geschuldet ist.
Etliche Crewmitglieder kamen auf uns zu, um uns zu begrüßen und sprachen uns dabei mit unseren Namen an. Erstaunlich welch ausgeprägtes Personengedächtnis diese Menschen haben müssen. Für uns ist es einfach, sich an einen freundlichen Kellner oder eine zuvorkommende Getränkestewardess zu erinnern. Aber die Crew trifft innerhalb von 2-3 Wochen auf hunderte neue Gesichter.
Heute haben wir ein neues Wort gelernt: Kuchenrotation. Und das kam so. Als uns der Hotelmanager, Remo Jahnkow, in der Bibliothek antraf und begrüßte, brachten wir schnell das Gespräch auf das Thema sonntägliche Schwarzwälder Kirschtorte. Er räumte ein, dass diese Konstante, auf die wir bei der letzten Reise großen Wert gelegt hatten, leider nicht mehr so konstant sei. Das würde damit zusammenhängen, das Fritz Pichler, der Phoenix-Flotten-Küchenchef (auch ein schönes Wort) die Kuchenrotation geändert hätte.
Bedeutet das, dass es jetzt statt am Montag z. B. jeden MIttwoch verläßlich New York Cheesecake gibt und Schwarzwälder Kirsch an einem anderen Werktag? Schwarzwälder Kirsch mitten in der Woche? Kaum vorstellbar. Versteckt sich am Ende hinter der Kuchenrotation, dass die beliebte Tote ganz aus dem Sortiment gestrichen wurde?
Der Hotelmanager sagte zu, das brisante Schwarzwälder Kirsch Thema zur Sprache bringen, wenn in Kürze der Phoenix-Flotten-Küchenchef daselbst an Bord der ARTANIA verweilen wird.
Auch bei den Mitreisenden trafen wir auf etliche uns bekannten „Wiederholungstäter und Wiederholungstäterinnen“.
Heute mussten wir ein schwierige Entscheidung treffen, nämlich: Wie optimieren wir den Kauf der Internetpakete auf der ARTANIA?
In der Vergangenheit war das einfach. Wir kauften das Rundum-Sorglos-Paket: Internetflatrate für die gesamte Reise für 799 €.
Aber jetzt gibt es alternativ 2 verschiedene Flatrate-Tarife:
Kleine Flatrate bis 120 Reisetage begrenzt auf drei Geräte 699,00 EUR
Große Flatrate ab 121 Reisetage begrenzt auf drei Geräte 799,00 EUR
Da die Reise 125 Tage dauert, bedeutet das rein rechnerisch, dass wegen 5 Tagen die Flatrate, die die gesamte Reise abdeckt, mit 100,00 Euro zu Buche schlägt.
Wir könnten jetzt 5 Tage Internet-Abstinenz praktizieren und dann ab dem 6. Reisetag die „kleine Flatrate“ buchen. Oder wir könnten die ersten 5 Tage der Reise mit einzelnen Datenpaketen überbrücken.
Dazu bietet Phoenix Folgendes an:
- 1 GB Datenvolumen 15,00 EUR
- 5 GB Datenvolumen 49,00 EUR
- 15 GB Datenvolumen 99,00 EUR
Hierzu sollte man noch wissen, dass ein solches Paket nicht gleichzeitig parallel auf 2 Geräten genutzt werden kann. Doris und ich könnten nur nacheinander ins Netz. Keine gute Idee. Also müssten 2 Pakete angeschafft werden.
- 2 x Variante (c) ist unsinnig, weil 2 x99 € - rechnet doch selbst nach …
- 2 x Variante (b) spart genau einen Euro.
- 2 x Variante (a) ist ein akzeptabler Kompromiss zwischen totaler Internet-Abstinenz und dem Wunsch zu sparen und trotzdem ins Netz zu können.
Wenn wir nicht gerade Videos streamen, müssten wir damit auskommen, aber auch bei einem weiteren 1 GB-Paket wären wir noch im grünen Bereich.
Das ist der große Nachteil, wenn Tarifvielfalt herrscht. Hätte es nach wie vor nur den einen Flatrate-Tarif für 799 Euro gegeben, wir hätten ihn mit einem gewissen brummeln gebucht ("ganz schön teuer" ), hätten dann aber ab sofort die Sache aus dem Kopf gehabt.
Der Vorteil: Ich kann hier im Blog meine Leser mit solch schwerwiegenden Überlegungen die Zeit stehlen. 😊
Heute war übrigens der erste Galaabend von insgesamt 15. Dies möchte ich nur am Rande erwähnt haben.
3. Reisetag – Freitag, 09.01.2026 Seetag
Das Wetter war immer noch recht schaurig. Schuld daran war der starke, kalte Wind. Die ARTANIA stampfte stoisch ihren Kurs. Irgendwann im Laufe des Vormittags kam die spanische Südostküste in Sicht und zwar so nahe, dass das spanische Mobilfunknetz in genügende Reichweite kam. Dank der europäischen Roamingregeln konnten wir das ARTANIA-WLAN zugunsten der deutschen Mobilfunkverträge erst mal abschalten. Wir waren bei Weitem nicht die Einzigen an Bord, die ihr Handy zückten und den Laptop anwarfen.
Für das Mittagessen im Lido-Selbstbedienungsrestaurant war wieder, genau wie gestern, das leidige Schlangestehen angesagt, weil es keine freien Sitzplätze mehr gab.
Der Zutritt zum Restaurant wird dann durch die Restaurant-Aufsichten, den sogenannten Supervisoren, geregelt.
Immer wenn wieder Plätze frei wurden, durften ein oder zwei hungrige Mäuler das Restaurant betreten.
Seetage und schlechtes Wetter sorgen seit einigen Jahren für diesen Engpass. Der gediegene Lunch in den Bedienrestaurants war früher noch die Regel und ein Besuch des Lido-Buffet gehörte nicht zum Mainstream. Das hat sich im Laufe der Jahre stark geändert.
Das schlechte Wetter verhindert, dass die Gäste im Außenbereich ihr Mahl einnehmen können und die Seetage verhindern, dass die Gäste an Land gehen und aufs Mittagessen verzichten und so kommt es immer wieder zu den Engpässen.
Leider hat Phoenix nicht darauf reagiert und im Lido die Öffnungszeit erweitert. Nach wie vor gibt es dort von 12:30 Uhr bis 14:00 Uhr Mittagessen, anstatt das Lido an den „kritischen“ Tagen schon etwas früher zu öffnen.
Stattdessen hat der Kreuzfahrtdirektor in seiner Sendung „auf ein Wort“, die zu Anfang einer jeder Kreuzfahrtetappe im Bordfernsehen läuft, an die Reisenden appelliert, im Lido die Plätze mit Rücksicht auf die Warteschlange freizugeben, wenn die Mahlzeit beendet sei.
Appelle verhallen in der Regel ohne messbaren Erfolg und außerdem will der ein oder andere im Urlaub gerne in Ruhe mit den Tischgenossen noch ein Schwätzchen halten. Man ist (bzw. isst) ja nicht in der Kantine und muss danach schnell wieder ins Büro.
Am Abend ist die Situation im Lido entspannter. Das liegt zum einem an der langen Öffnungszeit (18:00 Uhr – 20:30) und daran, dass die „richtigen“ Restaurants zum Dinner viel stärker frequentiert werden als zum mittäglichen Lunch.
4. Reisetag – Samstag, 10.01.2026 Malaga/Spanien
Schöne Parkanlagen und eine touristisch belebte Fußgängerzone waren in den vergangenen Jahren Ziel unserer Unternehmungen hier in Malaga, an der Südspitze der iberischen Halbinsel gelegen.
Warum also diesmal nicht irgendwelche Nachbarorte besuchen? In die nähere Auswahl kamen zwei Städte, nämlich Marbella und Torremolinos.
Marbella war einst ein Hotspot für den Jetset, die Reichen und die Schönen, während Torremolinos einst ein angesagter Urlaubsort für junge Leute war.
Anhand dieser Klassifizierung fanden wir, dass für uns (weder schön noch reich) Torremolinos das passendere Ziel sei (weil im Grunde immer noch jung 😊). Außerdem liegt es näher an Malaga.
Zunächst mussten wir erst einmal ca. 1,5 Kilometer zu Fuß über die Hafenpromenade bewältigen, vorbei an den noblen Geschäften und Restaurants.
Ein Bus der Linie 14 brachte uns zur S-Bahn-Station Malaga-Centro-Alameda.
Von dort fuhr ein Zug (Linie C1) ins knapp 20 Kilometer entfernte Torremolinos.
Das recht nette touristische Zentrum von Torremolinos eignet sich schön zum Bummeln. Der Jahreszeit geschuldet hielt sich der touristische Rummel sehr in Grenzen.
Der Wind lief der Sonne den Rang ab, sodass eine warme Jacke und Ohrenschützer angesagt waren, auch wenn einige wenige hartgesottene englische Touris in kurzen Hosen und Kurzarm-T-Shirts sich bereits im vollen Urlaubsmodus befanden, schließlich waren wir ja an der Costa del Sol.

Kaffeepause!
Ein freundlicher Kellner bot sich an, ein Foto von uns zu machen.
Allerdings ließ uns ein großes tieffliegendes Propellerflugzeug im entscheidenden Augenblick Foto-Handy und Kellner vergessen.
In umgekehrter Reihenfolge (S-Bahn C1 und Buslinie 14) ging es zurück nach Malaga.
Auf dem Weg von der Bushaltestelle zum Schiff wurde uns ein beeindruckendes Schauspiel geboten.
Urplötzlich flogen hunderte Möwen auf, weil sie entweder aufgeschreckt wurden oder die Anführer-Möwe das Kommando zum Aufbruch gegeben hatte.
Gegen 16:00 Uhr waren wir wieder auf der ARTANIA, wo wir zur Kaffeestunde mit Apfelkuchen und Schlagsahne unser ausgefallenes Mittagessen kompensierten.
Das geplante Ablegen um 18:00 Uhr verzögerte sich um eine gute Stunde nach hinten. Der Grund war eine sogenannte medizinische Ausschiffung. Eine erkrankte Passagierin musste von einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht werden. So etwas kommt immer wieder vor und ist eine absolute Horrorvorstellung.
Wenn es "Leinen los!" heißt, werden die dicken Taue über starke Winden ins Schiffsinnere eingerollt.
Mit Erstaunen beobachteten wir, wie auf dem sogenannten Mooring-Deck ein Crew-Mitglied ohne Handschuhe mit bloßen Händen mit den laufenden Tauen hantierte.
Auf dem Foto ist zu sehen, wie er das dicke laufende Tau mit einem Seil in Position hält. Wehe wenn sich dieses "Halteseil" irgendwie mit dem Tau verhakt, so schnell kann er es gar nicht loslassen, als dass er sich an den Handflächen verletzt hat. Ihm gehört vom Offizier für Arbeitssicherheit ein gehöriger Anschiss verpasst. Oder aber stattdessen dem Sicherheitsoffizier, wenn er auf solche Dinge nicht achtet.
5. Reisetag – Sonntag, 11.01.2026 Seetag
Die heutige Kaffeestunde hatten wir mit Spannung erwartet, schließlich ist am Anfang der Reise das Wort „Kuchenrotation“ gefallen, was ja nicht nur eine Änderung der Zuordnung Kuchensorte -Wochentag, sondern auch eine Änderung des Sortiments bedeuten könnte. Irgendwie meinten wir aus den Worten des Hotelmanagers herausgehört zu haben, dass die Schwarzwälder Kirsch nicht mehr regelmäßig angeboten wird und nur noch an ganz hohen Feiertagen kredenzt wird.
Aber es fielen auch noch die Worte: „… mal sehen, was sich machen lässt …“.
Würde es am heutigen Sonntag nun Schwarzwälder Kirschtorte geben oder nicht?
Langer Rede kurzer Sinn, es gab Schwarzwälder Kirschtorte, diesmal mit einem extra Schuss Schwarzwälder Kirschwasser.
Jetzt bleibt also nur noch abzuwarten, wie nachhaltig diese Glückseligkeit sein wird.
Ich bleibe weiter am Ball!
Sehr beliebt auf dem Schiff ist die Bibliothek, die hauptsächlich als Spielzimmer genutzt wird. Die Tische und Stühle sind bezüglich Ergonomie bestens für das Spielen von Karten- und Gesellschaftsspielen geeignet und natürlich auch für das Arbeiten mit dem Laptop. Oft sind alle Tische der Bibliothek belegt, während in der benachbarten Harry’s Bar genügend Plätze frei sind. Aber die Cocktailtischchen und die Clubsessel dort sind äußerst unbequem bis ungeeignet fürs Spielen und Computern, weil der Sinn und Zweck dieser Lounge-Möbel in erster Linie darin besteht, Bequemlichkeit für den Genuss von alkoholischen und nichtalkoholischen Getränken zu schaffen und für die passende Atmosphäre für das nette Gesprächen zu sorgen.
Jetzt wurden einige dieser Cocktailtischchen und zugehörigen Clubsessel durch 2 Spieltische mit jeweils 4 passenden Stühle ersetzt.
Diese sehr zu begrüßende Maßnahme hat uns schon einige Male „gerettet“, wenn in der Bibliothek (die ich gerne als „mein Büro“ bezeichne), nichts mehr frei war.
6. Reisetag – Montag, 12.01.2026 Agadir/Marokko
Im Internet über
hatte Doris eine schöne Tour ausgesucht, die uns ins Paradise Valley im Hohen Atlas führen sollte.
Unser Fahrer und gleichzeitiger Guide, er stellte sich uns als Adi vor, holte uns um 9:30 Uhr mit seinem geräumigen SUV direkt am Schiff ab.
Adi sprach sehr gut Deutsch. Er erzählte uns, dass er vor Jahren in einem 5-Sterne-Hotel, in dem meiste Deutsche Urlaub machten, als Kofferträger angefangen hat und sich durch Zuhören die deutsche Sprache angeeignet hätte. In Deutschland war er nie gewesen, kannte sich aber perfekt in der Deutschen Bundesliga aus. 😊
Wir sind immer wieder erstaunt ob solcher Sprachgenies
Die Fahrt führte durch eine grandiose Landschaft, ...
... die natürlich nicht überall unberührt geblieben ist, sondern sehr rustikale Cafés und Restaurants am Wegrand sollten die Touristen zur Einkehr locken.
Das muss nicht immer zum Nachteil sein, weil dadurch zumindest die Möglichkeit einer Toilettenpause geboten wird.
Vorgesehen war auch eine kleine Wanderung, die anfangs gut zu bewälrigen war, ...
... die aber nach einer guten halbe Stunde abgebrochen werden musste, ...

Das wäre sicherlich machbar gewesen und ertrunken wäre ich bei einem falschen Schritt auch nicht. Aber mit nassen Schuhen die Tour einfach fortsetzen?
... weil ich mich scheute, einen etwas größeren Bachlauf auf einer schmalen steinernen Furt zu überschreiten.
Das war aber nicht weiter tragisch, da Adi sofort einen Plan B hatte: Ein botanischer Garten mit Führung.
Der botanische Garten stellte sich als ein Kräutergarten heraus, der von einer Kooperative betrieben wird.
Eine junge Dame führte uns durch den Garten, erklärte uns die diversen Kräuter und was daraus alles hergestellt wird.
Neben den Kräutern betrieb die Kooperative auch eine Imkerei. Die entsprechenden Öle, Cremes, Essenzen und den Honig konnte man in einem angeschlossen Laden kaufen. Alles in allem ein nettes Intermezzo.
Auf der Hinfahrt waren wir durch einen Ort gekommen, in dem sich links und rechts von der Straße unzählige kleine Lädchen, Buden und Geschäfte aneinanderreihten.
Dort wollten wir gerne noch etwas bummeln und schauen.
Solche „Sonderwünsche“ sind natürlich überhaupt kein Problem bei einer individuellen Tour, wenn man im Zeitrahmen bleibt.
Gegen halb drei lieferte Adi uns wieder wohlbehalten am Schiff ab. Wir mussten ihm hoch und heilig versprechen, im Internet eine gute Bewertung für sein Tour-Unternehmen abzugeben. Dies haben wir selbstredend auch getan.
Um 20:00 Uhr hieß es wieder: “Leinen los!“. Ziel: die kanarische Insel Lanzarote.

Der Schriftzug am Hang der Kasbah von Agadir wird abends beleuchtet.
الله – الوطن – الملك (Gott - Vaterland - König)
Adi hat uns erzählt, dass man den amerikanischen Touristn, wenn diese nach der Bedeutung des Schriftzugs fragen, gerne mal Bären aufbindet und behauptet,
das hieße Coca Cola Light.
Nach dem Abendessen auf dem Weg in Harry’s Bar, lief uns der Kreuzfahrtdirektor Klaus Gruschka über den Weg. Er berichtete uns freudestrahlend, dass sichergestellt sei, dass es jeden Sonntag Schwarzwälder Kirschtorte gibt.
Bemerkenswert ist, dass zu diesem Zeitpunkt meine hier im Blog geäußerten Bedenken zu diesem Thema noch gar nicht online waren. Hatte unser besorgter Blick genügt, als uns der Hotelmanager von der „Kuchenrotation“ unterrichtet hatte, sodass daraufhin hinter den Kulissen ein Krisenstab getagt hat?
Wie dem auch sei, wir sehen dem nächsten Sonntag mit Freuden entgegen.
7. Reisetag – Dienstag, 13.01.2026 Arrecife/Lanzarote/Spanien
Gegen 12:30 Uhr machte die ARTANIA im Hafen von Arrecife fest, um schon nach 6 Stunden wieder abzulegen. Da bleibt nicht so viel Zeit für große Unternehmungen.
Also ließen wir es sehr ruhig angehen. Von unserem Aufenthalt im letzten Jahr wussten wir, dass sich in knapp 1 Kilometer Entfernung von unserem Liegeplatz eine Bushaltestelle befindet. Von dort kann man nach Puerto del Carmen fahren, dem größte Ferienort von Lanzarote mit Stränden und Nachtleben.
Aber so weit wollten wir diesmal gar nicht, sondern schon bei ersten Bushaltestelle stiegen wir wieder aus, denn dort, mitten in einem Gewerbegebiet, befindet sich ein Lidl Supermarkt und ein IKEA Möbelhaus.
Da der Kauf von Möbeln zur Ergänzung der Kabinenausstattung aus Platzgründen nicht in Frage kam, ...
... beschränkten wir unsere Aktivität auf einen Lidl-Besuch, um dort noch ein paar Dinge für den täglichen Bedarf, wie z. B. Dusch-Gel einzukaufen und als Notration noch ein paar Dosen Bier.
Bei der Aktionsware entdeckten wir einen Steckdosenadapter. Mit diesem Gerät lässt sich über einen Schalter der Strom an- und ausschalten. Dieses Teil wanderte unverzüglich in unserem Einkaufwagen, ...
... denn es wird uns bei dem Kampf mit (bzw. gegen) den Fernsehapparat in unserer Kabine unterstützen.
In meinem Blog von 2025 (Eintrag 25.1.2025) hatte ich ja von dem Stecker-raus-Stecker-rein-Spiel erzählt. Diese Übung ist notwendig, wenn der Fernseher sich mit der Fernbedienung nicht mehr einschalten lässt. Dann muss man den Stecker des Geräts aus der Steckdose ziehen und wieder hineinstecken. Dann bootet die Kiste vielleicht neu (wenn nicht, wiederholen bis sie bootet) und verhält sich eine Zeitlang friedlich, bis sie dann wieder zickt. Ein Problem, das seit vielen Monaten und nicht nur in unserer Kabine besteht. Da sich die Steckdose hinter dem Gerät befindet, ist es etwas fummelig, den gezogenen Stecker wieder einzustecken. Jetzt, mit unserem Steckdosenadapter kann der Stecker drinbleiben, weil wir mit dem Schalter nun ganz einfach und ergonomisch den Fernseher vom Strom trennen und wieder verbinden können ohne uns Arm und Wirbelsäule zu verrenken.
Die größte Schwierigkeit wird nun sein, im Mai, wenn wir wieder nach Hause fahren, dieses nützliche Teil nicht in der Kabine zu vergessen, weil es sich hinter dem Fernsehschirm versteckt.
8. Reisetag – Mittwoch, 14.01.2026 Santa Cruz de Tenerife/Teneriffa/Spanien
Die Liegezeit hier in unserem zweiten Hafen auf den Kanaren hatte die übliche Dauer 8:00 Uhr – 18:00 Uhr. Genügend Zeit für einen ausgiebigen Stadtbummel.
Als Stadtführer diente in gewohnter Weise unsere Adventure Lap App, die uns immer wieder sowohl dorthin führt, wo alle Touristen hingehen, als auch über weniger ausgetretene touristischen Pfade zu Ecken, in die man sonst niemals gekommen wäre.
Das Parlamento de Canarias (Kanarisches Parlament). Die Kanaren sind eine sogenannte autonome Gemeinschaft (Comunidades Autónomas), deshalb haben sie ein eigenes Parlament.
9. Reisetag – Donnerstag, 15.01.2026 Seetag
Für übermorgen hatten wir in Palmeira auf der kapverdischen Insel Sal eine private Tour gebucht. Da es in Palmeira keine Pier gibt, die groß genug für die ARTANIA ist, soll unser Schiff auf Reede liegen und wir werden mit den Tenderbooten an Land gebracht.
Das Tendern ist immer eine heikle Sache, weil sehr von Wind und Wetter abhängig. Wenn der Wind zu stark, die Wellen zu stark und/oder der Schwell zu heftig ist, ist Tendern nicht möglich und der Landgang ist dann gestrichen.
Mit Sorge hatten wir die Wind und Wetterprognosen für die Kapverden über eine Wetter-App beobachtet und uns heute früh entschieden unsere geplante Tour zu stornieren.
Als hätte unser Beispiel Schule gemacht, kam über die Bordlautsprecher die Durchsage, dass es eine Routenänderung geben wird, auf Kanal 8 im Bordfernsehen gäbe es eine „Sondersendung“ mit detaillierten Informationen.
In dem Video, das auf Kanal 8 in Endlosschleife lief, standen Kapitän und Kreuzfahrtdirektor mit besorgten Gesichtern. Der KD Klaus Gruschka teilte den Passagieren mit, dass auf Grund der zu erwartenden Windverhältnisse in den nächsten Tagen ein Tendern auf den Kapverden nicht möglich sei.
Damit waren die geplanten Anlandungen in Palmeira (Sa 17.1.2026) und Porto Novo (Mo 19.1.2026) gestrichen. Als Alternative wurde der Hafen von Praia auf der Insel Santiago gefunden. Damit konnte eine der beiden Tender-Destination ersetzt werden. Mehr Ersatz konnte aber nicht gefunden werden. Deshalb wird die ARTANIA die Atlantiküberquerung in Richtung Karibik einen Tag früher beginnen.
Für den Tag, an dem wir früher in der Karibik aufschlagen, wird Philipsburg auf der Insel St. Maarten neu ins Programm aufgenommen.
Damit sieht die neue Route wie folgt aus:
- 17.01.2026 Mindelo / São Vicente 08.00-20.00 Uhr (statt Palmeira / Sal)
- 18.01.2026 Praia / Santiago (hier war Mindelo vorgesehen, das jetzt einen Tag eher angelaufen wird)
- 19.01.2026 Seetag (statt Porto Novo / Insel Santo Antao)
- 25.01.2026 Philipsburg / St. Maarten (statt Seetag)
Zum Mittagessen wurde zusätzlich zu den Restaurants in der Kopernikus Bar „Spicy taste of India!“ geboten, eine reichhaltige Auswahl von verschiedenen Curry-Gerichten.
Fazit:
Scharf, aber gut!
Am Nachmittag um 17:15 Uhr waren die „Durchreisenden“, also alle die, die die gesamte Amerika-Reise mitmachen, zum „Winterreise 2026 Cocktail“ in die Kopernikus Bar eingeladen.

Kreuzfahrtdirektor Klaus Gruschka und Kapitän Alex Zinkovksyi richteten freundliche Worte an ihr Kreuzfahrervolk.
10. Reisetag – Freitag, 16.01.2026 Seetag
Die nächste Crew-Show scheint in allernächster Zeit stattzufinden. In den Restaurants und den Gängen hört man einzelne Crew-Mitglieder bekannte Melodeien trällern. Roberto, unser Kabinensteward, übt während der Arbeit unentwegt: „Über 7 Brücken musst Du geh’n“. Er hatte am Anfang der Reise Doris um Rat gefragt, welches Lied er bei der Crew-Show performen solle und Doris riet ihm zu diesem grandiosen Hit von Karat/Peter Maffay. Jetzt sind wir natürlich in der Pflicht, die Show zumindest im Bordfernsehen zu verfolgen, denn in die picke-packe-volle Atlantik-Show-Lounge zieht es uns nicht so.
In der Bibliothek ist es interessant zu beobachten, wenn sich eine Spielegemeinschaft ein Brettspiel vornimmt, dessen Regeln ihnen nicht in Gänze bekannt sind. Jeder kennt einen Teil des oft recht komplexen Regelwerks, wobei jeder jeweils einen anderen Teil kennt. So ist gewährleistet, dass das Spiel zur Nebensache degradiert wird, weil die ständige lebhafte und lautstarke Diskussion um die Regelauslegung absoluten Vorrang hat.
Zugegeben, es stört manchmal ein bisschen. 😊
11. Reisetag – Samstag, 17.01.2026 Mindelo/São Vicente/Kapverdische Inseln
Eigentlich wären wir ja erst einen Tag später, also an einem Sonntag, hier in Mindelo gelandet, aber so besuchten wir an einem Samstag die 80.000-Einwohner-Stadt Mindelo auf der kapverdischen Insel São Vicente.
Warum das erwähnenswert ist? Weil wir diesen Ort heute zum 4. Mal besuchten, aber diesmal an einem Werktag. 2020 und 2025 jeweils am Neujahrstag und am 26. März 2023, das war ein Sonntag.
Sowohl an den Neujahrstagen als auch am besagtem Sonntag war keinerlei Leben in der Stadt. Das war diesmal anders, aber der Reihe nach.
Unser Plan war, zur Ponta João Ribeiro, eine Landzunge ca. 3 Kilometer nördlich von unserem Liegeplatz, zu wandern. Leiten sollte uns auf diesem Weg wieder unsere Adventure Lab App, die uns an dem einen oder anderen interessanten Wegpunkt vorbei geführt hätte. Hierzu braucht es aber Internet. Deshalb hatte sich Doris extra mit einer E-Sim speziell für die Kapverden ausgestattet, weil bei den 138 Ländern, die unsere „große“ E-Sim abdeckt, die Kapverden nicht dabei sind.
Leider hat das gute Teil nicht funktioniert, das Internet an Land blieb uns daher verschlossen. Als Plan B diente die Wander-App „Komoot“, die uns ebenfalls zu unserem Ziel führen konnte, nur eben ohne Hinweis auf irgendwelche interessanten Besonderheiten auf dem Weg.
Das Ganze funktioniert auch offline, weil wir die Route vorher via ARTANIA-WLAN auf die Smartphones herunterladen konnten.
Gleich am Hafen an einer Gebäudefassade fällt ein buntes Wandgemälde ins Auge.
Es zeigt die hier in Mindelo geborene Sängerin Cesária Évora (*1941 – †2011), die bekannteste Sängerin von Kap Verde, die bis heute hier sehr verehrt wird.
Sodade ist ihr berühmtester Titel.
Jetzt machten uns starke Windböen, die uns von vorne unangenehm ins Gesicht bliesen, als wir am Ufer entlang marschierten, einen Strich durch die Rechnung.
Also bogen wir außerplanmäßig rechts ab in bewohnte Gefilde, wo die Häuser Schutz vor dem Wind boten.
Als wir irgendwann wieder zurück zum Schiff wollten, ...
... machten wir an der Uferpromenade (der Wind hatte mittlerweile nachgelassen) noch einen Schlenker in Richtung Torre de Belem, ...
... einer Nachbildung des gleichnamigen Turms in Lissabon.
Hier und in den umliegenden Straßen brodelte das Leben. Dort, wo an Sonn- und Feiertagen höchstens ein paar Spaziergänger promenieren, ...
... wurde heute reger Handel mit Fisch, Obst und Gemüse betrieben.
Was das touristische Auge etwas trübte, ...
... waren die vollständig vermummten Polizisten, die mit gezückten Maschinenpistolen ...
... durch die Straßen patrouillierten.
Beim Versuch, sie heimlich zu fotografieren wurde ich ertappt und streng ermahnt, dies zu unterlassen. Das „Warum“ des Verbots hat sich mir nicht erschlossen, schließlich waren die Männer ja nicht zu erkennen.
Insgesamt sehr zufrieden mit unserem Landgang kehrten wir zur ARTANIA zurück.
12. Reisetag – Sonntag, 18.01.2026 Praia/Santiago/Kapverdische Inseln
Praia (140.000 Einwohner) auf der Insel Santiago ist die Hauptstadt der Kapverden.
Über Nacht kam uns die Erkenntnis, wie man unsere kapverdische E-Sim-Karte doch noch zum Laufen bekäme, nämlich dadurch, das Handy runter- und wieder hochzufahren.
Im letzten Jahr zig-mal praktiziert und gestern einfach nicht mehr daran gedacht. Und siehe da, auf einmal funktionierte es und wir hatten bei unserem heutigen Landgang einwandfreien Internetzugang.
Der heutige Adventure Lab führte uns zu einigen Sehenswürdigkeiten in der Altstadt. Um dorthin zu gelangen war erst einmal vom Hafen ein Fußmarsch von 3 Kilometern angesagt, um in das historische Zentrum zu gelangen.
Die etwas ungewöhnliche Kopfbedeckung ist dem starken Wind und dem Sonnenbrand auf dem dünn behaarten Haupt geschuldet.
Da der Wind meine Baseballkappe vom Kopf geweht hätte, war ich gestern barhäuptig unterwegs und habe nicht bemerkt, wie ich mir die Platte verbrannt habe. Da auch heute das Tragen einer Kappe nicht empfehlenswert war (vom Winde verweht), kam das Bandana zum Einsatz.
Am heutigen Sonntag war in der Stadt, außer in der Kirche beim Gottesdienst, nicht viel Betrieb.
Dass uns der Adventure Lab auch zur örtlichen Markthalle führte, war zwar gut gemeint, aber an einem Sonntag nicht sonderlich spannend.
Das Denkmal des portugiesischer Seefahrers Diago Gomes, dem Entdecker der Karpverden.
Er teilt das Schicksal vieler seine Denkmal-Kollegen: Die kackende Taube auf dem Kopf.
Das Gemälde zeigt den Politiker und Unabhängigkeitskämpfer
Amílcar Cabral
(*1924 †1973).
Er führte den Befreiungskampf von der portugiesischen Kolonialherrschaft an und trug maßgeblich zur Unabhängigkeit von Kap Verde bei. Er wurde am 20. Januar 1973 in Conakry (Guinea) ermordet. Er wird als Nationalheld verehrt.
Nach 8 zurückgelegten Kilometern waren wir zum Mittagessen wieder auf der ARTANIA zurück.
Vom Schiff gibt es noch Folgendes zu berichten:
- )Wir erhielten am Nachmittag kurz vor der Kaffeestunde von der Rezeption einen Anruf in die Kabine. Der Rezeptionist fragte, ob unser Problem in der Dusche (das Wasser floss nicht ab) vom Klempner mittlerweile beseitigt worden sei. Ich konnte berichten, dass alles zur vollsten Zufriedenheit in Ordnung gebracht worden sei.
Wäre das nicht der Fall gewesen, hätte die Antwort lauten müssen: „Nein leider noch nicht. ...
... und das Wasser steht mittlerweile in der Kabine einen Meter hoch.“Denn unsere Meldung, dass das Wasser in der Dusche nicht abläuft, stammte vom 8. Januar, also vor 10 Tagen und das Problem wurde am selben Tag innerhalb der nächsten Stunde beseitigt.
- ) Auf dem Schiff wird schon wieder kräftig gehustet und geschnupft. Deshalb hatte der Kreuzfahrdirektor an die grippigen Passagiere appelliert, aus Rücksicht den Mitreisenden gegenüber in den Ausflugsbussen und bei den Shows in der Atlantik-Show-Lounge eine Maske zu tragen. Masken kann man kostenlos an der Rezeption und vor den Ausflügen am Sammelpunkt in der Artania-Show-Lounge erhalten.
Der Apell hatte zur Folge, dass in den Ausflugsbussen einige Maskenträger zu sehen waren. Ob sich die Träger selbst vor einer Infektion schützen oder ihre Mitreisenden schützen wollen, wissen wir nicht.
Aber alles in allem ist der Apell und die Bereitstellung von Masken lobend zu erwähnen. - ) Es gab zur Kaffeestunde, wie von Klaus Gruschka versprochen, die sonntägliche Schwarzwälder Kirschtorte.
Um 18:00 Uhr legte die ARTANIA ab.
6 volle Seetage liegen für die Atlantiküberquerung vor uns, bevor wir in St. Maarten in der Karibik wieder festen Boden unter den Füßen haben werden.
13. Reisetag – Montag, 19.01.2026 Seetag (1/6)
Die ARTANIA wird die nächsten 6 Tage strikten Westkurs fahren, bis wir die Karibik erreicht haben werden.
Mangels der Landgänge werde ich ein wenig vom Bordleben berichten, wobei die Betonung auf „wenig“ liegt, da ich in den Blogs der letzten Jahre schon mehrmals über die diversen Veranstaltungen geschrieben habe.
So wird es täglich das übliche Animationsprogramm geben wie Bauch, Beine Po, Pontius und Pilates, Walk a Mile (betreutes Spazieren rund um das Deck 4), Bastelkurse, Fotokurse und und und ….
Das jeweilige tägliche Highlight kopiere ich einfach aus dem Tagesprogramm und setze es hier im Blog ein.
14. Reisetag – Dienstag, 20.01.2026 Seetag (2/6)
Heute ist wieder Gala angesagt, die sogenannte Mittelgala. Mittelgala bedeutet, dass es einen Cocktailempfang für die Gold- und Silbergäste (das sind die Passagiere, die eine Balkonkabine gebucht haben) gibt und ein besonderes Abendessen in den Restaurants.
Neben Gold und Silber und eleganter Abendrobe gibt es aber auch asoziale Elemente hier an Bord.
So haben Passagiere im letzten Jahr aus dem Atlas, der in der Bibliothek auslag, Seiten herausgerissen – warum auch immer. Um mit Filzstift die Fahrtroute einzuzeichnen? Oder aus Frust, weil sie bei der Verlosung beim Frühschoppen die Seekarte nicht gewonnen haben?
Jedenfalls hat Benjamin von der Phoenix-Reiseleitung dafür gesorgt, dass ein neuer dicker Diercke Weltatlas angeschafft wurde. Die Freude darüber war leider nicht sehr nachhaltig. Seit einigen Tagen ist der Atlas aus der Bibliothek spurlos verschwunden.
Der von Gästen zurückgelassene Wildwest-Roman und die Apothekenzeitung sind nicht wirklich ein Ersatz für das verschwundene Kartenwerk.
Dass der Globus noch da ist, liegt vermutlich daran, dass er auf Grund seiner Kugelform nur ganz schlecht in einen Koffer passt.
15. Reisetag – Mittwoch, 21.01.2026 Seetag (3/6)
Am Abend in Harry’s Bar werden die Geschehnisse und Gedanken des Tages stichpunktartig in ein Notizbuch eingetragen.
Anhand dieser Aufzeichnungen entstehen dann später (frühestens am nächsten Tag) die Texte für den Blog.
16. Reisetag – Donnerstag, 22.01.2026 Seetag (4/6)
Die Jambalaya-Reispfanne weckte unser Interesse.
Laut Tagesprogramm sollte das Gericht mit Hähnchenfleisch angerichtet sein, was unseren etwas „bürgerlichen“ Essgewohnheiten sehr entgegenkam.
Als uns allerdings der Koch freudestrahlend und stolz berichtete, dass auch Meeresfrüchte wie z. B. Oktopus als leckere Zutaten beigemischt worden waren, erlahmte unser Interesse schlagartig.
Beim Abendessen überraschte uns unsere Lieblingskellnerin Ani mit Geschenken, die sie aus ihrer Heimat Bali mitgebracht hatte.
Doris bekam eine hübsche kleine geflochtene Umhängetasche und ich ein Batik-Shirt.
Wir waren beide sehr gerührt.
Ani ist aber auch wirklich ein Sonnenschein.
Das Feuerwerk sollte eigentlich schon gestern gezündet werden, aber da hat uns das Regenwetter einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Aber heute spielte das Wetter mit. Der Kapitän drehte das Schiff um 180 Grad, damit der Ostwind das Feuerwerk vom Heck des Schiffs aufs offene Meer blies und nicht aufs Sonnendeck.
Am Heck der ARTANIA kam so etwas wie Silvesterstimmung auf – Musik und Partylaune.
Für uns eine prima Gelegenheit die alkoholfreie Flasche Sekt zu köpfen, die uns vor einigen Tagen der Bar Manager Juanico Amido de Guzman hatte zukommen lassen. Der Grund für dieses Goody liegt vermutlich darin, dass ich in meinem letzten Reiseblog über den Jahreswechsel 2024/2025 auf der ARTANIA den Barmanger lobend erwähnt hatte. Er hatte sich damals persönlich darum gekümmert, dass Doris mit etwas Alkoholfreiem anstoßen konnte, was sich in den Jahren davor manchmal als schwierig bis unmöglich herausgestellt hatte (siehe auch Blog vom 31.12.2024).

Etwas abseits von der Phoenix-Bar konnten wir das Gedränge an der Reling vermeiden. Der Nachteil war, dass hier die Sicht ein wenig beeinträchtigt war.
Was zu unserem vollständigen Silvesterfeeling nur noch gefehlt hätte, waren die Kreppel (Krapfen, Berliner, Pfannkuchen), die sonst nach dem Feuerwerk verteilt wurden.
Aber es wurden kleine Cheeseburger angeboten - es war ja auch nicht wirklich Neujahr.
Ansonsten ist die Atlantiküberquerung bisher ruhig verlaufen. Bei einem Wind aus NO so um die 10 - 20 Knoten und einer Wellenhöhe von 3 Metern liegt die ARTANIA ruhig im Wasser.
17. Reisetag – Freitag, 23.01.2026 Seetag (5/6)
Allabendlich von 22:00 Uhr - 23:00 Uhr wird in Harry's Bar der Late-Night-Snack angeboten. Neben dem täglich wechselnden, meist warmen, "Haupt-Snack" gibt es einige Konstanten, wie etwa Kuchen, Obstspieße und die Käsesticks. Genau diese Käsesticks mit Weintraube wecken jeden Abend meine Begehrlichkeit.
Schon sehr bald brauchte ich mir meine täglichen 3 Sticks nicht mehr zu holen, sondern bekomme sie vom Late-Night-Snack-Kellner gebracht.
Der Aufbau dieses Buffets ist recht aufwendig und beginn bereits um 21:00 Uhr.
18. Reisetag – Samstag, 24.01.2026 Seetag (6/6)
Der letzte Seetag vor dem Ende einer Reiseetappe ist immer für den Stadl-Frühschoppen reserviert.
Oh Wunder! Der verschwundene Atlas ist wieder da. Dann hat ihn wohl ein Gast mit auf die Kabine genommen und sich jetzt bequemt, ihn wieder zurückzubringen.
Ab morgen ist das Lotterleben auf See vorbei. Der nächste Seetag ist erst wieder in 12 Tagen.
Die Temperatur war während der 6 Seetage ständig gestigen. Mittlerweile haben wir schon am Vormittag 30 Grad.
Da wir stetig Kurs Richtung Westen hatten, wurden die Uhren mehrfach um eine Stunde zurückgestellt, sodass wir mittlerweile 5 Stunden hinter Deutschland liegen.
19. Reisetag – Sonntag, 25.01.2026 Philipsburg/Sint Maarten

Vor uns in Philipsburg an der Pier lagen bereits
die Costa Fascinosa (3.800 Passagiere) und
der 3-Mast-Segler Seacloud Spirit (136 Passagiere).
Pünktlich um 8:00 Uhr erreichten wir die erste von den 11 auf unserer Route eingeplanten Karibikinseln.
Heute musste man ein bisschen mit den geografischen und politischen Begriffen aufpassen, damit nichts Durcheinander kommt.
Philipsburg ist die Hauptstadt des autonomen Landes Sint Maarten, das zu den Niederlanden gehört. Sint Maarten ist der südliche Teile der Insel St. Martin. Der nördliche (größere) Inselteil bildet zusammen mit einigen Nebeninseln das französische Überseegebiet Saint-Martin und gehört zur EU.
Der Unterschied zwischen dem südlichen niederländischen und dem nördlichen französischen Teil ist der, dass der südliche Teil „autonomer“ ist als der Nördliche.

Der Hafen von Philipsburg kann mehrere Riesen-Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig aufnehmen. Er wird in der Saison besonders von dicken amerikanischen Pötten angealaufen, sodass auch schon mal 25.000 Passagiere in der Stadt einfallen. Bereits im Hafen selbst warten unzählige Schmuckgeschäfte, Parfümerien, Klamottenläden und und und auf zahlungskräftige Kundschaft. Die Kette "Diamonds International" findet man in fast jedem Kabrikhafen.
Die Insel ist nur 87 km2 groß (Länge 14,3 Km und Breite 13,3 km).
Mit dem Smartphone muss man allerdings aufpassen. Im niederländischen Teil, der nicht zur EU gehört, fallen mit einem deutschen Handy-Vertrag Roaming-Kosten an, während im französischen Teil, der ja zur EU gehört, keine Roaming-Kosten anfallen. Aber wer weiß schon, in welches Telefonnetz sich das Handy auf dieser kleinen Insel automatisch einloggt und dadurch eventuell hohe Kosten generiert. Also schalteten wir unsere deutsche Sim-Karte vollständig ab und aktivierten eine E-Sim speziell für die Karibik.
Unser Plan für heute war, eine kleine Wanderung oben im Norden (franz. Teil) zu unternehmen und zwar im Grandes Cayeas Naturschutzgebiet. Dieses Ziel wurde uns von Gemini, der KI von Google, empfohlen. Allerdings warnte uns die KI auch, dass es am Sonntag schwierig sein könnte, mit den öffentlichen Mini-Bussen zum und vom Ziel zu kommen, weil sie dann nur selten bis gar nicht unterwegs seien.
Gemäß dem Motto „Probieren geht über Studieren“ machten wir uns erst einmal auf den ca. 1,5 Kilometer langen Weg vom Hafen ins Zentrum von Philipsburg.
Eine freundliche Frau von einem kleinen Mode- und Souvenirladen, die wir nach einer Bushaltestelle fragten, war so nett, mit uns ein paar Schritte zu gehen, um uns zu zeigen, wo die nahegelegene Haltestelle ist. Ein Mini-Bus mit dem Schild „French Quarter“ an der Frontscheibe kam schon nach wenigen Minuten. French Quarter wurde uns als ein alternatives Zwischenziel von unserer KI genannt und somit bestiegen wir das schon etwas in die Jahre gekommene Gefährt und nahmen in der ersten der 3 Reihen hinter dem Fahrer Platz. Wir waren die einzigen Fahrgäste.
Die Klimaanlage des Busses blies uns einen eiskalten Wind entgegen. Da sich die Regelung für den Fahrgastbereich dieser Windmaschine direkt über uns befand, drehten wir sie flugs von „High“ zu „Low“. Ui, da wurde der Fahrer aber sehr böse. Schnell stellten wir wieder auf „High“ zurück. Der Fahrer war dennoch skeptisch, ob wir den Ursprungszustand tatsächlich wiederhergestellt hätten und drohte, uns nicht mitnehmen zu wollen.
Nachdem wir hoch und heilig versichert hatten, dass im wahrsten Sinne des Wortes alles in seinem Sinn geregelt sei, fuhr er voller Gnaden los.
Auf dem Weg nach French Quarter stiegen noch einige Leute dazu. Als wir nach gut 7 Kilometern an der Endstation ankamen, versicherte uns der Fahrer, dass von hier auch Busse nach Cul-De Sac fahren würden, dem Ausgangspunkt für unsere kleine Wanderung. Die Fahrt hierher hat 2 US-Dollar pro Person gekostet.
Zwei einheimische Frauen, die dort schon standen, schienen auch auf einen Bus zu warten.
Ich fragte zur Sicherheit, ob hier tatsächlich ein passender Bus vorbeikommen werde. Trotz dieser Zusicherung kam aber kein Bus.
Irgendwann hielt ein PKW an und die Frauen stiegen ein. Wir gingen davon aus , dass es sich um einen Bekannten der Frauen handeln müsse.
Wir freuten uns sehr, als wir dazu gewunken wurden und stiegen ebenfalls ein.
In Cul-De-Sac angekommen wurde uns klar, dass der Transport keine Gefälligkeit des Fahrers war, sondern eine Art Ersatz für den Bus-Mangel an Sonntagen. Den geforderten Preis von 10 US-Dollar für uns beide zahlten wir ohne Murren, denn Preisverhandlungen finden immer nur vor einer Fahrt statt. Wahrscheinlich war mit unserer Zahlung auch der Obolus für die beiden Damen inkludiert.
Über die Rückfahrt zurück nach Philipsburg würden wir uns später Gedanken machen.
Die kleine, aber trotzdem schöne Wanderung im Grandes Cayes Naturschutzgebiet wurde nur deshalb nicht zu einer größeren Wanderung, weil es sehr warm war (über 30 Grad) und wir uns an die Hitze noch nicht gewöhnt hatten.

Ich stehe hier nicht zur Zierde, sondern diene lediglich als Größenvergleich zur
Calotropis gigantea.
(Vorsicht: der Planzensaft im Stengel ist giftg!)
Als wir wieder zurück an der Stelle waren, wo uns heute Vormittag der PKW-Fahrer herausgelassen hatte, ...
... schmiedeten wir folgenden Plan:
Per Anhalter zurück nach French Quarter und von dort mit den hoffentlich noch fahrenden Bussen zurück nach Philipsburg. Soweit die Theorie!
Das Trampen wurde zur Geduldsprobe. Zwar herrschte reger Verkehr, aber es dauerte doch seine Zeit, bis sich ein junges Pärchen erbarmte und uns mitnahm. Leider fuhren sie nicht bis French Quarter, aber ließen uns nach einigen Kilometern an einer Bushaltestelle raus. Sie waren noch so nett und fragten uns, ob wir auch Wasser dabei hätten. Da wir immer Wasser mithaben, brauchten wir deren freundliches Angebot nicht annehmen.
An der Bushaltestelle herrschte absolute sonntägliche Ruhe. Zwar hielt nach einiger Zeit kein Bus, aber ein Kleinwagen. Der Fahrer bot an, uns für 20 US-$ nach Philipsburg zu fahren. Da dieser Mensch mir irgendwie unsympathisch war, lehnte ich ab.
Neuer Plan: Ein Taxi anhalten, denn ab zu fuhr mal eines vorbei.
Bevor wir den Plan in die Tat umsetzen konnten, stoppte ein Mini-Van. Der Fahrer war uns diesmal nicht unsympathisch, der Preis war der gleiche, nämlich 20 US-$ ...
und so kamen wir wohlbehalten wieder am Hafen an.
Bedenken, dass wir das Schiff verpassen würden, hatten wir zur keiner Zeit, denn die Abfahrt der ARTANIA war erst für 21:00 Uhr vorgesehen, also hatten wir mehrere Stunden Puffer.

Das freie WLAN eines Geschäfts im Hafen reichte bis nach draußen, was sich Leute von der Crew (und einige Passagiere) gerne zu Nutze machten.
20. Reisetag – Montag, 26.01.2026 St. John‘s/Antigua
Seit gestern wurde “betreutes Desinfizieren” eingeführt, d.h, an den Eingängen des Restaurants steht ein Crewmitglied mit einer Sprühflasche Desinfektionsmittel in der Hand. Jeder, der dann das Restaurant betritt, ohne sich vorher an dem Desinfektionsautomaten freiwillig die Hände desinfiziert zu haben, bekommt den persönlichen Extra-Service vom Kellner.

Eigentlich sollte jeder Gast diese gut sichtbaren Desinfektionsspender nutzen, wenn er das Restaurant betritt.
Leider nur reine Theorie. ☹
Grundsätzlich sollte jeder seine Hände vor dem Betreten eines Restaurants auf der ARTANAIA desinfizieren.
Um das Desinfizieren wird zwar mantraartig ständig gebeten, aber die Ignoranz vieler Gäste ist größer als die Vernunft.
Als Grund für die plötzlich konsequente Überwachung der propagierten Handhygiene wurden die vielen Kreuzfahrtschiffe genannt, die die Karibik derzeit bevölkern. Auf einigen ging in letzter Zeit das Norovirus um, das eine hochansteckende und sehr unangenehme Magen-Darm-Erkrankung verursacht.
Ob das der wahre Grund für die verschärften Maßnahmen ist oder ob direkt auf der ARTANIA irgendetwas im Busch ist, sei dahingestellt. Wir glauben nicht immer alles, was man uns so erzählt.
Dass die Dichte der Kreuzfahrtschiffe in der Karibik besonders hoch ist, stimmt allerdings.
Heute lagen mit uns im Hafen von St. John’s:
- Die AIDAblue mit Platz bis zu 2.500 Passagiere.
- Die Ventura von der Reederei P&O Cruises mit bis zu 3.200 Passagiere.
- Celebrity Ascent von der Reederei Celebrity mit biszu 3.260 Passagiere.
- Die Sea Cloud II, ein 3-Mast-Segler für bis zu 125 Passagiere.
- Und last but not least, die ARTANIA mit bis zu 1.200 Passagiere. Zur Zeit sind etwa 850 Gäste an Bord.

Auf geht's zum Landgang. Die Sea Cloud II ist ein Schwesterschiff der Sea Cloud Spirit, die gestern mit uns in Philipsburg lag.
Eine weitere Warnung zum Schutz der eigenen Gesundheit bezog sich auf die Autobusse für die Phoenix-Ausflüge. Diese seien meist fahrende Kühlschränke, weil die Klimaanlage auf voller Tour läuft. Die Leute sollen sich mit Halstuch, Jacke und sonstigem Schutz gegen die kalte Zugluft wappnen. Da stelle ich mir allerdings die Frage, wieso der Auftraggeber dieser Ausflüge keinen Einfluss auf die Temperatur in den Bussen haben sollte. Aber diese Frage ist für Doris und mich rein akademisch und theoretisch, da wir in der Regel keine Phoenix-Ausflüge machen.
Aber auch ohne Phoenix-Ausflug im kalten Bus hat sich Doris bereits eine Erkältung eingefangen. Die Symptome sind zwar noch schwach, aber Vorsicht ist auf alle Fälle geboten; Bäume wollten wir heute nicht ausreissen.
Also stand nur ein kleiner Stadtrundgang auf der Tagesordnung.

... und Kreuzfahrermasse war genügend vorhanden.
"Diamonds International" war natürlich an dieser exponierten Stelle ebenfalls präsent.

In der Market Street steht das Denkmal für Sir Vere Cornwall Bird, dem ersten Premierminister von Antigua.
Er wird oft als "Vater der Nation" bezeichnet.
Unterwegs gelang es uns, die einheimische Währung, den Ostkaribischen Dollar, einzutauschen. Zwar ist jede Inselgruppe in der Karibik ein eigener Staat, aber zumindest in 8 Ländern, von denen wir noch einige besuchen werden, ist der Ostkaribische Dollar offizielle Währung.
Insbesondere, dass unser Reiseberater, die KI von Google, uns erzählt hat, dass in der Regel in den öffentlichen Bussen zwingend mit der einheimischen Währung bezahlt werden muss.
Aber heute verzichteten wir auf eine Inseltour mit den Öffis. Die Minibusse sind oft voll und man sitzt auf Tuchfühlung und Doris wollte nicht die Leute anstecken. Außerdem sind Klimaanlagen und Erkältungen keine guten Freunde.
Aber aus alter Gewohnheit suchten wir das örtliche Busterminal auf, einfach nur so.
Es dauerte nicht lange, bis eine uniformierte Dame uns nach unserem Reisewunsch fragte, um uns mit Rat und Tat und Infos zu informieren. Wir wären gerne zu Nelson’s Dockyard gefahren, ein UNESCO-Weltkulturerbe und restaurierter britischer Marinestützpunkt aus dem 18. Jahrhundert. Sie zeigte uns den Bussteig (die Nr. 17) und beantwortete unsere Frage nach dem Fahrpreis mit 2 US-Dollar. Unsere KI hat uns also bezüglich der Bezahlmöglichkeit schlicht und ergreifend belogen. In Informatik-Fachkreisen wird dies allerdings nicht als Lüge bezeichnet, sondern man spricht davon, dass die KI halluziniert.
Aber egal ob US- oder Ostkaribischer Dollar, etwas wehmütig verzichteten wir aus den genannten Vernunftgründen auf eine Busfahrt und kehrten zur ARTANIA zurück.
21. Reisetag – Dienstag, 27.01.2026 Basseterre/St. Kitts
Basseterre (franz. Flaches Land) Hauptstadt des englisch geprägten Inselstaats St. Kitts.
Im 18. Jahrhundert stritten sich Franzosen und Engländer um die Insel. Die Franzosen wurden vertrieben, aber der französische Name der Hauptstadt ist geblieben.
Die Insel hieß anfangs St. Christopher. Der Spitzname von Christopher ist Kit oder Kitt. Die englischen Siedler verkürzten den Namen auf St. Kitt’s, was dann zu St. Kitts ohne Apostroph wurde.
Auch hier war es rund um den Hafen genau so trubelig wie gestern in St. John’s.
Insbesondere die Schmuck- und Parfümgeschäfte warten wieder auf zahlungskräftige Kreuzfahrer.
Der Vormittag war wieder ausgefüllt mit dem schon beinahe obligatorischen Stadtrundgang, geführt und geleitet durch einen Adventure Lab.

Blick aus dem Independance Park auf die Immaculate Conception Co-Cathedral (Co-Kathedrale der Unbefleckten Empfängnis).
Erwähnenswert ist lediglich der Einkauf von zwei Flaschen lokalem Bier in einem kleinen chinesischen Supermarkt, denn dieser Kauf war Grund für 3 x Freude und Spaß.
- An der Kasse saß ein junger Mann, so um die 15 Jahre. Im Hintergrund saß die Mutter, die aufpasste, dass der Junge auch alles richtig machte.
Als wir den Laden betraten, wurde unser „Hello“ kaum erwidert, Mimik eher uninteressiert und gelangweilt. Auch der Bezahlvorgang war eher unpersönlich. Doris bat um den Kassenbon und dieser wurde auch bereitwillig ausgedruckt. Zur "Belohnung“ bekam der Junge von Doris ein Bonbon geschenkt (Werthers Unechte – ein Sahnebonbon, dass dem Original doch sehr ähnelte) mit den Worten: „Sweets from Germany“. Der Junge freute sich und war wie ausgewechselt. Mit einem strahlenden Lachen wünschte er uns einen schönen Tag und winkte bei unserem Herausgehen. Doris' kleine Geste hatte diese Verwandlung bewirkt. Dabei ging es nicht um das Bonbon, denn davon gab es im Laden selbst die verschiedensten Sorten zu kaufen, sowohl abgepackt in Beuteln, als auch einzeln erhältlich.
Auf jeden Fall war die Freude des Jungen ansteckend. - Zurück auf dem Schiff werden die Rucksäcke und Taschen durchleuchtet. Als mein Rucksack das Röntgengerät wieder verlassen hatte, rief mir die Dame, die am Kontroll-Monitor saß, lachend zu: „Ah, 2 x Vitamine!“.
- Ein drittes Mal werde ich wohl Freude empfinden, wenn demnächst die beiden Flaschen der eigentlichen Verwendung zugeführt werden.
22. Reisetag – Mittwoch, 28.01.2026 Basse-Terre/Guadeloupe
Da kann man schon durcheinander kommen. Gestern waren wir in Basseterre/St. Kitts und heute sind wir in Basse-Terre/Guadeloupe. Ich hatte ja geschrieben, dass die Engländer die Franzosen aus St. Kitts vertrieben hatten. Anscheinend haben sie dann eine Insel weiter (weniger als 200 Kilometer) eine Kolonie gegründet und bei der Namensgebung auf Bewährtes zurückgegriffen und lediglich den Bindestrich als Unterscheidungsmerkmal verwendet. Jedenfalls wurden die Franzosen von dort nicht mehr vertrieben, denn Guadeloupe ist (noch) heute französisches Überseegebiet, gehört zur Europäischen Union (EU), die Währung ist der Euro und für EU-Mobilfunktarife fallen keine Roaminggebühren an.
Um 8:00 Uhr informiert eine Phoenix Reiseleiterin an Landtagen, wenn die ARTANIA am Morgen festgemacht hat, über Bordlautsprecher über das angelaufene Ziel. Heute allerdings war sie nicht recht „bei Stimme“, sie war furchtbar heiser. Auch Phoenix-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter sind wohl nicht gegen die gefürchtete ARTANIA-Erkältung immun.
Unser heutiger Plan für den Landung war ähnlich wie der gestrige, nämlich ein Stadtrundgang via Adventure Lab. Bierkauf war allerdings für heute nicht vorgesehen.
Die angelaufenen Ziele heute waren:
- Notre Dame de Guadeloupe (eine Kirche,
- Marché de Basse-Terre (ein Markt),
- Lycée Gerville Réache (eine Schule in einem denkmalgeschützten Gebäude),
- Notre Dame du Mont Carmel (noch eine Kirche),
- Le Fort Delgrès (eine historische Festungsanlage).
Bei der Recherche, wer Delgrès, der heutige Namensgeber des Forts, war, ...
... haben wir gelernt, dass Louis Delgrès ein Offizier und Widerstandskämpfer gewesen war, der gegen Napolean kämpfte, der auf Guadeloupe die Sklaverei wieder einführen wollte.
Delgrès hat den Kampf verloren und die Sklaverei konnte 1802 wieder eingeführt werden.

Die erhobene Faust auf dem Fort-Geländes ist ein universelles Symbol für Solidarität, Stärke, Widerstand und den Kampf für Bürgerrechte und Freiheit.
Ich kann nicht verstehen, warum in Frankreich Napoleon, dieser Kriegstreiber und Sklaverei-Befürworter, heute immer noch so hoch verehrt wird.
23. Reisetag – Donnerstag, 29.01.2026 Roseau/Dominica
Anhand der Routenführung aus dem Bordfernsehen kann man sehr schön sehen, dass die Inseln, die wir abfahren, wie auf einer Perlenkette aufgereiht sind.
Und da die Entfernungen zwischen den Inseln nicht sehr groß sind, fährt die ARTANIA nicht direkt von A nach B, ...
... sondern auf einem Rechteck-Kurs mit einer Schleich-Geschwindigkeit von 10 Knoten.
Hier stellt sich die Frage, warum nicht langsamer und dafür den direkten, kurzen Weg? Das liegt daran, dass bei niedriger Geschwindigkeit unterhalb von 10 Knoten die Stabilisatoren unwirksam werden und das Schiff bei der hier in den Gewässern vorherrschenden Dünung schwanken würde und deshalb die Kotztüten wieder auf den Gängen ausgelegt werden müssten.
Des Weiteren sind niedrige Geschwindigkeiten auf Dauer ungesund für die Schiffsmotoren (schlechte Verbrennung des Schiffsdiesel und damit erhöhter Verschleiß). Außerdem arbeiten die Motoren bei niedrigen Geschwindigkeiten nicht besonders effektiv.
Nachdem wir das geklärt haben, kommen wir zu der Erkältung der Phoenix-Reiseleiterin, die uns morgens um 8:00 Uhr die Informationen über Land und Leute über Bordlautsprecher bekannt gibt. Sie wurde heute früh durch einen männlichen Kollegen vertreten, ein Zeichen, dass ihre Erkältung nicht besser geworden ist.
Doris laboriert zwar auch noch irgendwie mit dieser ARTANIA-Seuche herum, allerdings wehrt sie sich tapfer und der große Durchbruch der Erkältung blieb (bisher) aus.
Deshalb traf sie heute die Entscheidung, dass wir heute mit dem Bus von Roseau nach Portsmouth fahren können.
Anhand dieser beiden Städtenamen sieht man wieder, dass Franzosen und Engländer auch hier um die Vorherrschaft stritten. Hier behielten wohl die Engländer die Oberhand, denn die Amtssprache ist Englisch.
Um an Land zu kommen, musste heute außerplanmäßig getendert werden, da die Ladung eines Containerschiffs nicht rechtzeitig gelöscht werden konnte, und somit noch der für uns vorgesehene Liegeplatz belegt war.
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Kleiner Gag am Rande: Unser Bordfotograf an der Tenderstation unter dem Schild "Fotografieren verboten".
Aber das Tendern ging rasch und ohne Wartezeit vonstatten.
Ausgestattet mit unseren Ostkaribischen Dollars machten wir uns auf den Weg zu einem Platz, wo die Busse abfahren. Ein Busbahnhof war das nun nicht wirklich. Eine Handvoll der Minibusse standen herum, ohne irgendwelche Nummern oder Schilder an der Frontscheibe. Aber unser suchender Blick genügte, sodass uns einer der Männer, die um die Busse herumstanden, fragte, wohin wir wollten. „To Portsmouth with public bus“. „Public Bus“, um sicher zu sein, dass wir nicht versehentlich ein Taxi oder einen Mini-Van für Ausflugstouren chartern, die hier alle 2 Meter um Fahrgäste buhlen.
Der Mann zeigte uns einen Bus, der bis auf zwei Plätze schon voll war.
Kaum hatten wir uns gesetzt, fuhren wir schon los.
Aber „voll“ ist hier ein relativer Begriff. Auf der Strecke nach Portsmouth hielt ein junger Mann mit Rasta-Locken per Handzeichen den Bus an und siehe da, in der Reihe wo Doris und ich saßen, passte er noch dazu. Etwas später stoppte eine Frau den Bus erneut. Sie hatte einen Karton mit einem Flachbildschirm-TV dabei, der vor den Füßen des Rasta-Manns verstaut wurde. Die Frau wurde weiter hinten im Bus irgendwo dazu gequetscht. Gottlob sind die Röhrenfernsehgeräte ausgestorben, sonst wäre es noch enger geworden.
Als dann von hinten jemand aussteigen wollte, stiegen erst mal fast alle mit aus, denn in den Minibussen gibt es keinen Mittelgang, wie in einem Reisebus. Nachdem alle, bis auf den Fahrgast, der hier raus wollte, wieder eingestiegen waren, ging die Fahrt weiter. Diese Übung haben wir noch zwei- dreimal unterwegs praktiziert.
Jetzt habe ich ganz vergessen, zu erzählen, was wir überhaupt in Portsmouth wollten.
Dort mündet der Fluss Indian River in das Karibische Meer. Der Fluss erhielt seinen Namen aufgrund der indigenen Kalinago, die früher als Karib-Indianer bezeichnet worden waren und hier lebten.
Indian River Bootsfahrten sind eine Touristenattraktion, nicht nur weil dort einige der Szenen von „Fluch der Karibik“ gedreht wurden. Der Schwerpunkt liegt vielmehr in dem Naturerlebnis. Mangrovenwälder säumen die Ufer. Die Boote, die die Touristen durch dieses Naturidyll fahren, werden gerudert, da Motorenlärm in diesem Naturschutzgebiet verboten ist.
Der Busfahrer ließ uns genau an der Stelle raus, wo man sich ein Boot mieten konnte.
Die Fahrt hierher hat eine gute Stunde gedauert und 10 Ostkaribische Dollar (3,10 €) pro Person gekostet.
Kaum ausgestiegen, wurden wir auch schon von einem Einheimischen, der sich als Eric Spaghetti vorstellte, angesprochen. Es ist wenig verwunderlich, dass er sich für eine Bootsfahrt anbot. Es folgte die übliche Verhandlung über den Preis. Von den ursprünglich geforderten 25 US-Dollar pro Person ging er auf sofort auf 20 Dollar runter, Tourdauer 1 Stunde und schon waren wir uns einig. Wir mussten zuvor noch in einem Touristenbüro eine Art Eintrittskarte für das Naturschutzgebiet kaufen, was noch einmal mit moderaten 45 Ostkaribischen Dollar (ca. 14,00 €) für uns beide zu Buche schlug.
Das Boot hatte den gleichen Namen wie Eric Spaghetti und hatte einen üblichen Außenbordmotor. Mit dessen Hilfe durften wir noch ein kleines Stück auf dem Indian River fahren.
Er wurde aber schon nach wenigen Minuten Fahrt wieder abgestellt.
Aber statt der Ruder kam nun der 2. Außenborder zum Einsatz, ein Elektromotor, der von einer Autobatterie angetrieben wurde. Eric meinte, er habe in seinem Leben genug gerudert.
Die Fahrt war unbeschreiblich, deswegen lasse ich es auch sein, sie zu beschreiben.
Erwähnenswert ist höhstens, dass wir die Option ausgeschlagen haben, zwischendurch eine kleine Pause in der sogenannten Dschungel Bar zu machen, um dort einen Rum zu trinken.
Nach der wunderschönen ruhigen Fahrt verabschiedeten wir uns von Eric Spaghetti, der uns noch erklärte, wo sich der Bus-Sammelplatz befindet.
Nach 5 Minuten Fußweg erreichten wir den besagten Platz. Auch hier erfolgten Nennung des Ziel und Zuweisung des Busses nach dem gleichen Verfahren wie heute Vormittag. Und auch hier waren wir wieder genau die Passagiere, die noch erforderlich waren, dass der Bus losfuhr.
War die Fahrweise des Fahrers heute Morgen gesittet und besonnen, hatten wir es jetzt mit einem Kamikaze-Fahrer zu tun. Bei dessen Fahrweise verging uns die Lust, uns an der Küstenlandschaft, die wir befuhren, zu erfreuen. Vielleicht hätten wir besser doch reichlich Rum in der Dschungelbar zu uns nehmen sollen, um unsere Sorgen, diese Höllenfahrt heile zu überstehen, zu zerstreuen.
Aber wir kamen tatsächlich unversehrt in Roseau wieder an und hatten, von der Rückfahrt mal abgesehen, wieder einen wunderschönen Tag auf der Habenseite.
24. Reisetag – Freitag, 30.01.2026 Fort-de-France/Martinique
Als wir am Morgen um 8:00 an der Pier von Fort-de-France festmachten, lagen wir im Schatten der sehr viel größeren Mein Schiff 2 (2.900 Passagiere).
Wie die bereits angelaufene Insel Guadeloupe ist auch Martinique französisches Überseegebiet und zur EU gehörig, also holten wir wieder unsere Euros hervor.
Für heute stand wieder mal der karibisch touristische Dreiklang auf dem Programm, nämlich:
- Kirche,
- Markt,
- Fort.
Der Markt war schnell erledigt.
Ein ganz kleiner Teil war hauptsächlich für die Einheimischen gedacht, denn hier gab es Obst und Gemüse. Der weitaus größere Teil war angefüllt mit einem Sammelsurium von Waren, die ausschließlich die touristische Klientel ansprechen soll.
Das Fort gab von der Straße aus gesehen nicht viel her. Da es sich um ein aktives Militärgebiet handelt, ist das Betreten des Geländes auf eigene Faust nicht gestattet. Deshalb gibt es hiervon kein Foto.
Praktisch als Zugabe zum erwähnten Dreiklang wurde uns auf unserem Rundgang noch die architektonisch interessante Bibliothèque Schœlcher geboten.
Dieses Programm war an einem Vormittag zu bewältigen, somit hatten wir am Nachmittag frei. Deshalb war Zeit genug den 3. Blogeintrag fertigzumachen und online zu stellen.
Die Empfänger des Newsletters bitte ich um Nachsicht, wenn sie diesen zwei- oder sogar dreimal erhalten haben. Mein Outlook auf dem Laptop und der Internet-Server des Schiffs hatten sich heute gar nicht wie sonst gut vertragen. Deshalb musste ich den Newsletter-Versand 3x aufsetzen, wobei es mir nicht zu 100% gelungen ist, die Abonnenten, bei denen der Versand bereits geklappt hatte, bei den Wiederholungen auszuschließen.
Da übermorgen in Barbados der erste Reiseabschnitt zu Ende gehen wird, war heute die Abschiedsgala unausweichlich. Aber das Lido-Restaurant hat meist ein Einsehen mit uns und bietet unaufgefordert neben den Gala-Genüssen auch ganz profane Pasta mit Sauce Bolognese an.
25. Reisetag – Samstag, 31.01.2026 Soufrière/St. Lucia
Der kleine Ort Soufrière (knapp 8.000 Einwohner) hat keine Pier, die groß genug ist, die ARTANIA anlegen zu lassen, also musste getendert werden.
Die Hauptsehenswürdigkeiten sind der
Gros Piton (798 m)
und der
Petit Piton (743 m)
... sowie der Botanische Garten mit den Diamant Waterfall.
Zum Besteigen waren die Berge zu hoch, aber der Weg zum Botanischen Garten war mit knapp 2 Kilometern zu bewältigen.
Der Eintritt Betrug 35 Ostkaribische Dollar, womit unsere Barschaft dieser Währung dann aufgebraucht war.
Hätten wir auch noch in den Becken mit dem mineralischen Thermalwasser baden wollen, hätten wir mit US-Dollars aufstocken müssen.
Aber Baden stand nicht auf unserem Programm (obwohl heute Samstag war 😊).
Der Diamont Fall gab fotografisch zwar nicht viel her, ...
... was aber weder uns noch andere davon abhielt, das Foto-Handy zu zücken.
26. Reisetag – Sonntag, 01.02.2026 Bridgetown/Barbados
Barbados ist eine Hochburg für Kreuzfahrtschiffe.
Heute bevölkerten mal wieder knapp 10.000 Kreuzfahrtgäste die Insel, denn neben der ARTANIA lagen noch weitere dicke Pötte an den Piers.
Entsprechen groß war das Gewimmel im und am Kreuzfahrtterminal.
Unzählige Taxen, Shuttlebusse für Transfers zu den verschiedenen Stränden und Vans für Rundfahrten standen bereit.
Sogenannte Dispatcher organisierten die Verteilung der Fahrgäste auf die Fahrzeuge.
Wir wollten uns allerdings nicht verteilen lassen, sondern machten uns auf für einen kleinen Spaziergang.
Vorher konnten wir uns noch ganz herzlich von Diane verabschieden, die heute von Bord geht.
Schließlich hatten Doris und ich mit ihr zusammen viele Stunden im "Büro" verbracht. Diane war für die Gold- und Silberberatung in der Bibliothek zuständig, ein persönlicher Service für alle Fragen, Sorgen und Nöte für die Gold- und Silbergäste (das sind die Bewohner von Balkonkabinen). Diane ist eine Freelancerin, die engagiert wird, wenn bei Phoenix "Not am Mann/Frau" ist.
In der Stadt, gab es aber nicht allzu viel zu entdecken.
Aber ein Einheimischer an der Uferpromenade erregte allerdings unsere Neugier. Mit einem Hammer „stimmte“ er eine Steel-Drum, ein Instrument, das aus Metallfässern hergestellt wird. Bereitwillig demonstrierte er uns auf einem schon fertigen Instrument, wie es gespielt wird. Er forderte mich auf, es auch einmal zu versuchen.
Sehr geschickt habe ich mich dabei allerdings nicht angestellt.
Eine einfache vorgegebene C-Dur-Tonfolge bekam ich gerade noch hin, nachdem er mir die einzelnen Tonflächen der Steel-Drum ordentlich beschriftet hatte. Aber beim karibischen Rhythmus musste er mich ständig korrigieren und gab dann schließlich freundlich lächelnd auf – und ich auch.
Wider Erwarten verlangte der Mann gar kein Geld, freute sich aber über den Dollar und das Bonbon von Doris.
Damit war unser Landgang in Bridgetown auch schon wieder beendet.
Heute war auch Passagierwechsel, denn der 2. Reiseabschnitt hatte begonnen, der unter dem Titel „Von Barbados bis zur Copacabana nach Rio" läuft.
27. Reisetag – Montag, 02.02.2026 Bridgetown/Barbados
Am zweiten Tag in Bridgetown wollten wir eigentlich zu einem Strand fahren, um im warmen, türkisfarbenen Wasser zu schwimmen. Von einem Crew-Mitglied, das gestern schon am Strand war, erfuhren wir, dass das türkisfarbene Wasser relativ kalt gewesen wäre. Die Mär „Wenn man erst drin ist, fühlt es sich viel wärmer an“ glauben wir schon lange nicht mehr und beschlossen an Bord zu bleiben.
Das gibt mir auch Zeit und Gelegenheit zu berichten, was sich gestern für ein Schwachsinn im Gästebuch meines Blogs abgespielt hat.
Ein Herr Manfred Kleist aus Sinsheim hat Folgendes geschrieben:
Da ich diesen Nonsens nicht unkommentiert lassen wollte, schrieb ich im Gästebuch folgende Erwiderung:
Die Reaktion war ein erneuter Gästebucheintrag wie folgt:
Das hat sich dieser Mensch natürlich aus irgendeinem seiner Finger gesaugt.
Zu meiner Rehabilitation:
Wir spielen überhaupt kein Bingo.
Kuchen kann man sich, wie bekannt ist, soviel holen, bis man platzt.
Über Geschmack, Qualität und Auswahl des Essens äußern wir uns grundsätzlich nicht, denn über Geschmack lässt sich nicht streiten, wie ein kluges Sprichwort sagt.
Und dass ich den Atlas aus der Bibliothek mitgenommen habe, was der Herr sogar eigenäugig gesehen hat – dazu fällt mir nichts mehr ein????
Jetzt habe ich mehrere Möglichkeiten:
- diesen Sonderling gar nicht beachten,
- den Herrn bedauern, er könnte ja eine psychische Krankheit haben,
- aber wenn er einfach nur bösartig ist, müsste ich ihm irgendwie verbal gegen das Schienbein treten können.
Was ich auf keinen Fall tun werde, ist die Einträge löschen. Zum einen lasse ich sie als Kuriosum stehen, zum anderen kann mir dann niemand Zensur oder Unterdrückung unliebsamer Meinungen vorwerfen, auch wenn dieser Müll keine freie Meinungsäußerung mehr ist, sondern das Zeug dazu hat, als Üble Nachrede (§ 186 StGB) oder Verleumdung (§ 187 StGB) strafrechtlich relevant zu sein.
Jedenfalls sind die Beiträge des Herrn Kleist ein Versuch, meinem Ruf als seröser Blogger zu schaden.
Aber ein Gutes hat es, ich konnte an einem eigentlich belanglosen Reisetag etwas Außergewöhnliches berichten.
Nachdem ich diese Zeilen bereits geschrieben hatte, hatte ich die Gelegenheit, mit dem Kreuzfahrtdirektor Klaus Gruschka zu sprechen.
Er bestätigte mir, was ich sowieso schon vermutet hatte. Somit habe ich mit der folgenden Erwiderung im Gästebuch diese Schmierenkomödie abgeschlossen.
28. Reisetag – Dienstag, 03.02.2026 Kingstown / St. Vincent & Grenadines
Kingstown liegt auf der Insel St. Vincent, die wiederum zum karibischen Inselstaat St. Vincent & Grenadines gehört. St. Vincent ist die Hauptinsel und eine Kette von 32 kleineren Inseln sind die Grenadinen.
Das Internet hatte uns eine Stelle verraten, von der man eine schöne Aussicht auf den Hafen hätte und die nicht allzu weit (2,5 Kilometer) vom selbigen entfernt ist. Die 80 Meter Höhenunterschied müssten zu schaffen sein.
Der Weg führte zunächst durch das kleine quirlige Stadtzentrum von Kingstown (13.000 Einwohner). Hier scheint jede freie Fläche an den Straßenrändern von Verkaufsständen und fliegenden HändlerInnen genutzt zu werden.
Als dann langsam der Anstieg begann, ließ das geschäftige Treiben schlagartig nach.
Begegneten wir jetzt auf unserem Weg Einheimischen, wurden wir entweder mit einem „Hello“ oder „Good Morning“ oder einfach nur durch Heben der Hand gegrüßt.
Nachdem wir die Aussicht genossen und ein paar Fotos geschossen hatten, ...
... ging es wieder zurück zum Schiff, wo wir verschwitzt ankamen.
Bei heißen Temperatur wird in der Regel vor der Gangway ein Pavillon aufgestellt, wo ein Crew-Mitglied kostenlos kalte Getränke an die Heimkehrer ausschenkt, mal einen Eistee, mal einen Fruchtsaft und alternativ einfach nur kaltes Wasser.
Ab heute wurde dieser Service auf Selbstbedienung umgestellt.
Ein Hinweisschild informierte über diese Neuerung, ...
... in meinen Augen eine sinnvolle Maßnahme. So muss nicht jemand von der Crew stundenlang diesen etwas langweiligen Dienst verrichten. Denn einen Zapfhahn wird sicherlich sowohl der erfahrene als auch der weniger erfahrene Kreuzfahrer bedienen können.
Einen Verbesserungsvorschlag hätte ich allerdings noch: Ein Schildchen an jedem der beiden Behälter anbringen, die verraten, wo Wasser und wo Tee gezapft werden kann.
Heute war der Tee links und das Wasser rechts.
Aber die Methode „Probieren geht über studieren“ funktioniert natürlich auch. So ein fehlendes Schildchen ist nun auch wirklich kein Beinbruch, geschweige denn ein Mangel oder Ärgernis.
Ein wirkliches Ärgernis aber ist der Ausfall der Destination Georgetown in Guyana, ein exotisches Ziel, dass noch nie angelaufen wurde und auf das wir ganz besonders gespannt waren und auf das wir uns sehr gefreut hatten.
An Bord hat der Kreuzfahrtdirektor in seiner Sendung „Auf ein Wort“ im Bordfernseher die Streichung so erklärt:
Als vor mehr als zwei Jahren die Route bei Phoenix in Bonn entwickelt wurde, wurde Phoenix von der Reederei eindeutig bestätigt, dass der Hafen in Georgetown geeignet, sprich tief genug ist, die ARTANIA einlaufen zu lassen.
Jetzt hätte aber eine genauere Überprüfung ergeben, dass die ARTANIA unter Normalbedingungen zu viel Tiefgang für den Hafen hat. Nur bei besonders starker Flut wäre vielleicht, eventuell, unter Umständen ein Anlaufen möglich gewesen.
Tendern ist leider auch keine mögliche Alternative, denn es gibt keine passenden Anlegestellen für die Tenderboote.
Hier könnte natürlich schon irgendwo im Planungsprozess etwas schiefgelaufen sein. Phoenix Bonn bekam von der Reederei grünes Licht, weil sie ihrerseits einen positiven Bescheid von der örtlichen Hafenbehörde erhalten hatten, dass ein Anlaufen von Georgetown/Guyana möglich sein wird. Die Reederei vollzieht die technischen Planungen und Abwicklungen, auf die Phoenix sich verlässt bzw. verlassen muss. Phoenix hat, nachdem die Reederei ihr OK signalisiert hat, daraufhin das Ziel in die Route und im Katalog aufgenommen.
Hätte die Reederei hier eventuell früher ein Warnsignal senden müssen? Eine eigene Recherche meinerseits ergab nämlich folgendes Bild:
Auf Fachseiten wie Incodocs lässt sich auch als Laie erkennen, dass der Hafen nicht sehr tief ist. Füttert man eine KI mit den offiziellen Daten, kommt man zu einer interessanten Analyse:
Alles klar 🙂 Dann schauen wir uns das konkret für die ARTANIA in Georgetown (Guyana) an.
🚢 ARTANIA – Tiefgang vs. Georgetown
ARTANIA – Tiefgang:
➡️ ca. 7,8 m
Georgetown (Demerara River / Hafen):
- Max. zulässiger Tiefgang laut Portangaben: 8,2 m
- Wassertiefe an den Piers: meist nur ca. 5–6 m
- Tidenhub: rund 2,5–3,0 m.
⚓ Reicht das für die ARTANIA?
Rein rechnerisch
- Hochwasser: 6,0 m (Pier-Tiefe) +ca. 2,6 m Tide = ~8,6 m Wasser
- Abzüglich Unterkielabstand (Sicherheitsreserve, meist 0,5–1,0 m):
- effektiv nutzbar: ~7,6–8,1 m
👉 Das liegt exakt im Grenzbereich zum Tiefgang der ARTANIA (7,8 m).
🧭 Praktische Realität
Deshalb gilt in der Praxis:
- ⚠️ Direktes Festmachen der ARTANIA an der Pier ist sehr schwierig bis unrealistisch
- ✅ Nur bei exakt passendem Hochwasser, sehr guten Bedingungen und ggf. reduziertem Tiefgang denkbar
- ❌ Kaum Sicherheitsreserve, vor allem wegen:
- starker Sedimentation
- wechselnder Flusstiefen
- Sicherheitsvorgaben der Reedereien
🟢 Kurzfazit
- ARTANIA Tiefgang: ~7,8 m
- Georgetown Pier: zu flach für einen sicheren Linien-Liegeplatz
Meine erste Vermutung, die Planung sei von vornherein zu knapp kalkuliert gewesen, muss ich jedoch in einem Punkt ergänzen: Die Reedereien kalkulieren oft damit, dass Sedimentablagerungen im Hafen rechtzeitig ausgebaggert werden, um die nötige Tiefe „herauszukitzeln“.
Nach einem klärenden Gespräch mit Klaus Gruschka erfuhr ich, dass genau dies in Georgetown nicht im erforderlichen Maße stattgefunden hat. Ohne diese Baggerarbeiten durch die lokalen Behörden war ein sicheres Anlaufen für ein Schiff der Größe der ARTANIA schlicht unmöglich.
Wie dem auch sei, ein eventueller Planungsfehler in einer technischen Abteilung der Reederei, ein fehlender Baggereinsatz oder reine Behördenwillkür, das lange Gesicht macht in dem Fall der Passagier.
29. Reisetag – Mittwoch, 04.02.2026 Port Elizabeth/Bequia/St. Vincent & Grenadines
Jetzt schippern wir schon viele Tage durch die Karibik und wir waren noch kein einziges mal Baden. Damit nicht das Gerücht aufkommt, wir seien wasserscheu, stand heute ein Strandbesuch auf dem Programm.
Die ARTANIA ankerte vor der Insel Bequia, die südlich von St. Vincent liegt.
Nach dem Frühstück wurden wir nach Port Elizabeth an Land getendert. Von hier gab es mehrere Möglichkeit zum Princess Magret Beach, den Strand, den wir uns ausgesucht hatten, zu gelangen.
Der 30-minütige Fußweg kam wegen der zusätzlich zum normalen Landgangsrucksack mitgenommenen Badesachen nicht in Frage. Als Alternative zum Laufen gab es Taxis und Wassertaxis.
Das Wassertaxi war heute das Transportmittel unserer Wahl (20 US-Dollar komplett für uns beide, hin und zurück).
Das Besteigen des kleinen Bötchens hatte so seine Tücke, denn der Einstieg erfolgte direkt im Wasser und nicht an einem Steg. Also wurden die Schuhe ausgezogen, die Hosenbeine hochgekrempelt und festgestellt, dass das kleine Bötchen auf einmal gar nicht mehr so klein war, als wir bis zu den Waden im Wasser standen und da irgendwie rein mussten. Die Bordwand war nämlich doch recht hoch. Mir gelang es gerade noch so, mich rittlings hochzuziehen, um erstmal auf dem Bug zu sitzen, sich auf dem Podex drehen und dann ins Boot zu gleiten. Da Doris einen Kopf kleiner ist als ich, gelang das mit dem rittlings hochziehen nicht. Der Bootsführer aber nicht faul, schnappte sich Doris und hob sie über die Bordwand, wo ich sie in Empfang nehmen konnte.
Die Fahrt dauerte nicht lange, ca. 5 Minuten, vielleicht auch ein wenig mehr.
Am Princess Magret Beach gab es einen Steg, auf den wir vom Boot irgendwie hochklettern mussten, was wegen der starken Dünung und Brandung gar nicht so einfach war, aber irgendwie gelang.
Wir vereinbarten, dass uns das Boot um 13:00 Uhr wieder abholen sollte.
Am Strand unter Bäumen entdeckten wir einen Tisch mit Bänken, wo wir uns niederlassen konnten und geschützt im Schatten saßen.
Doris strich allerdings das Schwimmen von der Tagesordnung. Ihr war die Brandung zu heftig.
Das hätte ich auch tun sollen. Das Reingehen und das Schwimmen selbst – kein Problem. Aber das Rauskommen …
Kaum hatte ich festen Boden unter den Füssen, wurde ich vom rücklaufenden Wasser wieder weiter weg vom Ufer gezogen. Auf einmal saß ich auf dem Hosenboden und nach einmal hin zum Ufer – weg vom Ufer, lag ich auf dem Rücken, hilflos wie eine Schildkröte in ähnlich prekärer Position und war ein Spielball des zu- und ablaufenden Wassers.
Die zum Glück herbeigeeilte fürsorgliche Gattin reichte mir ihre helfende Hand und ich war gerettet. Die Schrammen an meinem Rücken waren kaum der Rede wert.
Kurz vor 13:00 Uhr auf dem Rückweg zum Steg (barfuß), wo uns das Wassertaxi wieder abholen sollte, ließ Doris noch einmal den Blick übers Meer streifen und konnte deshalb den Stein nicht sehen, der aus dem Sand herausragte. Dadurch kollidierte ihr kleiner Zeh mit dem Stein, wobei die Knautschzone des Zehs größer war als die des Steins. Das hat furchtbar weh getan.
Das Wassertaxi war pünktlich auf die Minute. Das Herabgleiten vom Steg auf das Boot ging problemlos, auch bei Doris trotz des lädierten Zehs.
Das Boot brachte uns direkt zur Tenderpier. Dort war das Wasser ruhig, sodass das Hochklettern auf den Steg fast mühelos gelang. Am Steg wartete schon unser Tenderboot, das, nachdem wir eingestiegen waren, sofort losfuhr.
In der Kabine konnten wir uns endlich um Doris‘ Zeh kümmern. Er schwoll zusehends an und verfärbte sich dunkel.
Der Schiffsarzt, Dr. „Winnie“ Koller, diagnostizierte: Entweder gebrochen oder verstaucht.
Die Therapie ist in beiden Fällen dieselbe, nämlich Tapen, sodass eine genauere Diagnose nicht mehr erfolgte. Der kleine Zeh wurde mit Pflaster an seinen Nachbarn festgebunden, den Rest muss die Zeit erledigen.
Als Doris die Frage, ob wir genügend Ibuprofen dabeihätten, bejahte, wurde sie aus der Ambulanz entlassen.
Irgendwie war heute nicht unser Tag.
30. Reisetag – Donnerstag, 05.02.2026 St. Georg’s/Grenada
Grenada, das ist der Karibikstaat, in den die Amerikaner 1983 unter der Regierung des republikanischen Präsidenten Ronald Reagan einmarschiert sind. Begründet wurde der Überfall damit, dass der Staat Grenada, der enge Beziehungen zu Kuba und der Sowjetunion pflegte, zu einem „kubanisch-sowjetischen Brückenkopf“ in der Karibik werden könne. Eine pro-westliche Regierung wurde eingesetzt. Die UN-Generalversammlung verurteilte die Invasion als völkerrechtswidrig.
Putin konnte also aus der amerikanischen Geschichte etwas lernen. Aber das erwähne ich nur am Rande, schließlich haben wir Urlaub.
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Die MSC Virtuosa, die heute mit uns an der Pier von St. George's lag, kann mehr als 6.000 Passagiere aufnehmen.
Um den lädierten Zeh von Doris zu schonen, lautete die Strategie: Viel fahren, wenig laufen.
Das Busterminal von St. George’s befand sich nur wenige Gehminuten von unserem Liegeplatz entfernt.
Von den 9 dort abfahrenden Buslinien wählten wir die Nr. 1, um zum Grand Anse Beach zu fahren.
Aber nach Baden stand uns heute nicht der Sinn, sondern hier war einfach der Weg mit dem öffentlichen Bus das Ziel.
Am Grand Anse Beach tranken wir eine Cola und fuhren wieder zurück nach St. George’s. Auf der Fahrt kamen wir auch am Alten Hafen, genannt „The Carenage“, vorbei, der meine touristische Neugier weckte.
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Eine größere Anlieferung von Palmzweigen, die für die Dekoration der Phoenix Bar und der Kopernikusbar zur Verwendung kommen.
Am Nachmittag machte ich mich auf den kurzen (knapp 1 Km) Weg zum „The Carenage“.
Dieser führt vom Kreuzfahrtterminal entweder über einen kleinen Berg oder durch einen Tunnel. Es liegt auf der Hand, beide Varianten auszuprobieren. Also ging es hin über den Berg und zurück zum Terminal durch den Tunnel.
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Die Abfahrtzeiten waren sowohl für die ARTANIA
als auch für die MSC VIRTUOSA auf 18:00 Uhr festgelegt.
Wir durften als erste die Leinen lösen. 😊
31. Reisetag – Freitag, 06.02.2026 Scarborough/ Tobago/Trinidad & Tobago
Der Staat Trinidad & Tobago besteht, wer hätte das gedacht, aus den Inseln Trinidad und Tobago.
Heute stand Tobago auf dem Routenplan und morgen Trinidad.
Viele Sehenswürdigkeiten bot der Ort Scarborough nicht, aber immerhin wieder mal ein Fort, das King George Fort.
Es war zwar nicht weit vom Hafen entfernt (knapp 2 Kilometer), ...
... aber dafür auf einem 150 Meter hohen Berg.

Die Bierwerbung erinnerte mich daran, dass auf der Kabine im Kühlschrank ein Fläschchen auf mich wartet.
32. Reisetag – Samstag, 07.02.2026 Port of Spain/Trinidad/Trinidad & Tobago
Das heutige Ziel war ein Notnagel für das ausgefallene Georgetown/Guyana (grummel, grummel 😠).
Zum Glück waren heute keine Berge zu bezwingen. Der „Queens Park Savannah“ wird als sehenswert beschrieben, also dann: Nichts wie hin.
Der Preis, dass dieser Park nicht so hoch liegt, war ein längerer Weg (4 Kilometer) dorthin.
Gut, dass wir nicht schon vorher gewusst hatten, dass der Queens Park Savannah eher einer sehr großen landwirtschaftlichen Brachfläche glich oder im besten Fall mit einem stillgelegten Sportflugplatz konkurrieren konnte.
Ok, der kleine botanische Garten im Norden des Parks war ganz nett.
Dieser Baum weckte natürlich unser Interesse.
Wir haben lange gerätselt, ob es sich bei diesem "Gehänge", das sich wie Sperrholz anfühlte, um Deko handelt, die von der Parkverwaltung dort angebracht wurde. Aber die KI wusste es besser und teilte uns mit:
Es handelt es sich um Brownea latifolia oder Brownea grandiceps, die auf Trinidad und Tobago oft als "Mountain Rose" oder "Rose of Venezuela" bezeichnet werden.
Die sichelförmigen, flachen, bräunlich-rosa Schoten sind absolut typisch für Brownea. Sie hängen an langen, fadenartigen Stielen (Pedunkeln) herab, was dem Baum ein fast künstliches, dekoratives Aussehen verleiht.
Unsere Wanderung war trotz des "Sportflugplatzes" kein Flop, denn an diesem Wochenende fand im Queens Park Savannah der „Red Cross Kiddies Carnival“ statt.
Trinidad steht in Sachen Karneval dem in Rio de Janeiro in Nichts nach.
Und heute, eine Woche vor den eigentlichen Karnevalstagen, war der große Tag der Kinder.
Rund 3.000 Kinder werden in aufwendigen Kostümen über die Bühne der "Carnival City" im Queens Park Savannah ziehen.
Jetzt kamen unsere Handy-Kameras so richtig zum Einsatz.
Dieser Event erfordert eine riesige Organisation.
Hinter den Bühnen waren mehr als hundert Zelte aufgebaut. Sie sind das logistische Herzstück dieses Groß-Events. Sie dienen als Umkleidemöglichleit, Sonnenschutz, Verpflegungsstation und Erste-Hilfe-Station.
In einigen Zelten sind Dixi-Toiletten aufgestellt.
Nachden wir recht lange Maulaffen feilgehalten hatten, machte wir uns schwer beeindruckt auf den Rückweg zum Schiff.
Am Abend wurde für die 185 Passagiere, die die komplette Winter-Reise gebucht hatten, in der Kopernikus Bar ein „Karibisches BBQ“ veranstaltet. Eigentlich sollte dieser Event schon viel früher stattfinden, allein es fehlten die Palmwedel. Diese konnten erst vorgestern organisiert werden.
Die Küche ließ sich nicht lumpen und der Wein kam im Gegensatz zu dem normalerweise kostenlos ausgeschenkten Tischwein heute Abend nicht aus dem Tetrapack. Vielmehr gab es einen guten Tropfen aus Baden Württemberg.
Ich bitte um Nachsicht, dass es keine Fotos gibt. Diese gelungenen Veranstaltung hat es gewiss nicht verdient, nicht abgelichtet worden zu sein.
33. Reisetag – Sonntag, 08.02.2026 Seetag
Seit der Destination Philipsburg bis gestern Port of Spain hatten wir 14 Landtage am Stück. So eine lange Zeitspanne ohne Seetage dazwischen halte ich für suboptimal. Dabei sollte man wissen, dass ich den Begriff „suboptimal“ als freundliche Umschreibung für „nicht so gelungen“ verwende. Die Seetage sind wichtig und sollten in ausreichender Zahl zwischen den Landtagen verstreut sein. Morgen ist auch noch ein Seetag – und das ist gut so.
34. Reisetag – Montag, 09.02.2026 Seetag
Gestern gab es im Bordfernsehen wieder einen „Brennpunkt“, was in der Regel nichts Gutes bedeutet.
So musste uns der Kreuzfahrtdirektor erklären, warum wir unser erstes Ziel in Brasilien, Icoaraci/Belém nicht anlaufen werden bzw. können.
Geplant sei gewesen, in Icoaraci auf Reede zu liegen und die Passagiere an Land zu tendern. Icoaraci ist ein Vorort von Belém. Belém war im letzten Jahr wegen der Weltklimakonferenz in allen Zeitungen.
Wegen besagter Klimakonferenz haben die Brasilianer eine große Pier mitten in die Pampa gebaut, an der während dieser Großveranstaltung zwei dicke Kreuzfahrtschiffe lagen, die als Hotels dienten. Schließlich wurden für die Konferenz 50.000 Teilnehmer erwartet, da brauchte es Bettenkapazitäten.
Bei den Kreuzfahrtschiffen handelte es sich um die MSC Seaview (~5.300 Gäste / 2.020 Kabinen) und die Costa Diadema (~4.900 Gäste / 1.860 Kabinen).
Jetzt, wo die Konferenz vorbei ist, braucht kein Mensch bzw. kein Schiff diesen Anleger in der Pampa. Da so eine Fazilität aber eine Menge Geld gekostet hat, wollte man die ARTANIA zwingen, statt zu tendern die viel weiter von Belém gelegene Pier zu nutzen. Die Sache hat jetzt aber einen Haken: Die ARTANIA ist zu klein für diese Pier. Die Gangway, die von den Brasilianern bereitgestellt werden kann, ist mit der ARTANIA nicht kompatibel. Die schiffseigene Gangway kann aber nur bei Flut genutzt werden. Bei Ebbe sinkt die Einstiegsluke unter das Niveau der Kaimauer. Konkret: Ein- und Ausstieg wären nur für 1 ½ Stunden am Vormittag und für 1 ½ Stunden am Nachmittag möglich gewesen.
Diese Einschränkung ist schon allein aus Sicherheitsgründen nicht akzeptabel. Alle Verhandlungen mit den Behörden verliefen erfolglos.
Lange Rede, kurzer Sinn, Icoaraci/ Belém muss gestrichen werden.
Der Kreuzfahrtdirektor Klaus Gruschka war stinkesauer und hielt sich bei seiner Fernsehansprache auch diesbezüglich nicht zurück.
Die Geschichte ist auch völlig plausibel und ich habe keinen Grund, sie anzuzweifeln.
Nur Eines ist ein wenig verwunderlich. Im Katalog war nicht wie üblich das Ziel mit einem kleinen Anker gekennzeichnet, was darauf hinweisen soll, dass das Schiff auf Reede liegen wird. Vielmehr war hier ein kleines „t“ zu sehen, was bedeutet, dass die Liegezeiten wegen der örtlichen Tide von den geplanten Zeiten abweichen können.
Auszüge aus dem Phoenix-Katalog:
Kennzeichnung: Auf Reede.
Kennzeichnung: tidenabhängig.
Legende
35. Reisetag – Dienstag, 10.02.2026 Île Royale/Îles du Salut/Franz. Guayana
Erstmal die geografische Einordnung:
Die Îles du Salut (deutsch: Inseln des Heils) sind eine kleine Inselgruppe (Archipel) 13 km vor der Küste von Kourou in Französisch-Guayana. Île Royale, unser heutiges Ziel ist eine Insel innerhalb dieses Archipels. Zusammen mit den beiden Nachbarinseln Île du Diable (Teufelsinsel) und Île Saint-Joseph wurde Île Royale von Mitte des 19. Jahrhunderts bis Mitte des 20. Jahrhunderts von den Franzosen als berüchtigte Strafkolonie mit grausamen Haftbedingungen missbraucht.
Hierhin war auch „Papillon“ inhaftiert, dessen Biografie mit Steve Mc Queen und Dustin Hoffman verfilmt wurde. Einige Szenen dieses Films wurden hier gedreht.
Noch ein kleiner Hinweis zu einer geografischen Stolperfalle.
Georgetown/Guyana, die Destination die am 8. Februar ausgefallen, ist gehört nicht zum Französischen Überseegebiet Französisch-Guayana, auch wenn beide Staaten sehr ähnlich klingen. Man beachte die unterschiedlichen Schreibweisen: Guayana und Guyana.
Die Verwirrung wird komplett, wenn man bedenkt, dass das heutige Guyana (also nur 2 x „a“) früher British-Guayana (also mit 3 x „a“) hieß.
Aber egal ob mit mit drei oder 2 „a“, beinahe hätten wir auch in Französisch-Guayana nicht anlanden können.
Als wir gegen 8:00 Uhr unsere vorgesehene Ankerposition erreicht hatten, war klar, dass wegen des Wellengangs ein Tendern unmöglich ist.
Zusammen mit dem örtlichen Lotsen an Bord wurde ein Plan B geschmiedet.
Man hoffte, über eine andere, etwas geschütztere Ankerposition ein Tendern doch noch zu ermöglichen. Unsere Erfahrungen waren bisher die, dass versuchte Alternativen immer erfolglos geblieben sind.
Dem war heute nicht so. Zwar war das Umsteigen von der ARTANIA in das Tenderboot eine recht wackelige Angelegenheit, aber die Tendercrew zog und schob die Umsteigekandidaten gekonnt ins Boot.
Auf der Insel selbst konnten wir „nur“ einen Spaziergang unternehmen.
Die Ausmaße der Insel sind recht übersichtlich, knapp einen Kilometer lang und 300 - 500 Meter breit.
Dafür bot die Natur viel Sehenswertes.
Die Überreste des inhumanen französischen Strafvollzugs waren noch reichlich vorhanden.
Auf den Inseln sind die Haubenkapuziner-Affen beheimatet.
Wir konnten einen beobachten, wie er sich genüsslich an einer Kokosnuss labt.
36. Reisetag – Mittwoch, 11.02.2026 Seetag (1/3)
Das Wetter ist miserabel, es ist dunstig und es regnet. Der für heute Morgen geplante Jazzfrühschoppen musste ausfallen, genau wie schon gestern Abend der „ARTANIA Music Club!“ hinten an der Phoenix Bar.
Da es an es regnerischen Seetagen nichts zu berichten gibt, außer dass es im Lido voll ist und es zu Wartezeiten kommt, bis man einen Platz zugewiesen bekommt, kann ich stattdessen zwei Anekdötchen erzählen, die sich auf der Reise ereignet hatten.
Roberto, unser Kabinensteward ist ein begeisterter Amateursänger. Gestern beim ARTANIA Music Club!“ hätte er wieder einen Auftritt gehabt, wenn das Wetter mitgespielt hätte. Zur Zusammenstellung seines Repertoires befragt er die Gäste aus den Kabinen, die er betreut, was sie denn gerne von ihm hören möchten. Eine Dame schlug ihm den Titel „Fürstenfeld“ von der Gruppe STS vor. Da musste der gute Roberto leider passen, denn er kannte weder Gruppe noch den Titel. Dazu muss man wissen, die Gruppe STS (Akronym aus den Namen der Gruppenmitglieder („Steinbäcker – Timischl – Schiffkowitz“) war eine dreiköpfige Pop-Rock-Band aus Österreich. Genauer aus der Steiermark. Das Besondere, sie singen in der Mundart ihrer Steiermärkischen Heimat.
Außerdem beginnt das gewünschte Stück „Fürstenfeld“ (ein Hit in 1984 – Nummer 1 in Österreich, Nummer 25 in Deutschland) mit einem sehr langen 3-stimmigen a-cappella-Intro, ehe der schmissige Refrain folgt.
Schade, dass Roberto STS nicht kannte. Ich hätte schon mal gerne einen Philippiner in waschechter alpenländischer Mundart 3-stimmig singen gehört.
Die Suppen auf der ARTANIA schmecken in der Regel sehr gut.
Im Lido-Restaurant gibt es hierfür einen Wärmeschrank.
Die Suppen werden, abgefüllt in großen metallenen Töpfen, aus der Küche angeliefert und in die passenden Öffnungen dieses Spezial-Möbels gestellt.
Der Gast kann sich daraus dann selbst bedienen.
Es stehen Mittags und Abends immer 2 verschiedene Suppen zur Auswahl.
Letzte Woche, an einem heißen Tag, wurde eine Kaltschale angeboten. Nachdem sich einige Gäste beschwert hatten, dass die Kaltschale entgegen dem Namen eher lauwarm war, wurden sofort Erste-Hilfe-Maßnahmen getroffen, indem kübelweise Eis herbeigeschafft wurde. Der metallene Suppentopf wurde aus der Vorrichtung herausgenommen, das Eis in diese Vorrichtung gekippt und derTopf wieder eingefügt.
Nun sollte baldigst der gewünschte Kühleffekt eintreten.
Das tat er aber nicht ….
Das Eis schmolz in Rekordzeit und das Problem war, weil die Kaltschale weiterhin warm blieb, somit ungelöst, …
… bis ein technisch versierter Mitarbeiter den zugehörigen Drehknopf rechts an der Seite von „max“ auf „low" und den Schalter auf "aus" stellte.
Denn wie von mir ganz oben erwähnt, handelt es sich bei besagtem Möbel um einen Wärmeschrank, der in der Regel die angelieferten Suppen warm halten soll, was sich jedoch bei Kaltschalen als kontraproduktiv erweist, insbesondere wenn die Heizung auf „volle Pulle“ eingestellt ist.
37. Reisetag – Donnerstag, 12.02.2026 Seetag (2/3)
Um 11:00 stand die Äquatortaufe auf dem Programm. Da wir das Ritual kennen, trabte Doris zur Kopernikus Bar, dem Ort des besagten Spektakulums, lediglich mit dem Auftrag versehen, ein paar Fotos zu schießen und vor allem zu berichten, ob auch der Kapitän getauft wurde oder nicht.
Sie kam aber nach kurzer Zeit unverrichteter Dinge zurück.
Da sie bisher noch nicht die Körpergröße von mehr als 1,80 Meter erreicht hat, war sie chancenlos, Neptun, dessen Gefolge und den Kapitän zu sehen.

Unsere Event-Korrespondentin Rosemarie Stahl konnte den entscheidenden Moment, kurz bevor der Kapitän in das Taufbecken eintauchte, fotografisch festhalten.
Die nautische Äquatorüberquerung fand übrigens erst gegen 19:20 Uhr statt.
Seit bestimmt 2 Wochen herrschen in der Bibliothek sibirische Temperaturen. Ohne Jacke kann man (zumindest Doris und ich) nicht sitzen. Selbst die Gold- und Silberberatung von Phoenix, die hierzu mehrere, sogar schriftliche Eingaben gemacht hatte, konnte an dem Zustand nichts ändern.
Heute ist es plötzlich richtig schön mollig warm hier. Ob sich jemand erbarmt hat und der Bitte um einige Plus-Grade mehr nachgekommen ist oder die Klimaanlage defekt ist, ist derzeit noch nicht bekannt.
38. Reisetag – Freitag, 13.02.2026 Seetag (3/3)
Die Freude über das angenehme Klima in der Bibliothek war nur kurz. Heute war es schon wieder fröstelig und unsere Gewohnheit, immer eine Jacke mitzunehmen, hat sich wieder einmal bewährt.
Nachmittags an Seetagen, nach der Kaffee- und Teestunde gegen 16:30 Uhr, spielen Doris und ich gerne eine Partie Scrabble in der Kopernikus Bar.
Dort ist es, bis auf die ständige Musikberieselung, ruhig und nicht sehr bevölkert.
Nach den rieselnden Musikstücken kann man übrigens die Uhr stellen. Ziemlich genau um 17:23 Uhr kommt regelmäßig Roy Orbinsons „Diana“. Anscheinend wird die immer gleiche Playlist zur immer gleichen Zeit gestartet. Gibt’s da nicht wenigstens so etwas wie eine „Zufallswiedergabe“ am Abspielcomputer, der sich irgendwo auf dem Schiff befindet? Wenn nein – macht auch nichts. 😊
39. Reisetag – Samstag, 14.02.2026 (Valentinstag) - Fortaleza/Brasilien
Fortaleza ist mit 2,5 Millionen Einwohnern die viertgrößte Stadt in Brasilien.
Heute am Fastnachtssamstag machten wir uns auf, um auf den brasilianischen Straßenkarneval zu treffen. Da unsere Freundin, die KI, nie um Tipps und Informationen verlegen ist, ließ Doris sie einige Alternativen für die Gestaltung unseres Tages ausarbeiten und wir entschieden uns für den folgenden Vorschlag:
1. Praça da Gentilândia (Benfica) – klassische Straßen-Blocos
🕒 ab ca. 13:00 Uhr
- echte brasilianische Karnevalsblöcke
- Tanz auf der Straße, Kostüme, Live-Bands, DJs
- 14.02.: u. a.
- Bloco Unidos da Cachorra
- ➡️ das ist die authentischste Straßenparty für Besucher.
Ein Bloco (deutsch: Block) ist eine Gruppe/Verein von Musikern + Feiernden, die gemeinsam durch die Straßen ziehen.
Wie wir aus dem Internet gelernt haben, ist der Bloco Unidos da Cachorra (frei und humorvoll übersetzt: Die vereinten Köter) einer der traditionsreichsten "Blocos de Pré-Carnaval" in Fortaleza, der besonders im Viertel Praia de Iracema zu Hause ist. Sie sind berühmt für ihre kraftvolle Percussion-Gruppe (Bateria).
Um zum Praça da Gentilândia mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu gelangen, gab es verschiedene Möglichkeiten. Unser Plan war, vom Hafen zu Fuß zur nächsten Bushaltestelle zu laufen (10 – 15 Minuten), von dort mit dem Bus zur Metrostation Estação Iate zu fahren, mit der Mero zum zentralen Omnibusterminal Parangaba und dort in einen anderen Bus umzusteigen, der uns zur Av. da Universidade bringen soll, von wo es nur noch 5 Minuten zu Fuß zum Ziel Praça da Gentilândia sind. Soweit die Theorie.
In einer Durchsage über Bordlautsprecher gab der Kreuzfahrtdirektor eine Warnung der Hafenbehörde weiter. Es wurde dringend davor gewarnt, außerhalb des Hafens zu laufen, dies sei zu unsicher. In der Tat, als wir die Nase zum Hafenausgang herausstreckten, führte die Straße durch ödes unübersichtliches Gelände. Da ist Laufen in der prallen Sonne schon ohne Gefährdungspotential nicht gerade verlockend.
Kurzerhand bestellten wir über die Uber-App einen Wagen, der nach wenigen Minuten ankam und uns für umgerechnet 3 Euro zur Metrostation brachte.
Uber ist in Brasilien weit verbreitet und sehr kostengünstig.
An der Metrostation fuhr uns gerade ein Zug vor der Nase weg und der nächste sollte erst in einer Dreiviertelstunde kommen. Aber Google wusste Rat. Gleich gegenüber befand sich eine Busstation und
... der Bus 77 brachte uns ohne weiteres Umsteigen zum gewünschten Ziel, ...
... wo wir gegen halb zwölf ankamen.
Wir hatten erwartet, dass dort schon hektische Vorbereitungen getroffen werden, ...
... aber der große Platz mit der Bühne war menschenleer.
Auch weit und breit keine Zuschauer, die sich schon mal positionierten. Mehr oder weniger nur wir beide, einige Betreiber von den Getränke- und Essensstände und der Mann zum Kassieren der Gebühr (1 Real = 0,16 €) für die 25 bereitstehenden Dixi-Klos, bevölkerten das Areal.
Wir konnten uns nicht vorstellen, dass innerhalb der nächsten Stunde hier irgendetwas Großartiges stattfinden sollte. Hatte unsere KI bezüglich der Uhrzeit halluziniert?
Als wir auf einer Bank sitzend anfingen, ein Alternativprogramm zu basteln, kamen er die Straße entlang, ...
... der Bloco Unidos da Cachorra.
Waren es 100 oder 200 Menschen, die allesamt bewaffnet mit Perkussionsinstrumenten wie große und kleine Trommeln, Pauken, Rasseln, Schlaghölzern etc. lautstark die aus einem Lautsprecherwagen kommende Musik begleiteten?
Links und rechts, davor und dahinter zogen die Zuschauer mit.
Textsicher, wie ansonsten nur Kölner Jecken, sangen Zuschauer und Bloco-Leute inbrünstig zur Musik mit.
Das ganze Szenario kann ganz einfach komplett mit 2 Worten beschrieben werden: Lebensfreude pur.!
Eine hübsche junge Dame in einem goldenen Kostüm sprach uns in perfekten Englisch an, aus welchen Land wir kommen würden.
Wahrscheinlich waren wir die einzigen Europäer in dem Getümmel und somit mit unserem touristischen Outfit genauso auffällig, wie die die fantasievoll kostümierten Menschen hier. Die Dame erklärte uns ein wenig über den Carneval und über den Bloco selbst.
Später auf dem Schiff bekamen wir heraus, was auf der Schärpe der Dame gestanden hat und was es bedeutet: RAINHA KXR 2026..
RAINHA bedeutet Königin auf Portugiesisch. KXR ist die Abkürzung für Cachorra, dem Namen des Bloco.
Die Dame war also die offizielle Karnevalskönigin des Blocks "Unidos da Cachorra" für das Jahr 2026. „Sie ist eine zentrale Figur des Umzugs und führt die Gruppe mit ihrem Tanz und ihrer Energie an“, wie uns das Internet lehrte. Ihr Name ist Rayane Ferreira.
Nachdem der Bloco fast eine Stunde auf der Straße für Stimmung gesorgt hatte zog er auf den großen Platz, der anfangs ja noch ganz leer war.
Ein Teil Bloco-Gruppe bevölkerte die nun Bühne und heizte von dort weiter die Stimmung an.
Ein junger Mann versuchte, mir einige Tanzschritte beizubringen, allerdings vergebens.
Er konnte ja auch nicht wissen, dass ich schon in jungen Jahren zwei Tanzlehrer verschlissen hatte, die erfolglos versucht hatten, mir die Standardtänze beizubringen.
Das Programm mit weiteren Bocas sollte noch bis in die späten Abendstunden gehen, aber wir zogen es vor trotz der Stimmung das Schiff nicht zu verpassen.
Per Bus fuhren wir noch rasch zur Strandpromenade von Fortaleza und tranken dort eine Zitronenlimo
Via Uber ließen wir uns zurück zum Hafen bringen.
Auf der ARTANIA wurde vom Frühstück über die Kaffeestunde bis zum Abendessem der Valentinstag zelebriert, sowohl dekorativ als auch kulinarisch.
40. Reisetag – Sonntag, 15.02.2026 - Seetag
Der unbestrittene Höhepunkt des Tages war der ARTANIA-Fastnachtsumzug auf dem Promenaden Deck.
Wie in jedem Jahr wurde er angeführt vom Kapitän und dem Kreuzfahrtdirektor.
Es folgten verschiede Departments, die sich auch diesmal wieder etwas Originelles hatten einfallen lassen.
Gegenüber den letzten Jahren waren auch viele Passigiere kostümiert oder trugen zumindest karnevalistische Accessoires.
Elisabeth, eine waschechte Kölnerin, Dauergast auf den ARTANIA-Winterreisen, demonstriert, wie man aus wenigen Utensilien eine echte kölsche Jeck machen kann.
Der Zug ging 2x rund ums Deck und endete an der Phoenix-Bar, wo der Frohsinn beinahe überschwappte.
Auf Grund der vielen Menschen dort, war es uns nicht vergönnt zu einem der Kellner vorzudringen, die fleißig Kreppel (Berliner) verteilten.
Da aber zur Kaffeestunde auf dem Kuchenbuffet dieses äußerst beliebte Gebäck wieder bergeweise zur Verfügung stand, konnte das Versäumte nachgeholt werden. Die Fastenzeit beginnt schließlich erst in drei Tagen.
41. Reisetag – Montag (Rosenmontag), 16.02.2026 – Recife/Brasilien
Recife (1,5 Millionen Einwohner) ist, wer hätte das gedacht, eine Carnevalshochburg.
Ausgestattet mit dem Wissen, dass das bunte Treiben schon gegen 10:00 Uhr morgens seinen Lauf nehmen würde, machten wir uns zu den bekannten Hotspots aus, die gut zu Fuß in einer Viertelstunde erreichbar waren.
Außer jede Menge Straßenreinigungstrupps, die mühsam das Konfetti vom Vortag zusammenfegten,...
.. war nirgends vom Carneval eine Spur.
Also trotteten wir zurück zum Schiff und machten nachmittags um halb fünf einen neuen Anlauf.
Jetzt waren anscheinend die 1,5 Millionen Einwohner von Recife und nochmal so viele aus dem Umland in der Altstadt unterwegs, um zu feiern.
Irgendwann wurdenwir von der Menge aufgesogen und durch die Straßen mitgeschleift, ...
... vorbei an unzähligen Ess- und Getränkeständen.
Als es Zeit wurde zum Schiff zurückzukehren, ...
... kämpften wir uns aus der Menge heraus, ...
... um in ruhigeren Gefilden den Rückzug antreten zu können.
Dies ist eine Bluetooth-Fernbedienung fürs Handy. Man steckt sich das Ding an den Zeigefinger der linken Hand und kann mit dem Daumen die Handy-Kamera auslösen. Das ist gerade in der Menge unbezahlbar. Man kann das Smartphone am gestreckten rechten Arm über die Köpfe der Menge halten und mit dem Daumen der linken Hand bequem den Auslöseknopf der Fernbedienung drücken. Auch Selfies können wir jetzt ohne Verrenkungen machen.
Um 20:00 Uhr legte die ARTANIA ab.
42. Reisetag – Dienstag (Faschingsdienstag), 17.02.2026 – Maceió/Brasilien
Nein, heute stand nichts Karnevalistisches auf unserem Programm, sondern nur ein schnöder Strandbesuch.
Mit Uber ließen wir uns an den bekannten ca. 5 Kilometer vom Hafen entfernten Stadtstrand Ponta Verde, genauer zur Strandbar Lopana, fahren.
Die Strandbar wurde uns von einer KI empfohlen, weil man dort Sonnenschirme ausleihen kann und Duschen und WC vorhanden sind.
Für 120 Real (20 €) bekamen wir dort zwei Stühle, ein Tischchen und einen Sonnenschirm am Strand.
Der Stadtstrand zieht sich über mehrere Kilometer parallel zu einer Hauptverkehrsstraße und ist überaus bevölkert.
Die unzähligen Strandverkäufer, die Getränke, Süßwaren, Eis, Strandspielzeug, Schmuck, Klamotten und sogar elektronische Kleingeräte feilbieten, sind eher zurückhaltend. Da haben wir schon aufdringlichere Verkäufer erlebt.
Aufgefallen sind uns die vielen Dosensammler, die mit riesigen Säcken am Strand hin und her zogen. In Brasilien gibt es zwar kein Pfandsystem wie in Deutschland, aber anscheinend können sich diese Menschen dennoch mit dem Schrottwert der Dosen ein paar Real (R$) verdienen.
In unserem Strandgepäck befand sich auch unsere Schnorchelausrüstung, obwohl hier bei Ebbe zu schnorcheln wenig sinnvoll erscheint. Aber es ging uns auch nur darum, die Masken und die Schnorchel, die wir vor der Reise gekauft hatten, mal auszuprobieren. Die Sachen wurden für gut befunden und einem Schnorchelausflug, irgendwann mal, steht jetzt nichts mehr im Wege.
So gesehen, war unser Strandtag erfolgreich, auch wenn wir hier keinen 2-wöchigen Badeurlaub machen würden.
43. Reisetag – Mittwoch (Aschermittwoch), 18.02.2026 – Salvador da Bahia/Brasilien
Mit fast 3 Millionen Bewohnern ist Salvador da Bahia die nächste brasilianische Metropole auf unserer Route.
Um 14:00 Uhr machte die Artania an der Pier ganz in der Nähe der Altstadt fest.
Am Hafenterminal wurden die Passagiere der ARTANIA von einer Dame in der für Bahia typischen Tracht begrüßt.
Der musikalische Empfang war nicht ohne. Die Band hatte einen Sound wie weiland Santana in den Zeiten von Woodstock. Ich war beeindruckt.
Mit Rosemarie, die wir schon im vorletzten Jahr auf der ARTANIA kennengelernt hatten, machten wir uns auf, der stark touristisch geprägten Oberstadt einen Besuch abzustatten. Die Oberstadt liegt etwa 80 Meter über dem Meer, aber es gibt 2 bequeme Möglichkeiten, die Höhenmeter zu bewältigen. Nach einem kurzen Spaziergang vom Hafen in westlicher Richtung gelangt man zum Elevador Lacerda, einem Aufzug, mit dem man in die Oberstadt hochfahren kann. Oder man bewegt sich vom Hafen in östlicher Richtung und kommt zur Talstation einer Standseilbahn, die zur besagten Oberstadt hochfährt.
Unser Konzept für heute: Mit dem Aufzug hoch und mit der Standseilbahn wieder runter.
Der Aufzug sollte eigentlich 1 Real (0,16 €) kosten, aber zumindest heute war das Fahrvergnügen gratis. Die lange Schlange konnte uns nicht abschrecken und allzu viel Geduld war auch gar nicht gefragt, denn sie baute sich relativ rasch ab.
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Auch in der Oberstadt etwas abseits der touristischen Hotspots fanden wir ehemals prächtige Gebäude in einem erbarmungswürdigen Zustand.
Nachdem wir in der Oberstadt ein wenig rumgestromert waren, begegneten wir plötzlich einem regen Karnevalstreiben.
Wie? Es ist doch Aschermittwoch!
Ja, aber hier in Salvador feiert man gerne ein wenig nach und so zogen dem Aschermittwoch zum Trotz noch einige Blocos durch die Straßen.
Ein "was auch immer" (Guru, Voodoo-Priester, Touristennepper?), segnete segnungswillige Leute. Auch unsere Rosemarie ließ sich mit dem Pflanzenbüschel abwedeln. Klar, dass diese sakrale Handlung nicht kostenlos war (1 US-$). Das heute in den Kirchen gespendete Aschenkreuz wäre umsonst gewesen.
Unser Plan, mit der Standseilbahn wieder runterzufahren, scheiterte, da sie heute außer Betrieb war.
Die Frage „Aufzug oder Laufen?“ wurde zugunsten des Aufzugs beantwortet.
Die ARTANIA blieb über Nacht in Salbador liegen, eine letzte Auswirkung der Routenänderungen durch den Ausfall von Guyana und Belem.
44. Reisetag – Donnerstag, 19.02.2026 – Salvador da Bahia/Brasilien
Mit dem Tag 2 in Salvador waren wir wieder voll im ursprünglichen Routenplan.
Für heute hatte wir uns so gut wie nichts vorgenommen.
Lediglich ein paar kleine Einkäufe waren erforderlich, nämlich Sonnenschutz (Faktor 50) und eine Handyschale für mich. Meine derzeitige Handyschale ist magnetisch, was allerdings beim Betreiben einer Kompass-App kontraproduktiv ist. Und manchmal ist es schon wichtig, sich beim Orientieren auf die korrekte Himmelsrichtung verlassen zu können.
Diese Telefonzelle (außer Betrieb) wurde nicht von der Phoenix Reisen GmbH in Bonn aufgestellt, auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht.
Hier im Vergleich dazu das echte Phoenix Logo.
Bei diesem Einkaufsbummel kamen wir auch an der Standseilbahn vorbei, d. h. wir kamen nicht vorbei, sondern fuhren spaßeshalber hoch, genossen oben kurz den Ausblick und fuhren gleich wieder runter.
Auch hier brauchte der eigentliche Fahrpreis von 0,15 Real (0,02 €) nicht entrichtet werden. Wahrscheinlich ist irgendwer dahintergekommen, dass es weniger Kosten verursacht, keine Tickets zu diesem Preis zu verkaufen, statt ein Kassenhäuschen mit einem Kassierer zu betreiben.
Fast wäre der Tag völlig unspannend verlaufen, wenn nicht am Hafenterminal die Sicherheitskontrolle für ein wenig Abwechslung gesorgt hätte.
Wie üblich legte ich meinen Rucksack, den Brustbeutel, in dem mein Handy steckt und meine Uhr in eine Schale, die dann auf einem Band im Röntgenapparat verschwindet. Hinter meinen Landgangsutensilien folgte die Schale mit den Sachen von Doris. Auf der anderen Seite des Röntgenapparats kamen die Sachen dann wieder zum Vorschein. Während ich unbehelligt meine Sachen an mich nehmen und die Uhr wieder ums Handgelenk machen, Brustbeutel wieder umhängen und Rucksack umschnallen konnte, musste Doris ihren Rucksack völlig auf Links machen und vollständig ausleeren. Zwischendurch fiel das Wort „Knife“ (Messer). Doris‘ mittlerweile leerer Rucksack wurde eingehend untersucht – ohne Befund. Da ich neben Doris stand und ihr mehr oder weniger tröstliche Worte zukommen ließ, setzte sich bei den Security-Leuten die Erkenntnis durch, dass sie vielleicht gerade den falschen Rucksack gefilzt hatten. Ich hingegen war gerade am überlegen, ob ich ihnen nicht mein Schweizer Taschenmesser zeigen sollte, dass sich neben dem Handy im Brustbeutel befand, als ich aufgefordert wurde, meinen Rucksack noch einmal durch die Messer-Finde-Maschine durchleuchten zu lassen. Die sie keinerlei Interesse an meinem Brustbeutel zeigten, beschloss ich meinen Mund zu halten. Da auch mein Rucksack messerfrei war, ließ man uns mehr oder weniger ratlos von dannen ziehen.
Interessant, dass es gestern bei der gleichen Kontrolle und besagtem Taschenmesser keine Beanstandung gegeben hat.
Auch in allen anderen Häfen machte mein schönes Schweizer Offiziersmesser keinerlei Probleme. Im Gegensatz bei den Kontrollen an den Flughäfen, sind in den Häfen Taschenmesser und auch Flüssigkeiten, egal ob Wasser, Schnaps oder Flüssigsprengstoff kein Problem.
Nur einmal vor einigen Jahren in Auckland wurde mein Messerchen konfisziert und vor der Abfahrt einem Sicherheitsoffizier der ARTANIA übergeben, der es mir dann wieder ausgehändigt hat.
Solch eine Prozedur oder zumindest eine lästige Diskussion habe ich mir durch mein taktisches Mundhalten erspart.
Um 18:00 Uhr legte die ARTANIA ab.
45. Reisetag – Freitag, 20.02.2026 – Ilhéus/Brasilien
Sehenswert in Ilhéus ist das historische Stadtzentrum und die 30 Meter hohe Christus Statue. Wissenswert ist, dass in Ilhéus ca. 200.00 Bewohner beheimatet sind und der Ort als Zentrum des Kakaoanbaus bekannt ist.
Der Weg zur Statue ist recht lang und wir hatten ihn bereits im letzten Jahr tapfer bewältigt, so das wir diesen Punkt guten Gewissens von der To-Do-Liste streichen konnten.
Die diesjährige Reise mit der ARTANIA deckt sich in vielen Zielen zwischen Brasilien und Chile mit der Reise im letzten Jahr.
Somit begnügten wir uns mit einem kleinen Stadtrundgang im historischen Stadtzentrum.
Die Entdeckung des Tages war dieser Buchladen.
Hier gibt es bestimmt jedwedes gewünschte Taschenbuch. Nur wie der Buchhändler es dann findet bzw. ausgräbt, blieb uns leider verschlossen.
46. Reisetag – Samstag, 21.02.2026 – Seetag
Der letzte Seetag vor dem Ende eines Reiseabschnitts ist immer ein Besonderer. Und so war es auch heute wieder.
Ein Höhepunkt jagte den Nächsten.
Vormittags um 11:00 Uhr fand der allseits beliebte Stadl-Frühschoppen in der Kopernikus Bar mit Freibier und bayerischen Schmankerln statt.
Wir nutzten diesen Event immer ganz gern als vorgezogenes Mittagessen, denn Weißwurst, Leberkäse und gebratenes Bauchfleisch schmeckten gut. Leider ist es dem Küchenteam bei den letzten Stadl-Frühschoppen nicht gelungen, die besagten Schmankerln vernünftig warm zu halten. Und eine Weißwurst die noch weniger als lauwarm temperiert ist, schmeckt eben nicht mehr so besonders, auch wenn die Außentemperatur 30° beträgt. Deshalb verzichteten wir heuer darauf, den Frühschoppen mitzufeiern.
Am Nachmittag lockte das „Wiener Kaffeehaus“ mit Sachertorte, Topfen- und Apfelstrudel sowie Kaiserschmarrn.
Für 17:45 konnten wir dem Tagesprogramm folgendes entnehmen:“ Ihr Kapitän Alex Zinkovskyi, Ihr Kreuzfahrtdirektor Klaus Gruschka sowie das Artania Team laden Sie zum Abschieds-Cocktail dieser Reise ein! „
Danach, ab 18:00 Uhr, öffneten die Restaurants für das Gala Dinner.
47. Reisetag – Sonntag, 22.02.2026 – Búzios/Brasilien
Búzios ist eigentlich nur ein Fischerdorf, erlangte aber eine gewisse Berühmtheit, weil hier 1964 Brigitte Bardot für 5 Monate gewohnt hat. Búzios wurde ein mondäner Badeort und ist ein beliebtes Ferienziel für die Brasilianer und am Wochenende beliebtes Ausflugsziel, auch für die Bewohner des ca. 180 Kilometer entfernten Rio de Janeiro.
Gegen 11:00 Uhr hat die ARTANIA den Anker geworfen. Neben unserer ARTANIA ankert ein dickes MSC-Schiff, die Seaview.
Außerdem ist Sonntag, diese Konstellation (mondän, dickes MSC-Schiff und Wochenende) lässt nicht auf einen ruhigen Spaziergang an der Strandpromenade hoffen.
Deshalb ließen wir erst einmal alle die von Bord tendern, die es eilig hatten und gingen erst am Nachmittag an Land.
Es gehört zum Pflichtprogramm, Brigitte Bardot einen Besuch abzustatten.
Hier konnten wir wunderschön beobachten, wie sich Menschen in den seltsamsten Posen zusammen mit der Bronzefigur fotografieren ließen oder Selfies machten.

Die Bronzeskulptur „Drei Fischer“ (Os Três Pescadores)
spiegelt die Geschichte des einstigen Fischerdorfes wider.
Nach einem guten Stück des Weges entlang der belebten Uferpromenade kamen wir an einen weiteren Anleger, wo die Tenderboote der MSC Seaview (5.000 Passagiere), die hier ebenfalls auf Reede lag, festmachten.
Die Tenderboote waren um einiges größer als die der ARTANIA. Bemerkenswert und auffällig ist deren offenes Oberdeck.
So eine Ausführung eines Tenderbootes hatten wir bisher noch nicht gesehen.
Nach einem 2-stündigen Landgang tenderten wir zurück zur ARTANIA.
Der Herr, der sich während der Fahrt auf die Sitzbank gestellt hatte, hat sicherlich den Hinweis im Tagesprogramm nicht gelesen.
<Ironie an> Denn wenn er den Hinweis gelesen hätte, hätte er nie und nimmer diese akrobatische Einlage unternommen. </Ironie aus>
Leider schreitet die Tendercrew in solchen Fällen nicht ein. Entweder traut sie sich nicht, Passagiere zurechtzuweisen, aber höchstwahrscheinlich ist sie durch die Schiffsleitung auch gar nicht explizit angewiesen, hier konsequent einzuschreiten.
Natürlich könnte es mir relativ egal sein, wenn der uneinsichtige Herr bei der nächsten unerwarteten Schiffsbewegung „abstürzt“ und sich die Knochen bricht. Aber möglicherweise fällt er eher nicht sehr hart, weil er auf einem oder mehreren Sitznachbarn landet, die sich dadurch verletzen können, was diesem Herren wiederum egal zu sein scheint. Dieses ignorante Verhalten ist bedauerlicherweise nicht die Ausnahme, sondern ist bei den Tenderfahrten eher die Regel.
Um 19:00 Uhr lichtete die ARTANIA den Anker und nahm Kurs auf Rio de Janeiro.
48. Reisetag – Montag, 23.02.2026 – Rio de Janeiro/Brasilien (1/3)
Als wir am Morgen gegen 8:00 Uhr an der Pier in Rio de Janeiro festmachten, war der Himmel stark bewölkt und es war dunstig.
Das waren ganz schlechte Voraussetzungen für das Standard-Besichtigungsprogramm (a) Christusstatue, (b) Zuckerhut und (c) Copacabana, weil zumindest bei (a) und (b) klare Sicht von Vorteil ist.
Da wir diese Highlights bei vorherigen Besuchen in Rio bereits abgeklappert hatten, konnten wir das trübe Wetter gelassener sehen als die Gäste, die die entsprechenden Ausflüge gebucht hatten.
Wir wollten stattdessen mit der Fähre nach Niterói fahren. Hier stehen einige Gebäude, die der brasilianische Star-Architekt Oscar Niemeyer entworfen hat und die im Reiseführer wie folgt kurz skizziert werden:
- Teatro Popular Oscar Niemeyer: Ein wellenförmiges Theater mit einer gelben Fassade und Keramikbildern von Niemeyer.
- Memorial Roberto Silveira: Ein kuppelförmiges Gebäude, das ein Dokumentationszentrum beherbergt.
- Fundação Oscar Niemeyer: Ein beeindruckendes Bauwerk, das fast wie ein Schneckenhaus geformt ist.
Bereits bei unserem letztjährigen Aufenthalt hier in Rio hatten wir von unserer damaligen Führerin vernommen, dass für Senioren alle öffentlichen Verkehrsmittel kostenlos genutzt werden könnten, auch von ausländischen Touristen. Aber so ganz sicher war sie sich nicht.
Wir hatten jetzt mal im Internet recherchiert und kamen wir zu dem Ergebnis, dass auch für Ausländer, die älter als 60 Jahre sind, die Nutzung des gesamten ÖPNV in Rio kostenlos ist.
Wobei sich das Fahren mit der Straßenbahn an einfachsten gestaltet.
Dort gibt es nämlich keine Drehkreuze, Sperren oder Ähnliches die es mittels Karte, Handy oder QR-Code zu überwinden gilt. In der Metro und in den Fährterminals wäre es so, dass es neben den Sperren einen speziellen Eingang gibt, der von einem Service-Mitarbeiter nach Vorzeigen des Originalreisepasses geöffnet wird.
Manchmal würde aber auch eine Kopie des Ausweises genügen, meinte das Internet.
Mal sehen, Probieren geht über Studieren.
Mit nur den Kopien unserer Reisepässe in der Tasche starteten wir unser Unternehmen. Die Original-Pässe ließen wir lieber bei der Rezeption auf dem Schiff. Denn wenn die unterwegs wegkämen, hätten wir für den Rest der Reise wohl echte Probleme, denn ohne Pass ist man kein Mensch mehr.
Mit den Straßenbahnen der Linie 1 und der Linie 4 fuhren wir mit ein mal Umsteigen zur Station Praca XV. Dort befindet sich das Fährterminal.
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Die beiden linken elektrischen Schranken werden, falls erforderlich, von einem Mitarbeiter geöffnet.
Am Eingang zeigten wir die Kopien vor und ohne Probleme wurde eine Schranke für uns geöffnet.
Wir bestiegen die Fähre, die uns in 20 Minuten nach Niterói brachte.
Vom Fährterminal in Niterói waren es nur wenige Gehminuten bis zu dem Gelände mit den Niemeyer-Bauten.
Als wir auf das erste Niemeyer-Gebäude zusteuerten, sprach uns eine junge Dame an, die sich als Mitarbeiterin der örtlichen Touristeninformation vorstellte.
Sie würde uns begleiten, einmal zu unserer Sicherheit und zum anderen, um mit entsprechenden Erklärungen uns das hiesige Niemeyer-Ensemble näher zu bringen. Die Führung sei selbstverständlich kostenlos.
So erfuhren wir, dass Niterói eine eigenständige Stadt ist und kein Stadtteil von Rio.
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Das Fundação Oscar Niemeyer. Die Stiftung sammelt und erforscht Archivmaterial, Zeichnungen, Modelle und Dokumente zu Oscar Niemeyers Leben und Schaffen.
Wir bekamen auch folgende interessante Information:
Im dritten Niemeyer-Gebäude auf diesem Areal, das Memorial Roberto Silveira sollte eigentlich eine Dauerausstellung über Roberto Silveira, einer zentralen Figur der politischen Geschichte Niteróis, beheimatet sein. Aber wegen Schimmelbildung im Gebäude mussten alle Exponate und Dokumente ausgelagert werden.
Das Gebäude hat keine Fenster, eine zu schwache Klimaanlage, und schlechte Isolierung, sodass es im Inneren des Gebäudes stetig feuchtwarm ist, wodurch der Schimmelbefall vorprogrammiert war. Ein klassisches Beispiel für den Gegensatz von Design und Funktionalität.
Wir hatten uns von der Niemeyer-Architektur mehr versprochen, denn so richtig angesprochen hat sie uns (Banausen?) nicht.
Wir verabschiedeten uns von unserer Führerin (mit einem kleinen Trinkgeld) und bummelten noch ein wenig durch Niterói ...
... ehe wir uns mit der Fähre wieder zurück nach Rio bringen ließen.
Die Ausflügler vom Zuckerhut und dem Corcovado, dem 710 Meter hohen Berg, wo die berühmte Christusstatue Cristo Redentor steht, hatten wirklich Pech. Es hat den ganzen Tag nicht aufgeklart und so blieb ihnen der versprochene Ausblick auf Rio versagt.
Morgen beginnt eine neue Etappe, somit war es heute für viele der letzte Reisetag. Denen nutzte es aber nichts, dass die ARTANIA noch morgen und übermorgen hier liegen wird und sich Wetter und Sicht eventuell verbessern.
49. Reisetag – Dienstag, 24.02.2026 – Rio de Janeiro/Brasilien (2/3)
„Kurs Feuerland, Kap Hoorn & Chiles Fjorde“ lautet der Titel des neuen, dritten Reiseabschnitts, der heute begann. Mit dem Abschnittswechsel wechselte auch der Kreuzfahrtdirektor und der Kapititän. Klaus Gruschka wurde von Moritz Stedtfeld abgelöst und der eher zurückhaltende Kapitän Alex Zinkovskyi übergab das Ruder an den lebhaften und volksnahen Kapitän Morton Hansen.
Es sollten im Laufe des Tages und des Abends ca. 200 Passagiere mehr kommen, als heute abreisen. Damit wird die ARTANIA mit 1000 Gästen rappelvoll.
Unser heutiges Vorhaben: Besuch der Bibliothek Real Gabinete Português de Leitura, und anschließend ein Bummel durch den Stadtteil Santa Teresa.
Mit der Straßenbahn der Linie 1, die direkt vor unserem Hafenterminal abfuhr zur Station Sete Setembro und rasch zu Fuß zur Bibliothek. Das mit dem „rasch“ hat nicht funktioniert, weil wir immer wieder abgelenkt wurden und so vom rechten Weg abgekommen sind. So hatte sich in einer kleinen Straße vor einem Gebäude mit heruntergelassenen Rollos eine Menschenschlange gebildet, was selbstredend unsere Neugier geweckt hat.
Auf einem unscheinbaren Leuchtschild lasen wir „Confeiteria Colombo“ ...
... und fütterten mit diesen Worten und dem Namen der Straße (Rua Gonçalves) ChatGPT und lernten: Das Confeitaria Colombo ist eine der berühmtesten und traditionsreichsten Konditoreien Brasiliens – ein echtes Wahrzeichen von Rio de Janeiro im Belle Époque Stil.
Um 11:00 Uhr wurden die Rollos hochgezogen ...
... und so konnten wir uns diese ikonische Lokation von außen ansehen und fotografieren.
Die nächste Ablenkung waren diverse Elektronikläden. Doris brauchte eine neue Smartwatch, weil ihre alte den Geist bzw. den Akku aufgegeben hatte. Für umgerechnet 25 € wurden wir fündig.
Der nächte „Zeiträuber“ war die Kirche Igreja de São Francisco de Paula und so war der Vormittag bereits rum, als wir die endlich die Bibliothek Real Gabinete Português de Leitura (Königlich portugiesisches Kabinett der Literatur) betraten. Das Internet wusste dazu folgendes zu sagen: „Diese Bibliothek im Zentrum sieht aus, als stamme sie direkt aus einem Harry-Potter-Film. Sie gilt als eine der schönsten Bibliotheken der Welt.“
Der Lesesaal konnte kostenlos besichtigt werden.
Den Ratschlag, dort bis spätestens 10:00 Uhr hinzukommen, ehe der Massenansturm erfolgt, hatten wir aus den bereits erläuterten Gründen nicht befolgen können.
Der Lesesaal war zwar gut besucht, aber man konnte sich trotzdem in Ruhe umschauen. Und das Internet hatte nicht gelogen, der Eindruck war überwältigend.
Jetzt war es für Santa Teresa schon ein wenig spät, also musste auf die Schnelle ein Plan B aus dem Ärmel geschüttelt werden. Der sah vor, zunächst das Theatro Municipal (Stadttheater) zu besichtigen.
Die Besichtigung war aber leider nur von außen möglich, obwohl das Internet etwas anderes suggeriert hatte.
Somit war dieser Tagesordnungspunkt schneller als gedacht abgearbeitet,
Ein Geocache lockte uns noch zum Kloster Mosteiro de São Bento mit seiner sehenswerten Klosterkirche, deren Interieur vollständig mit Blattgold verkleidet ist.
Damit ließen wir es für heute bewenden und Santa Teresa wurde auf morgen vertagt.
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Am Hafengelände: Das „Etnias“-Wandgemälde, eines der größten Graffiti der Welt (15 Meter hoch und 170 breit).
50. Reisetag – Mittwoch, 25.02.2026 – Rio de Janeiro/Brasilien (3/3)
Der Stadtteil Santa Teresa wird meist mit den folgenden Begriffen charakterisiert: Bohème-Viertel, koloniale Architektur, Künstlerflair, enge Gassen, historische Straßenbahn und spektakuläre Ausblicke über Rio.
Also mussten wir da hin.
Mit der (modernen) Straßenbahn und dann in einen öffentlichen Bus umsteigen – so sollte es funktionieren – zumindest theoretisch. Aber dorthin, wo uns Google-Maps nach dem Ausstieg aus der Straßenbahn hinführte, gab es weit und breit keine Bushaltestelle.
Wir gaben uns geschlagen und unseren ehrgeizigen Plan, in Rio Bus zu fahren auf. Stattdessen bestellten wir uns per UBER ein Fahrzeug, das uns zum Largo dos Guimarães brachte, einem bekannten Platz in Santa Teresa.
Hier tranken wir erst einmal gemütlich einen Kaffee.
Das Viertel mit seinen Gebäuden, den vielen Graffities an den Hauswänden, die Kneipen und Lokale, die Läden mit hübschem Kunsthandwerk - das alles zusammen sorgt für das besonderes Flair.
Besonders die historische Straßenbahn ist bei den Touristen äußerst beliebt.
Sie ist hier allgegenwärtig, einmal natürlich als die Straßenbahn selbst, ...
... auf Tassen, Magneten, Bildern und als große und kleine Modelle in den Souvenirläden, ....
... aber auch als Motiv in den zahlreichen Gemälden an Häuserwänden und Mauern.
In den Souvenirläden wird nicht nur der übliche Krempel angeboten, sondern auch hübches und ideenreiches Kunsthandwerk.
Es gab unzählige urige Kneipen und Restaurants, ...
.. sogar eines mit Schnitzel und Eisbein mit Sauerkraut auf der Speisekarte.
Seit 1953 bis heute baut VW in Brasilien Autos. Hier in Santa Teresa trafen wir auf zwei besonders schöne VW-Oldtimer.
Vom Largo dos Guimarães strebten wir zu Fuß dem nächsten Hotspot entgegen, der Parque das Ruínas. Die Ruine eines alten Palasts ist hier nur Beiwerk, denn der Blick auf Rio und den Zuckerhut ist das, was die Besucher anzieht, wie z. B. auch 3 Phoenix-Ausflugsbusse. Es gelang uns aber, die Reiseleiter zu überzeugen, dass sie uns nicht mit einzusammeln brauchten, als die „Besuchszeit“ auf der Aussichtsplattform für die Ausflügler abgelaufen war.
Unser letzter Punkt, ein mittlerweile ebenfalls absolutes Muss, ist die mit unzähligen bunten Fliesen verzierte Treppe Escadaria Selarón.
Von oben kommend wirkt die steile Treppe recht unscheinba.
Geht man aber ein paar Stufen hinunter und blickt zurück, sieht die Sache schon anders aus.
Je weiter wir nach unten kamen, um so mehr Menschen bevölkerten die Stufen.
Wir hatten diese Treppe 2015 bei unserem ersten Besuch von Rio schon einmal besichtigt. Damals war hier (fast) keine Menschenseele.
Was seitdem den Hype für dieses in der Tat faszinierende Gesamtkunstwerk ausgelöst hat, bleibt im Dunkeln.
Damals verzichteten wir, die Treppe von unten nach oben zu besteigen.
Aber jetzt, 11 Jahre später, konnten wir, dank Doris‘ geschickt gewählter Wegstrecke, die Treppe von oben nach unten hinuntergehen, was signifikant weniger anstrengend ist als umgekehrt.
Die Straßenbahnhaltestelle war nicht allzuweit von der Treppe entfernt und wir fuhren zurück zum Schiff, verschwitzt und groggy.
Da schmeckte das Fläschchen Bier, dass ich mir gleich nach Ankunft in der Kabine gönnte, doppelt gut.
Die für 17:15 Uhr angesetzte Rettungsübung musste um eine halbe Stunde verschoben werden, da einige Ausflugsbusse im Verkehr steckengeblieben waren und sich verspäteten.
Nach dem Ablegen in der Abenddämmerung konnten wir noch einmal einen letzten Blick auf den Zuckerhut werfen.
Jetzt hatten wir erst einmal zwei ruhige Seetage vor uns.
51. Reisetag – Donnerstag, 26.02.2026 – Seetag
Nach vollen 3 Tagen Rio hießen wir die beiden nun folgenden Seetage willkommen. Das Bordprogramm war für die Gäste wieder vollgepackt mit Bespaßungen aller Art.
Der Tag heute stand ganz im Zeichen der Begrüßungsgala unter anderem mit der Möglichkeit sich mit dem Kapitän und dem Kreuzfahrtdirektor fotografieren zu lassen.
Der übliche Nachmittagskaffee wurde um das Pink-Waffles Angebot ergänzt.
Nachdem es mir die letzten 3 Tage gelungen war, mein Taschenmesser durch die Gepäckkontrolle im Hafen von Rio zu schleusen, ist es nun spurlos verschwunden, obwohl es ganz sicher noch auf dem Schiff sein muss.
Gestern nach dem Landgang hatte ich es in der Kabine, denn ich hatte damit den Kronkorken von der Bierflasche entfernt. Seitdem habe ich das Schiff nicht mehr verlassen. Also musste ich es irgendwo auf der ARTANIA verloren haben, vielleicht während der Rettungsübung in der ARTANIA-Show-Lounge oder im Lido Restaurant oder irgendwo in den Gängen. Im Normalfall werden Fundsachen an der Rezeption abgegeben, wo diese in einer Plastikkiste aufbewahrt werden. In der Kiste lagen einige nützliche Dinge, aber leider nicht das Messer.
Wenn es sich nicht selbstständig über Bord gestürzt hat, müsste es jemand gefunden haben. Vielleicht hat es sich mittlerweile mit dem Atlas angefreundet, der seit über 2 Wochen aus der Bibliothek ebenfalls endgültig verschwunden ist.
52. Reisetag – Freitag, 27.02.2026 – Seetag
War es gestern in der Bibliothek zum wiederholten Male ungemütlich kalt, so wurde das heute nochmal um einige Celsius-Grade getoppt.
Benjamin von der Gold- und Silberberatung, der in der Bibliothek die Fragen, Anregungen, Reklamationen, aber auch Lob entgegennimmt, rief einen Klimatechniker an und beschrieb die Situation wie folgt: Noch ein paar Grad weniger und Eiscreme würde nicht mehr schmelzen.
Trotz dieser bildhaften Schilderung blieb es weiterhin kalt.
Wir hatten den Kreuzfahrtdirektor auf das Thema angesprochen, aber er konnte keine Abhilfe garantieren. Beim letzten Werftaufenthalt sei die Klimaanlage umgebaut worden. Nun können im Schiff nicht mehr einzelne Räume separat klimatisiert werden. Es wird aber seit geraumer Zeit versucht, gewisse Einstell-Parameter zu variieren, um die Situation zu verbessern.
Der Klimatechniker hatte anscheinend daraufhin einen Regler in die falsche Richtung gedreht, denn am Abend wurde Harry’s Bar zum Eiskeller.
Im Restaurant Vier-Jahreszeiten hingegen waren am Nachmittig bei der Motto-Kaffeestunde die Temperaturen OK
Vielleicht ist das Klimaproblem gar nicht befriedigend lösbar. Stellt man die erwähnten ominösen Parameter so ein, dass in einem Teil des Schiffs die Temperatur in Ordnung ist, werden andere Bereiche zu warm oder zu kalt.
Jetzt hoffe ich sehr, dass meine Theorie zur Schiffs-Klimaanlage falsch ist.
53. Reisetag – Samstag, 28.02.2026 – Punta del Esta/Uruguay
Punta del Este ist ein beliebter Urlaubsort in Uruguay. In der Hauptsaison übertreffen die Urlauber zahlenmäßig die Einwohner (20.000). Jährlich besuchen ca. 600.000 bis 700.000 Touristen die Stadt, vor allem in der südamerikanischen Sommer-Hauptsaison (Dezember bis März).
Diese Zahlen lassen vermuten, dass es sich hier um ein weniger attraktives Ziel handelt und dass dem so ist, hatten wir bereits im letzten Jahr feststellen können.
Die ARTANIA warf gegen 11:00 Uhr den Anker.
Der Tenderweg ist sehr lang (mehr als 20 Minuten), deshalb kamen neben unseren Tendern auch hiesige Boote zum Einsatz, die mit einer Kapazität für 180 Personen um einiges größer waren als die Rettungsboote der ARTANIA.
Da um 16:00 Uhr noch alle Landgänger an Land oder auch schon wieder zurück auf dem Schiff waren, waren Doris und ich die einzigen Passagiere auf dem 180-Mann-Tenderboot, die um diese Zeit noch in den Ort wollten.
Wir pilgerten zur „La Mano“, einer Skulptur am Strand und wieder zurück und damit war unser heutiges Landgangsprogramm auch schon wieder zu Ende.
Die Stadt selbst hat keinerlei Flair und die Fußgängerzone mit den Geschäften, Restaurants und Souvenierläden ist austauschbar.
Unser Weg zurück zur Tenderpier führte an der Strandpromenade entlang.
Dabei stellen wir fest, dass der gewöhnliche „Uru“ nur folgende Dinge braucht: Einen Klappstuhl, eine Thermoskanne mit heißem Wasser, einen Becher gefüllt mit Mate-Bättern und dem zugehörigen metallenen Trinkröhrchen.
Wir sahen sie überall am Strand und an der Promenade, Familien, Paare und Freundesgruppen, unterhielten sich und warteten auf den Sonnenuntergang.
Die Tenderfahrt um halb sieben zurück war nicht mehr ganz so exklusiv wie die Hinfahrt, das Boot war rappelvoll.
Um 20:00 wurde der Anker gelichtet und die ARTANIA nahm Kurs auf Montevideo, das genau wie Punta del Este im Mündungsgebiet des Rio de la Plata liegt, also nur einen Steinwurf weit entfernt (70 Seemeilen).
In Sachen Klima auf dem Schiff tut sich anscheinend etwas. Heute früh wurde ein mit einem Thermometer ausgestatteter Techniker gesichtet, der Temperaturmessungen vornahm.
54. Reisetag – Sonntag, 01.03.2026 – Montevideo/Uruguay
An diesem Sonntag in der Hauptstadt von Uruguay ließen wir es locker angehen.
Keine großen Pläne für den Landgang, sondern einfach nur durch die autofreien Straßen bummeln, irgendwo einen Kaffee trinken, ...
... schauen was es zu sehen gibt ...
... und weiter bis zum Plaza Independence pengeln.
Hier befindet sich das Mausoleum, wo José Gervasio Artigas (1764–1850), der als Nationalheld und "Vater der Nation" verehrt wird, bestattet ist. Das Mausoleum ist eine Gedenkstätte in einer großen Halle mit gedämpftem Licht. In die führen mehrere Treppenstufen hinunter. Als wir auf der Treppe der Halle zustrebten, öffnete sich plötzlich die Wand rechts von uns und heraus schritten zwei Wachsoldaten, ...
... um ihre beiden Kameraden, die in der Halle die Ehrenwache hielten, abzulösen.
Jetzt da wir wussten, dass sich die Wand auftuen kann, konnten wir in Ruhe beobachten und fotografieren, wie die beiden abgelösten Wachleute über dieses Sesam-Öffne-Dich entschwanden.
Im Gegensatz zu Punte del Este hat Montevideo echtes Flair und es war eine Freude, bei angenehmen Temperaturen durch die Straßen zu spazieren.
In der Fußgängerzone Sarandí stießen wir auf den Espacio de los Soles. (PLatz der Sonnen), einem Walk of Fame.
Hier wurden Berühmtheiten aus Uruguay verewigt, aber man findet auch international bedeutetende Namen, wie z. B. Nelson Mandela oder die Rolling Stones.
Neben Kunst und Kultur erfreuten uns die Auslagen in diesem Süßwarengeschäft.
Da wurden Kíndheitserinnerungen wach. Damals konnten wir diese Bonbons in der Bäckerei einzel kaufen (1 Pfennig/Stück) und bekam sie von der Verkäuferin in einem Spitztütchen mit Sternen drauf überreicht. Hier und heute kostete das Kilo umgerechnet 15 Euro, das waren seinerzeit 30 DM gewesen. Dafür hätte man 3000 Stück bekommen.
Direkt am Hafen befindet sich eine Markthalle, in der auch mehrere Restaurants untergebracht sind, wo auf offenen Holzfeuern Steaks gegrillt werden.
Hier ein Steak zu verspeisen ist ein absolutes Muss, was sowohl die Reiseführer als auch Mitreisende anpriesen, die hier schon mal gespeist hatten. Nur soll es schwierig sein, zur Mittagszeit einen Platz zu bekommen.
Aber Victor Hugo, so stellte sich der „Platzanweiser“ eines der Restaurants vor, hatte noch einige Plätze in petto.
Außerdem präsentierte er uns, was der Grill an Fleisch alles zu bieten hat. Wir entschieden uns für ein Ribeye Steak.
Wir hätten sogar an der Theke Platz nehmen können, was noch landestypischer sein soll als an einem Tisch zu sitzen. Aber da sich er große mit Holzfeuer betriebene Grill direkt hinter dem Tresen befand und eine unglaubliche Hitze ausstrahlte, zogen wir einen schnöden Tisch vor.
Da die Steaks sehr groß sein sollten, rieten Internet und Reiseführer, zu zweit nur eins zu ordern, womit sie nicht ganz unrecht hatten, aber auch nicht ganz recht. Das Steak war mehr als hervorragend, groß (ca. 400 Gramm) zart und äußerst schmackhaft. Zwar waren wir danach eigentlich richtig satt, aber wir hätten auch durchaus noch ein wenig weiter essen können - mehr brauche ich wohl über die Qualität nicht zu sagen.
Zurück auf dem Schiff blieb noch allerhand zu tun bzw. zu beobachten, wie z. B. den Wechsel von Teilen der Crew.
Bei den Abreisenden wahr auch unser Lieblingskoch aus dem Lido und John, einer unserer Kellner dabei. John hatte uns erzählt, dass er eigentlich über Dubai nach Hause (Manila) fliegen sollte. Wegen des Iran-Kriegs wird er nun über Istanbul umgeroutet.
Danach mussten wir noch genauestens Ausfahrt der Celebrity EQUINOX (2.800 Passagiere) in Augenschein nehmen, die neben uns lag und aus dem engen Hafenbecken heraus bugsiert werden musste.
Eine Stunde später parkte dann auch die ARTANIA aus, was sich nun etwas einfacher gestaltete. Die Celebrity EQUINOX war ja schon weg und wir hatten so etwas mehr Platz zum Manövrieren.
55. Reisetag – Montag, 02.03.2026 – Buenos Aires/Argentinien
Auf unserem heutigen Programm in Buenos Aires stand ein Besuch des Stadtteils La Boca und dort speziell die Straße Caminito. Der Reiseführer versprach: “Caminito bekannt für seine farbenfrohen Wellblechhäuser, ist er ein Touristenmagnet mit Tango-Shows, Kunsthandwerk und Restaurants.“
Unser Ehrgeiz war mal wieder, mit öffentlichen Verkehrsmitteln dorthin zu kommen.
Aus dem letzten Jahr wussten wir noch, dass man zum Fahren mit den Öffis eine Prepaid-Karte braucht und wir hatten die Karten aufgehoben und jetzt wieder dabei. Nur hatten wir keine Ahnung mehr, wieviel Pesos auf den Karten noch drauf waren. Um das festzustellen und um die Karten aufzuladen ...
... mussten wir erst einmal zu Fuß zur gut 1 Kilometer entfernten Metro-Station Retiro tappen.
Dort gibt es Automaten, mit denen man die Prepaid-Karten auslesen und einen Schalter, wo wir gegen Bares die Karte aufmunitionieren lassen konnten.
Eine Kreditkarte nutzt dort gar nichts. An den Automaten kann man nur über eine spezielle argentinische App bezahlen.
Wie so oft, ließen wir uns vom vorgegebenen Weg abbringen. Auf halbem Weg ließen wir das große Busterminal nicht links liegen, da es:
- rechter Hand vor uns auftauchte,
- wir 2 Tage Zeit hatten,
- immer von Neugier geplagt sind.
Das Terminal ist durchaus mit einem internationalen Flughafen vergleichbar. Es gab 250 Schalter für fast genauso viele verschiedene Busunternehmen. Die nationalen Linien verbanden Buenos Aires mit allen großen Städten in Argentinien.
Aber es gab auch zahlreiche internationale Verbindungen nach Brasilien, Chile, Peru, Paraguay, Uruguay, Bolivien und Kolumbien.
Nach diesem gut einstündigen Intermezzo kamen wir an der Metro-Station Retiro an.
Zum Glück hatten wir auch noch 30.000 Pesos in Bar – das sind etwa 20 Euro – und ließen an dem Schalter auf jede Karte 5.000 Pesos (ca. 3€) buchen. Das sollte erst einmal für 6 – 7 Fahrten reichen.
Mit Googles Hilfe wussten wir, welchen Bus wir nehmen mussten. Etwas schwieriger war es, den passenden Bussteig zu finden, denn Bussteige rund um die Metro-Station gab es mehr als reichlich. Schließlich saßen wir im richtigen Bus, der auch in die richtige Richtung fuhr.
Aber weshalb wir dann aber absolut falsch ankamen, in einer Wilde-Watze-Gegend, wie ein Hesse es ausdrücken würde, haben wir nie klären können.
Im zweiten Anlauf (Wilde-Watze-Gegend nach La Boca) hat es dann aber geklappt, wir kamen tatsächlich in La Boca an und zwar genau an der Caminito.
Die bunten Häuser und die Wandgemälde waren wirklich hübsch anzusehen, ...
... aber das touristische Drumherum erinnerte eher an die Schinkenstraße auf Mallorca oder die Drosselgasse in Rüdesheim.
Aber eines haben wir in dem Trubel gelernt. Die vier wichtigsten Persönlichkeiten in Argentinien sind:
1. Maradonna
2. Messi
3. Der Papst Franziskus
4. Mafalda, die argentinische Comicfigur
Etwas abseits wurde es aber ruhiger und angenehmer.
Spontan beschlossen wir, noch mal Steak zu essen. Der Vergleich Argentinien zu Uruguay fiel aber zugunsten von Uruguay aus.
Die Rückfahrt zum Hafen mit dem Bus verlief ohne Probleme.
Mittlerweile hatten wir auch festgestellt, dass die Busfahrten einfach mit einer Kreditkarte bezahlt werden konnten. Man hält dann statt der Prepaidkarte beim Einsteigen seine Visa- oder Mastercard an das Lesegerät im Bus und der Fahrpreis wird von der Karte abgebucht.
Schon seit einigen Tagen wird auf der ARTANIA darauf geachtet, dass sich die Leute vor dem Betreten der Restaurants die Hände desinfizieren. Hierzu wurden extra Leute, bewaffnet mit einer Sprühflasche, abgestellt
Am Abend kam dann die Erklärung: An Bord geht „Magen-Darm“ um. Die Fallzahlen seien jetzt so hoch, dass verschärfte Maßnahmen getroffen werden müssen. Wie hoch, wurde allerdings nicht verraten. So darf sich an den Buffets nicht mehr selbst bedient werden, sondern man muss sich seinen Teller von Crew-Mitgliedern (in Latexhandschuhen) füllen lassen. Dadurch wird verhindert, dass Zangen und Schöpflöffel durch die vielen Hände der Passagiere gehen.
Das ist beim Frühstück und beim Mittag- und Abendessen im Lido äußerst umständlich.
Außerdem bleiben die Pools geschlossen.
Welches Bakterium oder welcher Virus das Ungemach verursacht, wird noch in einem Labor untersucht.
56. Reisetag – Dienstag, 03.03.2026 – Buenos Aires/Argentinien
Im Stadtteil Barracas gibt es die Straße Pasaje Lanin. Ein Künstler namens Marino Santa María wohnte dort.
Ende der 1990er Jahre begann er damit, die Fassade seines eigenen Hauses zu bemalen.
Danach baten ihn die Nachbarn, auch ihre Häuser zu gestalten.
So entstand Schritt für Schritt eine ganze Straße als Kunstprojekt.
Mit den öffentlichen Bussen kamen wir diesmal ohne Irrfahrt dort hin.
Das Sträßchen war bis auf Doris und mich absolut touristenfrei.
Nachdem wir die Straße einmal hoch und runter abgeschritten hatten, weckte eine Ameisenkolonne unsere Aufmerksamkeit.
Es handelte sich um Blattschneiderameisen, die fleißig Blätter im Rinnstein der Straße sammelten.
Die Karawane kletterte mit ihren Lasten an einem dicken Baum hoch und irgendwo ganz oben verloren wir sie schließlich aus den Augen.
Der Feind dieses Unternehmens war der Wind, ...
... denn die Blätter wirkten wie Segel, so dass manchmal einer der Träger vom vorgesehenen Weg weggeweht wurde.
Auf der Fahrt zur Pasaje Lanin kam der Bus am Plaza Constitucion vorbei.
Hier reihten sich rund um einen großen Bahnhof jede Menge kleine Geschäfte, was unser Interesse weckte.
Deshalb unterbrachen wir dort unsere Rückfahrt.
Als es zu regnen anfing und wir zufällig an einem Friseurladen vorbeikamen, ließ sich Doris dort einen Haarschnitt verpassen.
So waren zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, wir saßen im Trocknen und der Haarschnitt war sowieso fällig und der war dann auch noch äußerst preiswert.
Der Regen hatte mittlerweile auch wieder aufgehört und wir konnten unser nächstes Ziel ins Auge fassen, die Estuatua de Mafalda im Stadtteil San Telmo.
Die Comicfigur Mafalda ist in Südamerika, aber auch in Portugal und Spanien, äußert beliebt und populär, ähnlich wie die Peanuts aus den USA.
Unter der Statue der Mafalda hatten wir uns etwas Monumentartiges vorgestellt, vergleichbar mit einem Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf einem Sockel.
Dem war nun mal nicht so, aber wir reihten uns trotzdem in die kurze Reihe der Fotografen ein.
In einem nahegelegenen Café legten wir eine Pause ein. Es wäre allerdings klüger gewesen ein nicht so nahegelegenes Café aufzusuchen.
Für den Preis unserer zwei kleinen Tässchen Kaffee hätte sich Doris noch zweimal die Haare schneiden lassen können. Die Nähe zur Original-Mafalda hat halt ihren Preis.
Ein Bus brachte uns wieder fast bis zum Hafeneingang.
Per Durchsage über die Bordlautsprecher warb der Kreuzfahrtdirektor nochmal für die Einhaltung der Hygienemaßnahmen und sprach die Hoffnung aus, dass nach den beiden jetzt folgenden Seetagen der Spuk vorbei sein könnte.
Anschließend wiederholte der Kapitän das bereits Gesagte noch einmal mit seinen eigenen Worten.
Um 19:30 Uhr verließ die ARTANIA Buenos Aires.
Zu allem Überfluss überkam mich urplötzlich ein hartnäckiger trockener Reizhusten, der die ganze Nacht anhielt. Am nächsten Morgen hatte sich dieses Ungemach zu einer waschechten Erkältung gemausert, gepaart mit Appetit- und Antriebslosigkeit. Insbesondere der Hang, sich immer wieder mal hinzulegen war sehr hinderlich für die Weiterführung des Blogs.
Allerdings bin ich ein wenig stolz darauf, dass ich mich nicht dem Magen-Darm-Mainstream angeschlossen habe, sondern krankheitstechnisch meinen eigenen Weg gegangen bin.
57. Reisetag – Mittwoch, 04.03.2026 – Seetag
Die Kontrollen zwecks Hände-Desinfektion an den Eingängen der Restaurants waren konsequent und lückenlos.
Zum Mittagessen gab es heute im Lido-Restaurant genau das Richtige für Erkältungsgeplagte: Hühnersuppe mit Einlagen. Die Einlagen wären gewesen: Nudeln und Hühnerfleisch.
Auch am Suppentopf war Selbstbedienung nicht möglich, weshalb dort ein Aushilfskellner, ausgestattet mit der Suppenkelle, abgestellt wurde. Er füllte mir auch diensteifrig meine Suppenterrine, allerdings ohne den Topf vorher noch mal durchzurühren, sodass nicht eine einzige Nudel, geschweige denn eine Fleischeinlage den Weg vom Topf in die Terrine fand.
Beim Nachschlagholen deutete ich durch lebhafte Gesten an, die Suppe aufzuwirbeln (mir fehlten die englischen Fachbegriffe hierzu) und ich erhielt wunschgemäß eine kräftigende Suppe, die meinen Genesungsprozess unterstützten sollte.
58. Reisetag – Donnerstag, 05.03.2026 – Seetag
Der Tag fand erlebnistechnisch praktisch nicht statt und Doris fing jetzt auch an erkältungsmäßig zu schwächeln.
59. Reisetag – Freitag, 06.03.2026 – Puerto Madryn/Argentinien
Die Pier ist 600 Meter lang, das ist mir zur Zeit viel zu weit und ich verzichte freiwillig auf einen Landgang. Doris ließ es sich nicht nehmen, zumindest ein Stück die Pier entlangzuwandern, um einige Fotos von den Seelöwen zu machen, die es sich an der Pier bequem machten.
Die Möglichkeit, die Fotos vom letzten Jahr zu nehmen, verstößt selbstredend gegen unsere Blogger-Ehre.
Die Hoffnung, dass das Selbsbedienungsverbot heute aufgehoben würde, hatte sich zerschlagen, die Fallzahlen wären immer noch zu hoch. Das Labor hat den Erreger immer noch nicht identifiziert. Ein Ergebnis wird nicht vor Montag erwartet.
Wie hoch die Fallzahlen tatsächlich sind, wurde nicht kommuniziert.
Jetzt wurde nicht nur darauf geachtet, dass beim Betreten der Restaurants die Hände desinfiziert werden, sodern auch beim Verlassen.
60. Reisetag – Samstag, 07.03.2026 – Seetag
3 Tage war der Blogger krank
jetzt schreibt er wieder – Gott sei Dank
(Frei nach Wilhelm Busch)
Das Labor hatte eine Sonderschicht eingelegt und die Analyse der eingereichten Stuhlproben abgeschlossen.
Ergebnis: Worst Case – Der hochansteckende Noro-Virus.
Also muss man sich weiterhin an jeder einzelnen Buffetstation den Teller füllen lassen.
Das Aufkommen des Virus auf der ARTANIA könnte zur Folge haben, dass wir in Chile nicht einreisen dürfen, da die Bestimmungen hier sehr streng sind.
Der erste Landgang in Chile ist zwar erst für den 14.3.2026 vorgesehen, aber die Einklarierung, also die formelle Einreise selbst, soll bereits am 9.3.2026 in Puerto Williams erfolgen. Dort ist für die Formalitäten ein technischer Halt vorgesehen, damit die Behörden an Bord kommen können.
Schau’n wir mal!
61. Reisetag – Sonntag, 08.03.2026 – Seetag
Seit Tagen ist die Raumtemperatur in der Bibliothek und in Harry’s Bar angenehm. Wir sind begeistert. Geht doch! Bleibt die Frage, wieso es 7 Wochen gedauert hat, die Sache in den Griff zu bekommen. Zig Versuche, selbst durch Interventionsversuche von Phoenix-Leuten, sind wochenlang verpufft.
Das Küchenteam serviert in der Kopernikus-Bar „Im Ganzen gebratene Argentinische Rinderkeule“. Als wir viertel nach eins zum Mittagessen schreiten, ist die Keule schon arg abgenagt. 😊
Es ist Sonntag, es ist Weltfrauentag und Doris hat Geburtstag. Da passt es wie die Faust aufs Auge, dass es zur Feier des Tages zur Kaffeestunde Schwarzwälder Kirschtorte gab.
Die Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung des Norovirus werden weiterhin praktiziert
So notwendig die Maßnahmen auch sind, genau so lästig sind sie.
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62. Reisetag – Montag, 09.03.2026 – Ushuaia/Argentinien
Der Weg zum Frühstück ins ARTANIA-Restaurant erfolgt bei uns immer außen über das Promenadendeck, an Seetagen über an der windabgewandten Seite. An Hafentagen macht das Schiff meist gegen 7:00 Uhr fest, dann ist die Seite unserer Wahl natürlich die der Pier zugewandte. So auch heute.
Gegenüber der ARTANIA lag ein großes Versorgungsschiff der argentinischen Marine und an dessen Seite hatte ein dicker Eisbrecher angedockt, dessen
Auf der Pier tummelten sich junge Leute in roten und blauen Jacken.
Wir schlossen messerscharf, dass es sich hierbei eine Gruppe handeln müsse. Aber welche? Und was machen die hier?
Nach dem Frühstück tummelten sie sich immer noch. Also nichts wie raus und fragen. Vorher gingen wir noch rasch auf die Kabine, um uns wärmere Jacken anzuziehen, denn hier am Ende der Welt, wie Ushuaia gerne bezeichnet wird, geht es auf den Herbst zu und es ist recht frisch und windig.
Als wir allerdings die Gangway herunterkamen waren die Gruppen bereits in Kleinbussen verfrachtet worden, ...
... was aber weder die Businsassen noch uns daran hinderte, uns gegenseitig zu fotografieren.
Es erfolgte sogar eine Kontaktaufnahme über die Smartphones, allerdings nicht über Mail oder WhatsApp -wie auch ohne E-Mail-Adressen oder Handy-Nummern – sondern über das Zeigen des geschriebenen Worts durch die Fensterscheiben des Busses.
Die Smartphones ersetzten also lediglich Papier und Bleistift.
So ergatterten wir sogar noch eine E-Mail-Adresse. Mal sehen, ob darüber eine nachträgliche Kontaktaufnahme gelingt.
Anhand des Emblems konnte uns Die KI Google-Gemini schon folgendes verraten:
Hinter diesem Emblem verbirgt sich das argentinische Antarktis-Programm, das von zwei eng miteinander verknüpften staatlichen Institutionen geleitet wird.
1. Dirección Nacional del Antártico (DNA)
Dies ist die übergeordnete Behörde (die Nationaldirektion für die Antarktis). Sie ist für die politische Planung, die Logistik und die Verwaltung der argentinischen Aktivitäten in der Antarktis zuständig. Sie untersteht dem argentinischen Außenministerium.
2. Instituto Antártico Argentino (IAA)
Das IAA ist der wissenschaftliche Arm dieser Organisation. Es wurde bereits 1951 gegründet und ist weltweit das erste wissenschaftliche Institut, das sich ausschließlich der Antarktisforschung widmet.
Bei der Gruppe mit den IAA/DNA-Aufnähern handelte es sich höchstwahrscheinlich um:
- Wissenschaftler und Techniker: Junge Forscher (Biologen, Geologen, Meteorologen), die den Südsommer auf den argentinischen Stationen verbracht haben und nun nach Hause zurückkehren.
- Stipendiaten: Oft nehmen junge Doktoranden an den Expeditionen des Instituto Antártico Argentino teil, um Daten für ihre Forschung zu sammeln.
Als wir uns dem Hafenausgang näherten, schallte uns lautes Trommeln entgegen.
Hier war allerdings keine Folklore zugange, sondern eine Demonstration von Hafenarbeitern.
Der Grund der Demonstration war, dass die argentinische Nationalregierung den Hafen unter staatliche Aufsicht („Treuhänderschaft“) zu stellen und entzog der örtlichen Hafenbehörde erst einmal die Lizenz den Hafen zu betreiben.

Auch wenn es auf dem Foto so aussieht, Doris hat nicht mitdemonstriert, sondern sorgte nur dafür dass die Fahne fürs Foto gut lesabar war.
- EL PUERTO NO SE ENTREGA.
- NO A LA PRIVATIZACIÓN.
- "NO HAY PERDÓN NI OLVIDO"
Sinngemäß übersetzt:
- Der Hafen wird nicht ausgeliefert/übergeben.
- Nein zur Privatisierung.
- Wir werden uns daran erinnern und weiter dagegen kämpfen.
Viele Beschäftigte befürchtet, dass die staatliche Intervention nur ein Zwischenschritt zu einer späteren Privatisierung oder Konzession an private Betreiber sein könnte, gepaart mit dem Verlust von Arbeitsplätzen. Wobei jetzt schon Teile der Belegschaft der Zugang zu ihrer Arbeitsstelle verweigert worden war.
Bei den Touristen hatte die Demo allerdings nur wenig Interesse geweckt.
Auf unseren Weg durch einige, meist touristisch geprägte Straßen, gab es noch dies und das zu sehen, was fotografisch festgehalten wurde.

Es soll Menschen geben, die beim Anblick der Regenbogenfarben politisch bedingt Pickel und Ausschlag bekommen.
Das Schild ist ein offizieller Hinweis auf den „Pfad der Vielfalt“ (Senda de la Diversidad) in Ushuaia.
Der Name dieser Straße steht für die Anerkennung und Inklusion der LGBTQ+-Gemeinschaft. Ushuaia gilt als eine der progressivsten Städte Argentiniens in Bezug auf LGBTQ+-Rechte.
Auf der ARTANIA herrschen immer noch die verstärkten Hygienemaßnahmen.
Leider ist die Informationspolitik von Phoenix wieder mal grottenschlecht. Warum dürfen wir nicht wissen, wie viele Fälle von Norovirus-Erkrankungen es derzeit gibt. Es würde mich schon interessieren, anhand welcher Kriterien die verschärften Maßnahmen in Kraft gesetzt wurden und welche Kriterien erforderlich sind, dass diese Maßnahmen wieder abgesetzt werden können.
Eine Schutzmaßnahme wurde allerdings schon wieder aufgehoben. Die Pools sind nicht mehr gesperrt. Die Sperre war erforderlich, weil eine Kontaminationdes Poolwassers mit dem Krankheitserreger bedeutet hätte, dass die gesamte Poolanlage einschließlich Zu- und Ablaufsystem desinfiziert werden müsste.
<Ironoe an> Da aber Pools gegen das Norovirus immun sind, ist eine Sperrung nicht mehr erforderlich. </Ironie aus>
Was ich damit eigentlch sagen will, hier fehlt Information, um das zu verstehen.
Vorschau:
Am 11.3.2026 wurde über Bordlautsprecher informiert, dass es am vorherigen Tag nur noch eine einzige Neuerkrankung gab. Die Hygienemaßnahmen werden noch "ein paar Tage" aufrechterhalten.
63. Reisetag – Dienstag, 10.03.2026 – Kap Hoorn und Beagle Kanal
Von Ushuaia sind wir gestern Abend den Beagle Kanal Richtung Osten zurück in den Atlantik gefahren und haben von dort Kurs auf Kap Hoorn genommen. Kap Hoorn ist die südlichste Insel (Isla Hornos) des Feuerlandarchipels (Tierra del Fuego). Hier treffen Atlantik und Pazifik aufeinander.
Kurz vor acht Uhr war es soweit, Kap Hoorn kam in Sicht.
Viel zu sehen gab es nicht, insbesondere weil der Abstand der ARTANIA von dem kleinen Eiland doch recht groß war. Was zählt, ist der Nimbus, vor Kap Hoorn zu kreuzen.
Aber wenn man genau hinschaute, sah man den Leuchtturm, das Wohngebäude des Leuchtturmwärters und das zu Ehren der am Kap ertrunkenen Seeleuten errichtete Albatros-Monument.
Auf dem Albatros-Monument befindet sich das folgende (übersetzte) Gedicht der chilenischen Dichterin Sara Vial.
Ich bin der Albatros, der am Ende der Welt auf dich wartet.
Ich bin die vergessene Seele der toten Seeleute,
die zum Kap Hoorn segelten, von allen Meeren der Erde.
Aber sie sind nicht gestorben im Toben der Wellen,
denn jetzt fliegen sie auf meinen Schwingen für alle Zeit in die Ewigkeit,
wo am tiefsten Abgrund der antarktische Sturm heult.
Das gute Wetter verhinderte, dass ein wenig Abenteuerfeeling aufkam, was eigentlch mit Kap Hoorn automatisch verbunden ist. Statt des berühmt berüchtigten Kap Horn Wetters mit Wellen, Sturm und Regen hatten wir schönstes Wetter und die stärksten Böen kamen mit Ach und Krach auf eine Windstärke von 4 Beaufort.
Die Segelschiffen in früheren Zeiten waren heilfroh, wenn sie Kap Horn heil passiert hatten. Und was macht unser Kapitän Morton Hansen, der Teufelskerl? Er umrundet sogar mit der ARTANIA (33.000 PS) die Insel.
Aber Umrundung hin und Umrundung her, es war halb neun und alle Passagiere, die eben noch die Außendecks bevölkert hatten, strömten jetzt gleichzeitig zum Frühstück.
Da hatten die Kellner und die Aufschöpf-Assistenten an den einzelnen Buffetstationen sicherlich ihre helle Freude.
Der Seefahrer aus der Zeit der Segelschiffe wäre jetzt flugs in den Pazifik eingefahren, um dann weiter mit nördlichem Kurs die Westküste von Südamerika hochzufahren. Nicht so die ARTANIA.
Sie nahm Kurs zurück zum Beaglekanal, noch einmal vorbei an Ushuaia und weiter Richtung Westen. Dies ist eine landschaftlich großartige Strecke, nicht zuletzt, weil hier auch die sogenannte Gletscherstraße verläuft.
Diese Route vom Atlantik zum Pazifik war für die damaligen Großsegler keine Alternative, weil die dortigen Fallwinde, Strömungen und Engstellen für Segelschiffer noch gefährlicher waren als Wind und Seegang vor Kap Hoorn.
Aber für die ARTANIA mit den starken Schiffsmotoren und zusätzlich zwei Lotsen an Bord war das heute alles kein großes Problem.
Im Bordfernsehen wird eine Karte gezeigt, auf der ständig die zurückgelegte Strecke (gelbe Linie) aktualisiert wird und auch die noch geplante Routenführung (orange Linie) zu sehen ist.
Auf diesem Ausschnitt fährt die ARTANIA gerade wieder in den Beagle Kanal ein. Die Gletscher entlang der sogenannten Gletscherstraße westlich von Ushuaia sind auf der Karte gut zu erkennen. (weiße Flächen).
Leider sind die Farben für die weiter zu fahrende Route und die Landesgrenze zwischen Argentinien und Chile sehr ähnlich, dass beim Betrachten der Karte zu Irritationen führen könnte.
Als wir die Gletscherstraße passierten, ...
... waren wieder alle Mann (und Frau) mit gezückten Kameras und Smartphones auf den Außendecks.
Zu den Hauptgletschern zählen:
Hollandia, Italia, Francia, Alemania und Romanche.
Diese Namen sind eine Hommage an die europäischen Entdecker und Expeditionen, die diese entlegene Region im 19. und frühen 20. Jahrhundert kartographierten.
Den heutigen und die drei folgenden Tage lediglich als "Seetage" zu bezeichnen, würde den grandiosen, zerklüfteten und wilden Fjordlandschaften nicht gerecht werden. Vielleicht trifft "Panoramafahrt" die Sache schon eher.
64. Reisetag – Mittwoch, 11.03.2026 – Chilenische Fjorde
Von einer Panoramafahrt gibt es eigentlich nichts zu berichten, außer dass man immer wieder das Panorama bewundert und genossen hat. Dazu postet man ein bis drei Fotos, ...
... von denen nicht ein Einziges den tatsächlichen Eindruck wiedergeben kann.
Fertig ist der Bericht des Tages!
Es gab dann aber doch drei Pflichttermine, über die ich doch einige Sätze hier im Blog spendieren möchte.
Der südlichste Punkt des südamerikanischen Festlands (Kap Froward) hat keine Besonderheiten, außer dass er der südlichste Punkt ist.
Um die Sache etwas aufzupeppen, wurde dort 1987 anlässlich des Besuchs von Pabst Johannes Paul II. in Chile ein Kreuz aufgestellt.
Das Kreuz bei Fortescue Bay war mit dem bloßen Auge so gut wie nicht zu erkennen. Deshalb gibt es auch kein Foto.
Das Schiffwrack der Santa Leonor in der Meerenge Paso Shoal in der Magellanstraße ...
... war natürlich ein gefundenes Fressen für uns Fotofreunde.
Vor dem Abendessen wurde im Foyer und Umgebung für eine halbe Stunde zum „Treppenhaus Cocktail“ eingeladen.
Es gab gratis Sekt und O-Saft, was sich positiv auf die Besucherzahl ausgewirkt hat.
Es geht abwärts. Gestern war Halbzeit. Die erste Hälfte der 125-tägigen Reise ist bereits vorbei. ☹
65. Reisetag – Donnerstag, 12.03.2026 – Chilenische Fjorde
Regen, Wind und Temperaturen um die 10° Celsius, so war das Wetter heute den ganzen Tag.
Das erforderte entsprechende Garderobe, wenn man das wohltemperierte Innere des Schiffs verlassen wollte.
Heute standen „nur“ zwei Gletscher auf dem Programm. Aber dazwischen punktete Chile weiterhin mit seiner faszinierenden Fjordlandschaft.
Beim Blick durch das Kabinenfenster noch vor dem Frühstück, waren Eisschollen zu sehen.
Die stammten vom gewaltigen Gletscher Pius XI, den die ARTANIA gerade ansteuerte.
Hier lag bereits ein anderer Kreuzfahrer, kleiner als unser Schiff und noch näher dran als wir.
Am späten Nachmittag erreichten wir den Amalia Gletscher, der nicht nur gewaltig groß ist, sondern sich trotz Klimaerwärmung nicht jährlich abbaut, wie seine Kollegen weltweit, sondern stetig wächst. Dies ist bedingt durch das lokale Klima mit den vielen Niederschlägen und der Topologie dieser Gegend.
Planmäßig verließen wir am späten Abend das Fjordgebiet und mussten hinaus aufs offene Meer, wo etwa 4 Meter hohe Wellen uns in den Schlaf schaukelten
66. Reisetag – Freitag, 13.03.2026 – Chilenische Fjorde Seetag
Das heute Seetag ist, liegt daran, dass wir gestern länger als ursprünglich geplant in der Fjordlandschaft gekreuzt sind, um so dem Pazifik die Zeit zu geben, sich auszutoben, ehe wir die geschützten Fjorde verlassen.
Normalerweise wären wir später in eine weiter nördlich gelegene Fjordlandschaft eingetaucht, aber jetzt fehlte uns die Zeit dazu und so fuhren wir mit voller Kraft auf Castro zu, unseren nächsten Hafen.
Aber das nur am Rande.
„Unsere“ Lieblingskellnerin Ani ist nicht mehr da. Sie hat wegen einer Erkrankung auf Anweisung der Schiffsleitung das Schiff verlassen und musste nach Hause nach Bali fliegen, um sich dort in ärztliche Behandlung zu begeben. Das hat uns sehr betroffen gemacht.
Wir wünschen ihr von hier aus alles erdenklich Gute und hoffen, sie im nächsten Jahr wieder auf der ARTANIA anzutreffen.
67. Reisetag – Samstag, 14.03.2026 Castro/Insel Chiloé/Chile
Die Wetter-App hatte schon seit Tagen für Castro ganztägigen Regen prophezeit und dann zu allem Überfluss auch noch recht behalten.

Die großen türkisfarbenen Regenschirme gehören zur Kabinenausstattung, sind uns aber zu sperrig und passen nicht in den Rucksack.
Mit dem Tenderboot wurden wir an Land gebracht und gnadenlos dem Regen ausgesetzt.
Die Hauptattraktion des Ortes ist die im Zentrum gelegene Kirche mit den zwei Türmen, die vollständig aus Holz gebaut ist. Da das Zentrum recht hoch gelegen ist, hätten wir entweder eine lange steile Treppe erklimmen oder eine steile Straße entlang gehen müssen. So musste die Oberstadt auf Grund der ungünstigen Wetterlage auf unseren Besuch verzichten
Aber auch auf Meereshöhe gab es einige Kleinigkeiten zu entdecken.
Auffällig viele Hunde liefen auf den Straßen frei herum. Dabei handelte es nicht um Streuner, sondern um gepflegte Tiere, oft mit Halsband.
Vor einem Lebensmittelgeschäft rätselten wir, was dieses verschlungene Etwas denn sein könnte.
Wie so oft konnte uns das allgegenwärtige Internet weiterhelfen.
Bei diesem bündelartigen Gebilde handelte es sich um Cochayuyo (Durvillaea antarctica), eine riesige, essbare Braunalge, die an den felsigen Küsten Chiles wächst.
Leichter zu interpretieren war dieses Restaurantschild mit dem Werbeslogan ...
... Cervicia Kunstmann
das gute Bier.
Die Familie Kunstmann, die im 19. Jahrhundert von Deutschland nach Chile ausgewandert war, begann in den 1960er Jahren für den Eigenbedarf Bier zu brauen. 30 Jahre später wurde daraus ein kommerzielles Unternehmen: die Compañía Cervecera Kunstmann.
Kunstmann ist heute eine der bekanntesten Biermarken in Chile.
Bei schönem Wetter hätten wir den hübschen Ort sicherlich noch weiter erkundet,...
... aber nachdem wir genügend durchnässt waren, zogen wir es vor, zur ARTANIA zurück zu tendern.
Schon heute früh, bevor wir unseren Landgang angetreten hatten, gab der Kreuzfahrtdirektor über Bordlautsprecher bekannt, dass wir uns an den Buffets wieder selbst bedienen könnten. Die Hygienemaßnahmen haben gezogen und es gab keine Neuinfektionen mit dem Norovirus mehr.
Zum Mittagessen im Lido-Buffet-Restaurant war die Lockerung der Hygienemaßnahmen aber noch nicht überall angekommen. Bei den Salaten, den Suppen, den Nachtischen und dem Obst waren die Assistenten abgezogen, aber an der Theke mit den warmen Speisen beharrten die dahinterstehenden Köche nach wie vor darauf, dass sie uns die Teller füllen. Sie behielten eisern die Oberhoheit über die Servierzangen und Löffel, mit denen wir normalerweise die gewünschten Speisen aus den entsprechenden Warmhaltebehältern auf den Teller bugsieren.
Dass auch weiterhin an den Eingängen ein Sprayer positioniert ist, der aufpasst, dass sich jeder die Hände desinfiziert, stört keineswegs. Im Gegenteil, wir finden das gut, dass so die „Verweigerer“, die es zur Genüge gibt, trotzdem ihre Dosis Desinfektionsmittel verpasst bekommen.
Ab dem Abend herrschte dann auch an der Theke mit den warmen Speisen wieder die ursprünglich gewohnte Selbstbedienung.
68. Reisetag – Sonntag, 15.03.2026 Puerto Montt/Chile
Auf der Plattform TripAdvisor hatten wir für heute einen privaten Ausflug gebucht. Bis gestern hätten wir ihn noch kostenlos stornieren können. Wir waren ob der Wetterprognosen hin und her gerissen, denn die Voraussage war gemischt. Für den Tag war immer wieder mit Schauern zu rechnen.
Aber kurzum, wir sagten uns: “Augen zu und durch!“
„Personalisierte Tour durch die Region Los Lagos in Chile“, so die Bezeichnung bei TripAdvisor, wobei Landschaft, Landschaft und nochmals Landschaft die Maxime dieser Tour war.
Pünktlich um 10:15 Uhr holte uns Rodrigo, unser Fahrer, am Hafenausgang ab. Die Kontaktaufnahme war einfach. Doris hatte ihm vorab ein Foto von uns mit den auffälligen gelb-blaue Jacken geschickt. So erkannte er uns schon von Weitem.
Der erste Fotostop war am Lago Llanquihue, einem See etwa 1,6 mal so groß wie der Bodensee.
Von hier hat man einen wunderbaren Ausblick auf die Vulkane Osorno, Calbuco und Puntiagudo - theoretisch zumindest.
Aber Himmel und Berge waren wolkenbehangen, dass sich ein Foto kaum gelohnt hat.
Also weiter im Plan zu den Saltos del Petrohue, den Petrohué-Wasserfällen im Nationalpark Vicente Pérez Rosales in der Gemeinde Puerto Varas.
Aber nur wenige Kilometer vor dem Ziel bremste uns ein Stau erst mal aus und Rodrigo befürchtete, dass die Straße an einer Stelle unpassierbar sein könnte, bedingt durch Überschwemmungen und Sturzbäche, weil es gestern hier so stark geregnet hat. Wir standen noch nicht sehr lange im Stau, als ein Mann die Fahrzeugschlange abschritt und mit jedem Fahrer sprach. Er bestätigte die Befürchtung von Reodrigo.
Wir und anderen Fahrzeuge auch kehrten um. Für uns bedeutete das Routenänderung derart, dass wir erst einmal das Volcán Osorno Centro de Montaña ins Visier nahmen.
Der Osorno ist der markanteste Vulkan in Chile. Er wird auch gerne als der kleine Fuji Chiles bezeichnet. Die Fahrt über die Serpentinen, um die 1200 Höhenmeter zu dem Centro de Montaña (Bergzentrum) zu bewältigen, hatte schon was. Leider fing es an wie aus Kübeln zu regnen.
Als wir den Parkplatz am Centro de Montaña erreicht hatten, waren wir dankbar, dass der Regen nicht mehr ganz so heftig war.

Der Lift war zwar in Betrieb, aber bei diesem Shit-Wetter blieb die Kundschaft aus.
Weiter höher hätte man auch keine bessere Sicht gehabt.
Das Centro de Montaña ist ein beliebter touristischer Anlaufpunkt und ist in den Wintermonaten ein beliebtes Skigebiet.
Von hier hat man einen wunderbaren Ausblick auf den Llanquihue See und die umliegenden Bergen und Vulkane. Aber was vorhin von der Blickrichtung Llanquihue See zum Osorno galt hier auch, nur umgekehrt. Weder See noch umliegende Berge waren zu sehen.
Die einzig vernünftige Konsequenz ob dieser Widrigkeit war, erst einmal in dem rustikalen Restaurant einen Kaffee zu trinken.
Diese Strategie erwies sich als halbwegs brauchbar (auch wenn der Kaffee unverschämt teuer war), ...

Die Sicht auf den Lago Llanquihue war jetzt frei, die Berge versteckten sich aber weiterhin hinter den Wolken.
... denn es klarte auf, zumindest ein bisschen.
Nach der Kaffeepause und einigen Fotos unternahmen wir einen zweiten Versuch, zu den Petrohué-Wasserfällen zu gelangen.
Und im 2. Anlauf klappte es!
Ein Bagger und Straßenbauarbeiter waren zwar immer noch dabei, die Straße zu säubern, aber zumindest eine Spur konnte jeweils abwechselnd von beiden Seiten wieder befahren werden.
Und so gelangten wir tatsächlich in den Nationalpark.
Zzu allem Überfluss hatten sich die Wolken verzogen und die Sonne schien.
Jetzt endlich konnten wir den kleinen Fuji, den Osorno, sehen und ihn gefühlte 100-mal fotografieren.
Die übliche Übersetzung von Saltos del Petrohue in Petrohue Wasserfälle ist eigentlich nicht ganz richtig. Das Wort „Saltos“ kann auch mit „Sprünge“ übersetzt werden, was die Sache eher trifft.
Denn was hier zu bewundern gibt, sind Stromschnellen und Kaskadenin einer wilden Lavalandschaft.
Rodrigo führte uns noch zu dem einen oder anderen lohnenden Fotomotiv, etwas abseits von den Hauptwegen.
Wir genossen den Aufenthalt und merkten gar nicht, wie die Zeit fortschritt.
Dieser schöne Nachmittag ließ die Wetterpleiten vom Vormittag völlig vergessen.
Auf der Fahrt zurück zum Schiff (ca. 60 Kilometer) kam mir die Idee, Rodrigo zu fragen, ob es möglich wäre, an einem Laden anzuhalten, um Kunstmann Bier zu kaufen.
Mit dieser Frage hatte ich offene Türen eingerannt. Rodrigo erzählte mir, dass dies sein Lieblingsbier sei und zeigte mir auf seinem Smartphone Fotos, wo er mit einer Flasche Kunstmann Bier in der Hand im Fernsehen Fußball schaut.
An einem Mini-Supermarkt hielten wir an. Rodrigo empfahl ein dunkles Craftbier, aber ich entschied mich für ein helles Lagerbier (ca. 2 € für die 0,33l Flasche).
Gegen 17:00 Uhr wurden wir am Hafeneingang abgesetzt und wir verabschiedeten uns, nachdem wir uns bei Rodrigo für die wunderbare Tour bedankt.
Rodrigo können wir nur loben, nicht nur wegen seiner überaus besonnen und sicheren Fahrweise. Er ist nicht der Guide, der einem pausenlos vollquatscht, sondern dann etwas erklärt, wenn es etwas zu erklären gibt. Das kam unserem eingerosteten Schulenglisch sehr entgegen.
Eigentlich sollten wir hier bis morgen 13:00 Uhr bleiben. Da für morgen Sturm vorausgesagt wurde, was zur Folge hätte, dass der Hafen geschlossen wird, hätte die ARTANIA festgesessen. Um 20:00 Uhr. noch vor Einbruch der Dunkelheit hieß es „Leinen los“, denn eine weitere Hafenrestriktion besagte, dass ein Auslaufen nur bei Tageslicht erlaubt ist.
Wenige Seemeilen außerhalb des Hafens wurde erst einmal der Anker geworfen. Der Plan war, ab nachts um 3 Uhr in den nächsten Fjord einzufahren und dort erst einmal bis zum späten Vormittag zu kreuzen, ehe es hinaus aufs offene Meer gehen sollte. Dort würden uns Wind und Wellen dann ein wenig durchschaukeln.
Kapitän Hansen gab über Lautsprecher bekannt, dass es neben diesem Plan A auch noch einen Plan B und einen Plan C gäbe, wenn das Wetter eine Einfahrt in den Fjord verhindern würde.
69. Reisetag – Montag, 16.03.2026 Seetag
Das Wetter war grauslich und Plan B und C blieben in der Schublade und wir blieben hauptsächlich im Schiffsinneren. Fjordlandschaften auf den Außendecks zu genießen war heute nur etwas für Hartgesottene und wir gehören eher zur Weichei-Fraktion.
Da heute sich nicht viel ereignet hat, kann ich noch eine Kleinigkeit von gestern nachreichen.
Als wir gegen 17:00 Uhr aufs Schiff kamen, stellte sich der kleine Hunger ein, denn wir hatten nicht zu Mittag gegessen, sondern nur ein ausgiebiges Frühstück gehabt.
Also freuten wir uns auf eine warme Gulaschsuppe, die man über den sogenannten Kabinenservice telefonisch über die Rezeption bestellen kann.
Jetzt mussten wir erfahren, dass die seit Jahren bzw. Jahrzehnten angebotene Gulaschsuppe nicht mehr gibt. Stattdessen könne man sich jetzt die Kraftbrühe-Variante oder die Cremesuppe des Tages bestellen, wie sie auch in den Restaurants serviert wird. Kurzum die nahrhafte Gulaschsuppe, wurde durch die weniger nahrhaften Vorspeisensuppen ersetzt.
Burger, Pizza und Sandwiches waren aber noch bestellbar.
Wir gingen davon aus, dass die Gulaschsuppe einer Rationalisierungsmaßnahme zum Opfer gefallen ist, denn die Tagessuppen sind ja sowieso immer da. Wobei der Begriff Tagessuppen nicht ganz richtig ist und Halbtagessuppe genauer wäre. Denn zum Abendessen gibt es andere Suppen als zum Mittagessen.
Wir hatten zufällig die Gelegenheit mit einem Mitarbeiter des Hotel-Departments zu sprechen. er widersprach vehement, dass der Grund für diese Änderung der Rationalisierungsgedanke gewesen wäre. Vielmehr sei die Entscheidung an höherer Stelle gefallen, mit der Begründung, dass dadurch das Angebot des Kabinenservice vielfältiger und variabler geworden sei, anstatt immer nur Gulaschsuppe anzubieten.
Allerdings hätte diese Variabilität den Nachteil, dass es bei der telefonischen Bestellungen immer wieder zu Diskussionen und Nachfragen kommt , weil die Rezeption dem Besteller erst einmal erklären muss, welche Suppen jetzt genau geliefert werden können und ob es sich dabei um die Mittags- oder Abendvariante handelt. Man sieht, hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.
Wir bestellten uns übrigens dann einen Cheeseburger und ich ließ mir eines der beiden Fläschchen Kunstmann Bier dazu schmecken.
70. Reisetag – Dienstag, 17.03.2026 Seetag
Seit langen schien mal wieder die Sonne.
Wir Passagiere waren sonnenmäßig ein wenig ausgehungert.
Der Sonnenhunger und der Hunger auf Crêpes Suzette mit Eis konnte nachmittags zur Kaffeestunde in der Kopernikus Bar in einem Aufwasch gestillt werden.
Eigentlich wollte die ARTANIA gemütlich dem morgigen Ziel, San Antonia, entgegen dümpeln. Doch daraus wurde nichts. Am frühen Nachmittag hieß es „Volle Kraft voraus“, denn es bestand die Gefahr, dass morgen früh der Hafen von San Antonia auf Grund von starker Dünung der Hafen geschlossen wird. San Antonio links liegen lassen war keine Option, da im Hafen 6 Container mit Lebensmittel, Bier, Klopapier und was weiß ich noch mit was allem für die ARTANIA bereitstanden. Außerdem sollte Treibstoff gebunkert werden.
Mit 20 Knoten Geschwindigkeit erreichte die ARTANIA gegen Mitternacht ihr Ziel, konnte aber noch nicht in den Hafen einfahren und dort anlegen, weil ein Autotransporter, dessen Liegeplatz wir einnehmen sollten, mit Verspätung erst gegen 3:00 Uhr den Hafen verlassen hatte.
Der Hafen wurde etwa eine Stunde später tatsächlich geschlossen.
71. Reisetag – Mittwoch, 18.03.2026 San Antonio/Chile
Was tun in San Antonio, wenn man nicht mit dem Bus in die 100 Kilometer entfernte Hauptstadt Santiago de Chile oder ins 90 Kilometer entfernte Valparaiso fahren möchte?
Man sucht sich irgendein fußläufig erreichbares Ziel und tappt los. Doris hatte als Ziel den Faro Punta Panul ausgesucht, ein vom Hafen ca. 3 Kilometer entfernter Leuchtturm. Der Leuchtturm selbst ist keine besondere Attraktion, sondern einfach nur ein Leuchtturm halt, dessen wichtigste Eigenschaft heute war, ein Ziel zu sein.
Mit einem Shuttlebus wurden wir von der Pier zum Passanger-Terminal gebracht, von wo es nur noch wenige Schritte zum Hafenausgang waren.
Wir waren positiv überrascht, wie kurzweilig der Weg entlang am Ufer war. Kleine Geschäftchen, Stände mit ausgefallenen Auslagen ...
...und die kleine Markthalle mit den FischhändlerInnen
Passend zum bunten Treiben an Land fügten sich die zahlreichen farbenfrohen Fischerboote im gegenüberliegenden Fischereihafen ins Bild.
Am Strand sonnten sich ein Dutzend Seelöwen, die das Gesamtensemble passend abrundeten.
„Unser“ Leuchtturm befand sich auf einer Anhöhe 80 Meter über dem Meeresspiegel.
Den Höhenunterschied bewältigten wir über eine lange und steile Treppe (ächz!).
Der weitere Weg führte uns durch ein Wohnviertel mit den typischen ein- und zweigeschossigen Häusern, meist aus Holz.
Was uns einem Kilometer vor dem Ziel stutzig machte, war, dass an der Stelle, wo unser Routenplan sagte „links abbiegen“, ein geschlossenes Eisentor uns den Weg versperrten.
Wie gesagt, es machte uns stutzig, aber nicht ratlos., denn wir bogen einfach bei der nächsten Möglichkeit nach links ab.
So kamen wir in eine Ecke, in der mehrere große moderne Wohnanlagen stehen.Die waren gesichert wie die Bank von England.
Rundherum eingezäunt und Zugang zum Areal nur mit passendem Schlüssel möglich.
Anscheinend war nach dem Bau der Wohnanlagen und der Umzäunung noch genügend Zaun übrig, ...
... denn jedweder Zugang in Richtung Leuchtturm schien ebenfalls versperrt.
Es blieb also nur der Rückzug. Den wollten wir aber nicht auf der eigenen Spur zurückgehen, sondern wir wanderten eine Straße hinunter, die direkt zum Meer führte, ...
... um weiter am Ufer entlang zurück zum Hafenterminal zu laufen.
So entstand praktischerweise ein Rundkurs.
Schon fast wieder „zu Hause“ fiel uns ein Schild auf, das wir vom Smartphone übersetzen ließen.
„Bootsfahrt“ lautete die Übersetzung.
Da wir schon seit Stunden nicht mehr Schiff gefahren waren, schien uns das ein verlockendes Angebot zu sein. Allerdings sprach der Mann am Kassenhäuschen kein Wort Englisch, somit musste der Google-Übersetzter wieder herhalten und wir erfuhren, dass es hier eine Hafenrundfahrt angeboten wurde, die 30 Minuten dauert und 4000 Pesos (3,80 €) pro Person kostet. Zahlung nur bar und in einheimischer Währung.
Wir kratzten unsere gesamte chilenische Barschaft, einschließlich Münzen, zusammen und konnten gerade mal so die Bootsfahrt finanzieren.
Wegen der morgendlichen Hafensperrung konnte das Tankschiff nicht pünktlich neben der ARTANIA festmachen. So verschob sich unsere Abfahrt von 20:00 auf 23:00 Uhr.
Das hatte aber keine Einfluss auf unseren nächsten Zielhafen Iquique, denn dazwischen lagen 2 volle Seetage.
72. Reisetag – Donnerstag, 19.03.2026 Seetag
Das gestrige Tanken ist eine kostspielige Angelegenheit gwesen. Nicht nur an Deutschlands Zapfsäulen ist der Benzinpreis in die Höhe geklettert, sondern auch der Schiffsdieses hat preislich zugelegt.
So kostete beim gestrigen Bunkern die Tonne 1.250 US-$. Da wir 800 Tonnen getankt hatten, waren 1 Million Dollar fällig.
Auch fand gstern noch ein kleiner Crewwechsel statt. 25 Crewmitglieder stiegen ab und flogen nach Hause, dafür waren 25 Neue angekommen. Unter naderen der Kellner Her (ja nur mit einem "r"), der uns schon seit vielen Jahren im Artania-Restaurant bedient hat.





















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